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  Treten Sie näher! Fahren Sie mit!

Das Europäische Sozialforum von 18. bis 21. September in MALMOE (Schweden)

Der einstmals politisch faszinierende Anspruch des Europäischen Sozialforums (ESF), verschiedene Bewegungen, Gruppen, politische Subjekte europaweit zu vernetzen und mit globalen Bewegungen zu verbinden, hat wohl einiges von seinem Glanz verloren, wo er nicht ohnedies aufgegeben wurde. Dennoch ist Malmö, vom 18. bis 21. September 2008 Host-City des 5. Europäischen Sozialforums, eine Reise wert. Letztendlich hat die Kraft des Faktischen für eine Klärung der alten Streitfrage „Was bitte ist ein Sozialforum?“ gesorgt: Demnach ist das ESF – derzeit? – weder beschlussfähige Generalversammlung der Bewegungen, noch ein offener politischer Raum, in dem vielfältige Lebens- und Kampferfahrungen – lokal, national, global – in Beziehung gesetzt werden. Vielmehr hat sich die Konzeption eines Jahrmarkts emanzipatorischer Ideen und Praxen – sowie durchaus auch linker Eitelkeiten – durchgesetzt. Das aber ist letztlich immer noch mehr als die allermeisten politischen und sozialen Organisationsformen der arbeiterInnenbewegten wie auch der Seminar- Linken ansonsten zu bieten haben. Insofern gilt: Treten Sie näher, fahren Sie mit! Hier kriegen Sie für Ihr Geld noch etwas geboten:

Linke Promis mit Unterhaltungswert

Von Vandana Shiva bis Toni Negri, von Susan George bis Evo Morales darf üblicherweise jede/r auf zumindest Sichtkontakt mit seiner/ihrer persönlichen Polit- Ikone hoffen. Das ebenso unterhaltsame wie allseits beliebte B-Promi-Sichtungsspiel gibt es gratis dazu: Und, ist das dort drüben nicht der Typ der neulich im Europa-Parlament den Antrag zum Schutz des Kartoffel- Käfers eingebracht hat?

Die Präsentation von vielfältigsten (in deiner Alltagserfahrung) ungewöhnlichen lokalen oder themenorientierten Aktivitäten – der Kampf um das Öko-System der Karpaten und seine Auswirkungen auch auf Österreich zum Beispiel. Strukturiert werden die Themenfelder der ESF-Veranstaltungen entlang vorher festgelegter Achsen, die seit wenigen Jahren zunehmend für „das Gute“ und nicht mehr, wie zu Beginn der Bewegung, vor allem gegen „das Böse“ formuliert werden – Alternativen sind gefragt:

• Einsatz für soziale Integration und soziale Rechte. Wohlfahrt, öffentliche Dienste und öffentliche Güter für Alle.
• Einsatz für eine nachhaltige Welt, Nahrungssouveränität, Umwelt- und Klimagerechtigkeit.
• Schaffung eines demokratischen und auf Rechten basierenden Europas – gegen Sicherheitsdoktrin. Für Teilhabe, Offenheit, Gleichheit, Freiheit und Minderheitenrechte.
• Kampf für Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit, Anerkennung der Verschiedenheit – gegen alle Formen von Diskriminierung. Für feministische Alternativen gegen das Patriarchat.
• Schaffung eines Europas für eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens und der Solidarität – gegen Krieg, Militarismus und Fremdherrschaft.
• Schaffung von ArbeitnehmerInnenstrategien für faire Arbeit und Würde für Alle – gegen Prekarität und Ausbeutung.
• Alternative Wirtschaftsformen basierend auf den Bedürfnissen der Menschen und ihrer Rechte, für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit.
• Demokratisierung des Wissens, der Kultur, der Bildung, der Informationen und Massenmedien.
• Einsatz für ein Europa ohne Ausgrenzung und der Gleichberechtigung von Flüchtlingen und EinwanderInnen- Kampf gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierung.

Meet and greet

Voll im Einsatz sitzen eigentlich nur FunktionärInnen, die diverseste Politsekten (oder einfach nur sich selbst) vertreten, tagelang in allen möglichen Workshops herum. Der große Rest der ESF-Belegschaft hängt in diversen öffentlichen Räumen – hoffentlich sonnenseitig – ab, um jede Menge neue Freundschaften zu knüpfen, sich alte Feindbilder zu bestätigen und überhaupt das überaus lebendige Gewusel aus unterschiedlichsten Thesen, Temperamenten und politischen Kulturen zu genießen. Allein dafür lohnt sich die Reise nach Südschweden!

Text: Carl-Johan Petter (SF Malmö)

Übersetzung: Günther Hopfgartner


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Einladung des Vorbereitungstreffens des ESF

Von Aktionsstrategien zu Aktionen für ein anderes Europa!

Willkommen in Malmö zum nächsten Europäischen Sozialforum!

Das Europäische Sozialforum (ESF) ist bei weitem der größte europäische Offene Raum für Organisationen, Bewegungen, Netzwerke und Individuen, die sich dafür engagieren, eine nachhaltige, demokratische und gerechte Gesellschaft aufzubauen. Zehntausende AktivistInnen und eine große Zahl an Organisationen kommen zusammen, um Erfahrungen miteinander auszutauschen, Ideen zu diskutieren – und nicht zuletzt, um Vorschläge zu formulieren und neue Bündnisse für Mobilisierungen und wirksame Aktionen zu gründen. Beim ESF geht es um die Veränderung Europas – nicht nur darum, die heutige Situation zu betrachten. Unter den TeilnehmerInnen sind Gewerkschaften, MigrantInnennetzwerke, Umweltorganisationen, feministische Organisationen, die Bewegung für globale Gerechtigkeit, Friedensnetzwerke, Menschenrechtsorganisationen, AkademikerInnen, Jugendorganisationen – und viele andere.

Das ESF ist das regionale Gegenstück des WeltSozialForums. Es fand zum ersten Mal in Florenz, und zuletzt in Athen statt. Zusammengenommen haben über 150.000 AktivistInnen an diesen Foren teilgenommen und sind Tausenden von Organisationen und Netzwerken beigetreten, die entschlossen sind, ein anderes Europa möglich zu machen.

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Das 5. ESF in Malmö vom 17. – 21. September 2008

Das Nordische Organisationskomitee heißt Euch bereits jetzt in Malmö, Südschweden, Skandinavien, mit seiner langen Tradition sozialer Bewegungen, relativer Gendergerechtigkeit und starkem Wohlfahrtsstaat willkommen – die alle unter dem Beschuss der neoliberalen und unternehmensgetriebenen Globalisierung stehen. Dies wird sicherlich eine neuartige inspirierende Umgebung für das ESF sein.

Für fünf Tage wird es Workshops, Seminare, Debatten, Demonstrationen, Filme, Musik, Kunst – und viel Raum für strategisches Denken und Bündnisaufbau geben. Mindestens 20.000 Leute werden erwartet. Wir müssen die wachsenden Ungleichgewichte innerhalb der und zwischen den Europäischen Länder/n umkehren, ernsthaft gegen den Klimawandel vorgehen, für ein vernünftiges Arbeitsrecht, öffentliche Dienstleistungen, reale MigrantInnenrechte, reale Europäische Demokratie, Gendergerechtigkeit und gegen Europas globale Agenda kämpfen. Die Liste kann noch um ein Vielfaches verlängert werden – und die Aufgaben sind dringend. Aber die Chancen sind auch da. Wir wissen, dass die starken Allianzen der Europäischen Bewegungen und Organisationen den Weg Europas verändern können und werden. Sechs Jahre nach dem ersten ESF wird Malmö dem ESF-Prozess einen neuen Anstoß geben. Nehmt Eure Chance wahr, Teil dieses Prozesses zu sein, Strategien und Aktionen für ein anderes Europa zu formulieren.


online seit 05.09.2008 10:54:58 (Printausgabe 42)
autorIn und feedback : Carl-Johan Petter (SF Malmö)


Links zum Artikel:
www.esf2008.org



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