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Sensomotorisches Band: War in our time Krieg im US-Kino und TV zwischen 1998 und 2008 Steven Spielbergs „Saving Private Ryan“ (1998) markierte einen grundsätzlichen Epochenbruch in der Darstellung von Krieg in der Popkultur. Seine historische Leistung bestand darin, das komplexe Verhältnis zwischen individueller, brutaler Traumatisierung und der Frage nach der Sinnhaftigkeit des globalen Konflikts, in dem sie sich vollzieht, auf ambivalente und widersprüchliche Weise ausgebreitet zu haben. Die Überzeugung, dass ein Krieg „richtig“ sein könne und dabei gleichzeitig unfassbar grausam; dass er Menschenleben zerstören und riesiges Leiden produzieren könne, aber dennoch „notwendig“ sei - das propagierte „Saving Private Ryan“ mit der Figur des einzelnen Soldaten, für dessen Rettung viele andere Soldaten ihr Leben lassen müssen, und der selbst an dieser Schuld fast zerbricht. Um die Menschlichkeit selbst zu verteidigen, war es bei Spielberg notwendig, einen Menschen zu retten. Nun war es natürlich kein Zufall, dass in den 1990er Jahren der zweite Weltkrieg als Stoff wieder entdeckt wurde, während sich die Frage nach der militärischen Rolle der USA nach dem Ende des Kalten Krieges und zwischen Desert Storm 1991 und Iraqi Freedom 2003 auf neue Weise stellte und ein starkes Legitimationsbedürfnis erwuchs. Vor diesem Hintergrund spielten „Saving Private Ryan“ und die folgende HBO-Miniserie „Band of Brothers“, an deren Produktion Spielberg ebenfalls mitwirkte, allerdings eine ambivalente Rolle. Einerseits ließ sich der Bezug auf den Guten Krieg als patriotischer Appell und Rückbesinnung auf die Werte verstehen, für die amerikanische Soldaten vermeintlich ihr Leben riskierten. Andererseits kontrastierte der Kampf gegen das absolut Böse, das sich den GIs vor allem in „Band of Brothers“ bei der Befreiung eines Konzentrationslagers zeigte, augenfällig mit der Invasion des Irak, deren vorgeblicher Auslöser – die Existenz von Massenvernichtungswaffen - sich im Nachhinein als Fiktion herausstellen sollte. Spielbergs Vorgehen erdete die zwischen Aufklärung und Pathos oszillierende Darstellung des Themas immer über Zeitzeugen, die schon in „Schindler’s List“ (1993) als Authentifizierungsfigur fungiert hatten: in „Private Ryan“ mittels der fiktiven Gestalt Ryans und in „Band of Brothers“ durch dokumentarische Interviews mit Veteranen zu Beginn jeder Episode. Dass damit kein grundsätzlich neues Paradigma des Kriegsfilms etabliert war, zeigten Mel Gibsons Vietnam-Epos „We Were Soldiers“ (2002), dessen reaktionäre Grundtendenz durch die Behauptung einer Äquivalenz beider Kriegsparteien und eine im Laufe der Handlung eingeführte vietnamesische Parallelperspektive nicht relativiert wurde, und auch Clint Eastwoods Drama „Flags of our Fathers“ (2006), zu dem ein komplementärer Film aus japanischer Perspektive veröffentlicht wurde („Letters From Iwo Jima“). Die strenge Äquidistanz, die gerade Eastwoods Projekt sich verordnete, enthob die Filme zugleich einer konkreten historischen Verortung und Bewertung – moralisches statt politisches Kino. Genau das Gegenteil davon lässt sich in der Miniserie „Generation Kill“ von David Simon und Ed Burns beobachten, die HBO 2008 ausstrahlte, und die von der Invasion in den Irak 2003 handelt. Die Serie, in ihrem Format „Band of Brothers“ nicht unähnlich, ist aus der Sichtweise amerikanischer Marines geschildert, die von einem Reporter bei ihrer Mission von Kuwait nach Bagdad begleitet wurden. Von Äquidistanz kann hier keine Rede sein. Vielmehr werden die irakischen Gegner und die Zivilbevölkerung als das Andere schlechthin erfahren – nicht als böse, aber als fast völlig unverständlich. Der asymmetrische Krieg erfährt hier seine konsequente ästhetische und dramaturgische Umsetzung. Die Realität der Kriegserfahrung wird durch mediale Vermittlung und technische Verzerrung immer schon gebrochen. Anders als Spielbergs Projekte hat Generation Kill nahezu keine Filmmusik, sondern eine fast schon Dogma-eske Beschränkung auf Originalton. Die Titelmusik besteht in den Geräuschen des Funkverkehrs zwischen Soldaten. Die radikal subjektive Perspektive ist nicht die des Einzelnen, der sich dem Schicksal des Kriegs gegenüber sieht. Komplexität liegt hier (wie in der von den gleichen Autoren stammenden Serie „The Wire“) nicht in der Psychologie, sondern in der sozialen Konstellation. Das bringt es mit sich, dass Fragen nach dem Großen und Ganzen kaum noch beantwortet werden können. Erkenntnistheoretisch wesentlich schlüssiger als das klassische Mainstreamkino Spielbergs – das es dennoch schaffte, Politik und Moral, Individuum und Gesellschaft ins Beziehungsgeflecht eines Gesamtkunstwerks zu setzen. Bis heute unübertroffen. online seit 10.11.2008 13:14:32 (Printausgabe 43) autorIn und feedback : Daniel Raecke |
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Die Aufteilung des Gemeinsamen Der Philosoph Jacques Rancière beschäftigt sich mit dem Widerstand der Kunst, der Befreiung der ArbeiterInnen durch nächtliches Lesen und dem Kampf um den „Anteil der Anteilslosen“. Ist er Anarchist? [05.01.2009,Jens Kastner] Piraterie als soziale Utopie Ein Blick in die Schatzkiste Hollywoods [05.11.2008,Irene Zavarsky ] Der Guru-Effekt Austin Powers und Alf Poier fragen den Inder [03.11.2008,BW] die nächsten 3 Einträge ... |
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