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Weblogs: Netzwerke der 3. Generation

Teil 2 des Interviews mit Thomas N. Burg, Leiter der Weblog-Konferenz in Wien: Geld verdienen, Community Building und wertvolle Information.

Teil 1 des Interviews mit Thomas N. Burg

MALMOE: Insofern darf man auf die konkreten Möglichkeiten, mit Weblogs Geld zu verdienen, gespannt sein. Ein Weg besteht ganz simpel darin, für Blogs Geld zu verlangen wie bei twoday.net. Welche anderen Wege könnten das noch sein, wie lassen sich aus Netzwerken Euros machen?

Thomas N. Burg: Geld verdienen kann man auf direktem Wege höchstens als Provider. Einige wenige, die es zu "Massenmedien" bringen, können dies durch klassische Bannerwerbung. Da gibt es ein ganz witziges Modell von Henry Copeland, wie auch special interests Blogs Geld verdienen können. Manche verdienen ihr Geld, weil sie von großen Sites als Blogger angestellt werden, als Journalisten eben. Letztlich ist es ein Business-Tool. Es fragt ja auch keiner, wie man mit Email Geld verdienen kann. Allerdings verbessern sich Geschäftsprozesse. Verdienen können auch die Consultants, schließlich ist der Aufbau eine Blog-Netzes nicht so einfach.

MALMOE: Dass Blogs "letztlich ein Business-Tool" sind, würden viele der mittlerweile Millionen weltweit, in Österreich Tausenden, "Just for Fun"-Publisher wohl bestreiten. Ich gewinne den Eindruck, eine der Intentionen der Konferenz ist es, diese - rein quantitativ - überwiegende Anzahl von Bloggern mit dieser Realität zu konfrontieren. Glauben Sie, dass die überhaupt Lust auf so eine Realität haben?

Thomas N. Burg: Also ich muss ein wenig relativieren. Es wird sicherlich Business-Anwendungen des Blog-Formats geben - das wird dann Micro-Content-Management genannt werden. Genauso interessant sind natürlich die vielen Personal Publisher. Es gibt einen Essay des Japaners Joi Ito "Emergent Democracy", der utopisch eine Kultur von Millionen Bloggern zeichnet. In der Utopie wird eine repräsentative Demokratie durch eine Basis-Demokratie oder eben emergente Demokratie abgelöst. In einer komplexen Welt wären Blogs das Tool, mit dem Meinungsbildung und politische Entscheidungen getroffen oder zumindest mitbeeinflusst werden können. Selbst wenn das sehr utopisch ist und an die Urzeit des Internet erinnert: Wenn immer mehr Menschen ihre Meinungen und Interessen kundtun und das leicht verfolgbar ist, dann verändert das auch das Klima in dem politische Entscheidungen getroffen werden. In diesem Sinne werden politische Bewegungen und Parteien Blogs als PR-Tools einsetzen. In Österreich hat der Grünpolitiker Peter Pilz etwas Ähnliches, sonst ist mir nichts bekannt. Es wäre sicherlich fein, im News-Aggregator die Newsfeeds der jeweiligen Parteiführer zu haben. Voraussetzung: Es muss das persönliche und das Volumen (Microcontent) gewahrt bleiben. Es wäre doch schön, den argumentativen und rhetorischen Mehrkampf über eine Fernsehkonfrontation hinaus zu verfolgen. Eine politische Partei ist bezüglich Weblogs übrigens schon an mich herangetreten. So wie ich es verstanden habe unter dem Schlagwort "Community Building".

MALMOE: Parteien, Unternehmen haben den Wert des Community Building offensichtlich bereits erkannt: In diesem Zusammenhang existiert das Schlagwort der "E-Bayisierung der Medien" - also des Schaffens einer Umgebung mit Informationen, in der die Unterhaltung durch die User selbst zustande kommt. Sehen Sie eine derartige Entwicklung? Und welche Informationen werden da verwendet, sprich: wie sehen da die Filterprozesse aus?

Thomas N. Burg: Wenn ich mir Reed's Lawvor Augen führe, dann geht es in einem Netzwerk der dritten Generation vor allem darum, die besten technologischen und sozio-psychologischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Siehe die Grafik zu den drei Generationen und ihren Werten. Den Rest - Content, Contact und Communication -schaffen die Teilnehmer aus sich heraus. So gesehen kann ich Ihnen folgen, allerdings fehlen mir dafür Beispiele in der Praxis. Höchstens Weblog-Software bzw. Hosting käme der "Facilitation" nahe. Was meinen sie in diesem Zusammenhang mit Filter-Prozessen?

MALMOE: Sie schreiben in einem Ihrer randgaenge.net-Beiträge sinngemäß, dass Weblogs so etwas wie Filter besonders "wertvoller Informationen" sind. Meine Frage nach den Filter-Prozessen könnte auch lauten: Was macht das Wertvolle von wertvollen Informationen aus? Welche Informationen, welcher Content setzt sich in den "Netzwerken dritter Generation" durch und was bleibt Rauschen?

Thomas N. Burg: Good point! Wertvoll ist ja eine willkürliche Konvention. Für jeden ist etwas Anderes wertvoll. Weblogs filtern zunächst individuell. Wird diese Erst-Filterung als wertvoll empfunden, wird sie von anderen Bloggern wiederholt, kommentiert - auch negativ. Ab einer bestimmten Schwelle entsteht so etwas wie eine Vibration und ein "wertvolles" Posting erreicht einen bestimmten Bekanntheitsgrad. D.h. es geht über die Primärgruppe (oder creative network) hinaus. S.a. Ross Mayfield dazu.

MALMOE: Die Frage bleibt aber nach dem Material des Filterns, es muss ja schon immer etwas vorhanden sein, das gefiltert und dann als wertvoll erachtet wird oder nicht. In dem Zusammenhang gibt es dieses weitere Schlagwort des "Content-Darwinismus" - das schon nahe legt, welche Informationen sich durchsetzen oder gefiltert werden. Glauben Sie an das "survival of the fittest" bei Informationen und wenn ja, was heißt hier "fit"?

Thomas N. Burg: Zur Frage des Vorhandenseins von Information/Content. Es gab in den 70er Jahren die Idee des Post-Histoire. D.h. man ging davon aus, dass alles schon einmal da gewesen ist und nur mehr Permutationen dessen möglich sind. Andererseits schlagen wir uns mit einem Information-Overload herum. Wir versuchen Techniken und Technologien zu finden, die uns das Filtern und Bewerten ermöglichen. Also ich glaube, dass genug an Content vorhanden ist bzw. generiert wird. Zudem verweise ich auf die Grafik mit den Netzwerk-Generationen, die zeigt, dass Content nicht das Problem oder die Herausforderung ist, sondern die Moderation/Mediation. Heute geht es zunehmend darum, "Networks of Trust" aufzubauen. Es wird deren viele geben, auch solche, die sich ausschließen. In diesem Sinne verstehe ich "fit" als dem jeweiligen Netzwerk entsprechend.

Thomas N. Burg ist Leiter des Zentrums für Neue Medien (ZNM) der Donau-Universität Krems und Organisator von "Blogtalk", der "Ersten europäischen WebLog-Konferenz" (23.-24. Mai in Wien, Techgate).

Teil 3 des Interviews folgt in wenigen Tagen.

online seit 28.04.2003 23:14:17 (Printausgabe 13)
autorIn und feedback : Lukas Wieselberg


Links zum Artikel:
blogtalk.net/Blogtalk
www.donau-uni.ac.at/znm/Zentrum für Neue Medien (ZNM), Donau-Universität Krems



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