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  „Texte lesen ist kein unschuldiges Vergnügen“

Rezension des Sammelbands „Queer Reading in den Philologien“

„Texte lesen ist kein unschuldiges Vergnügen“

Der Sammelband zu „Queer Reading in den Philologien“, herausgegeben von Anna Babka und Susanne Hochreiter, ist Dokument der gleichnamigen, im November 2006 in Wien stattgefundenen Tagung. Bei dieser handelte es sich nicht nur um ein Novum in Bezug auf das Thema, sondern auch auf das Aufweichen von Grenzen in jeder Hinsicht, so auch deren von ZuschauerInnen und Podium. Unter anderem durch „Open Space“ und „Forumtheater“ konnten die Rollen von aktiv und passiv aufgebrochen werden.
Ein innovativer Schritt ist wohl auch die Form: Abgesehen davon, dass vergleichsweise nur wenige „Prominente“ zu Wort kommen und das Forum auch (noch) nicht wissenschaftlich „Etablierten“ überlassen wurde, gibt es zu jedem Beitrag einen oder mehrere Kommentare, welche dazu beitragen, dass kein Standpunkt stehen bleibt. Durch diese Form der Rückmeldung wird ein hierarchisch vermitteltes, eindimensionales Betrachten der Themen vermieden, sowie ein reflektiertes und eigenständiges Denken angeregt.

Definitiv ein weiteres Plus an der Publikation ist der übergreifende Zugang von Wissenschaft und Kunst. So wurden die teils für die Tagung produzierten Kunstwerke auch in den Druck aufgenommen und können somit als Bildmaterial – denn was ist schon Text – zusammen mit den literarischen Beiträgen gelesen werden.
Besonders herauszugreifen ist in diesem Kontext Mara Mattuschka alias Madame Ping Pong, der zwei eindrucksvolle Bilder („Aram“ und „Mara“) sowie ein beeindruckendes Spiel mit Sprache („Primäre Sexualmerkmale sind vor allem grammatikalische Endungen“) gelungen sind.

„Doch wonach fragt ein queerendes Lesen?“ Darauf kann im Sammelband auf eine Pluralität von möglichen Antworten verwiesen werden; immer geht es jedoch darum, Räume jenseits von Dichotomien und Binaritäten zu erschaffen, erleben, erkennen – oder eben zu lesen.
Sei dies durch die Frage nach dem queeren Potential von Cyborgs, wie sie Dagmar Fink aufwirft und Katharina Maria Wiedlack in ihrer Respondenz kommentiert, oder Andreas Krass‘ Anregungen, Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ queer zu lesen, bis hin zu Kritik an Queerer Theorie im Wissenschaftsbetrieb, derer sich Sabine Hark annimmt. Sie gibt zu bedenken, dass Institutionalisierung auch kategorisiertes Denken mit sich bringt, was die vielfältigen Anknüpfungspunkte queeren Hinterfragens gefährden könnte.
Gudrun Perko geht in ihrem Beitrag auf grundlegendes, kontextuales Hintergrundwissen zum Begriff Queer, sowie zu Methoden, sich queerem Lesen zu nähern, ein. Sie bietet damit eine Nachlese sowohl für jene, die sich erst rudimentär damit auseinandergesetzt haben, als auch für solche, die einen kompakten Artikel zum Nachschlagen suchen.
Antke Engel verweist in „’Vater Arsch’ Was verletzt die Hetero-Norm?“ auf die omnipräsente Rigidität der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit.

Trotz eines explizit philologischen Fokus wird, aufgrund von niederschwelligen Formulierungen und einem Verzicht auf allzu großen (geschriebenen) akademischen Gestus, ein Zugang leicht gemacht und der Band zu einem verständlichen Lesevergnügen, das Lust darauf macht, selbst wieder mehr aus den Normen zu tanzen.



Anna Babka / Susanne Hochreiter (Hg.): „Queer Reading in den Philologien. Modelle und Anwendungen“, V&R unipress, Göttingen 2008


online seit 18.05.2009 17:01:21
autorIn und feedback : Verena Stern




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