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  Weblogs: Leichtgewichtiges Wissensmanagement

Ende Mai findet in Wien die erste Weblog-Konferenz statt. In Teil 1 des MALMOE-Interviews mit deren Leiter, Thomas N. Burg, geht es um kommerzielle Anwendungen – und was die Just for Fun-Blogger davon halten.

MALMOE: Akademische Debatten über gesellschaftliche Phänomene hinken denselben meistens ein wenig hinterher. Die Weblog-Konferenz in Wien scheint hautnah am Geschehen, wieso findet sie gerade jetzt statt?

Thomas N. Burg: Wir sind die ersten, die eine internationale Konferenz zum Thema machen - zumindest im europäischen Raum, vermutlich weltweit. Die zwei bis drei amerikanischen Konferenzen waren nicht international ausgerichtet. Wieso jetzt? Ich habe vor einem Jahr damit begonnen, die Welt der Weblogs zu erkunden. Eigentlich begann es spielerisch, ich habe mir eine Software runtergeladen. Installiert. Mich gewundert. Deinstalliert. Reinstalliert. Und dann einfach begonnen. Ich habe das zunächst privat gemacht und semi-professionell. Etwa ein bis zwei Monate später hab ich es bei uns im Zentrum für Neue Medien als professionelles Tool implementiert. Es fungiert bei uns als eine Art Tagesjournal, das die relevanten Ereignisse und Infos aller MitarbeiterInnen veröffentlicht und in einem Gruppen-Weblog zusammenführt. Also quasi eine Art Dokumentation oder leichtgewichtiges Wissensmanagement. Im Sommer letzten Jahres habe ich dann das Gefühl gehabt, dass an der Sache wirklich etwas dran ist. In vielen Richtungen - privat, beruflich, universitär. Gleichzeitig war mir klar, dass das noch ein Nischenphänomen war. Also hab ich mir gesagt, da muss man eine Konferenz daraus machen. Wir befinden uns in einer Eisbergsituation. Ein Spitze schaut heraus – die Warblogs –, der massive Teil ist noch unsichtbar.

MALMOE: Mittlerweile scheint aus dem Nischenphänomen ein Massenphänomen zu werden – z.B. Google, das gerade Pyra Labs/blogger.com gekauft hat. Was ist der große - Ihrer Ansicht nach noch unsichtbare - Teil des Eisbergs? Wenn man die "Ziele der Konferenz" auf deren Homepage liest, scheinen es die kommerziellen Anwendungen des Bloggens zu sein. Wie wird sich das weiter entwickeln?

Thomas N. Burg: Also ich glaube, dass das Format Weblog mitsamt der Technologie, die das alles einfach und schnell handhabbar macht, vielfältig einsetzbar ist. Ich glaube, es wird viele private Weblogs geben, für Freunde und Familie. Ähnliches gibt es ja bereits. Der Vorteil der Weblogs als Format und als Software ist, dass es intuitiv für den Rezipienten ist und weitgehend intuitiv für den Produzenten. Das gilt natürlich auch für den professionellen Bereich. Ich denke als Projektmanagement-Tools haben Weblogs eine Zukunft. Sie sind so etwas wie die Dachkommunikation über dem Projekt, via Links kann ich sowohl auf interne als auch externe Daten verlinken. In einem Editor-Fenster kann ich alles einbinden: Bilder, Video, Audio - als leichtgewichtiges Wissensmanagement-Tool, d.h. ich habe aus dem Stand ein Intranet, mit vergleichsweise geringem Aufwand. Der vielleicht wesentlichste Punkt ist der PR-Log. D.h. ein Unternehmen hat eine persönliche, häufig aktualisierte Stimme zu seiner Zielgruppe. Der nächste Schritt in der Entwicklung sind Audio- und Videobloggen, wobei die Schrift weiter im Zentrum stehen und es in der Peripherie Audio/Video geben wird.

MALMOE: Nicht zuletzt ist es ja erklärtes Ziel der Konferenz, "aktive Blogger aus aller Welt mit Leuten aus der Business-Welt zusammenzubringen, die das Wort 'Bloggen' noch nie gehört haben". Was erwarten Sie sich von dem Aufeinandertreffen?

Thomas N. Burg: Einen Zoo, bei dem die Tore offen sind. D.h. im besten Falle eine Awareness-Anhebung bei den Unbedarften und im noch besseren Falle Kommunikation zwischen beiden Gruppen (Blogger und Noch-Nicht-Blogger). Zur Business-Welt rechne ich übrigens alle, die das Format Weblog nicht zu privaten Zwecken einsetzen. Also Education, Gastronomie, Tourismus, etc.

MALMOE: Eine gewisse Richtung dieses Zoos scheint vorgezeichnet - vor der nicht wenige "Stammblogger" zurückschrecken könnten - Stichwort: Kommerzialisierung. Mein Eindruck ist, dass sich auf der Ebene des Bloggens etwas Ähnliches abzeichnet wie in der Geschichte des WWW. Aus einer – damals theoretisch plausibel begründeten und mit vielen Hoffnungen versehenen – grassroot-Bewegung wird ein Werkzeug unter vielen, das sich in den Business-Plan integrieren lässt.

Thomas N. Burg: Ja, ich glaube so ähnlich kann man das sehen. Das scheint der übliche Lebenszyklus im Internet zu sein. Es gibt jedenfalls noch immer einige Leute, die an die mythische Kraft von Technologie glauben. Mythen wären: Demokratisierung, Egalisierung, Fragmentarisierung. Auf der anderen Seite stehen die Realos: die wollen Geld damit machen. Als Provider oder als Consultants. In Summe wird das Weblog-Format eine zusätzliche Publishing/Kommunikationsform werden. Integriert in Email, IM, Forum, Portal und was es sonst noch gibt. Der wesentliche Unterschied ist allerdings: Das Weblog-Format ist sowohl ein Broadcasting-Format als auch ein P2P-Format (peer-to-peer) und ein Many2many-Format. Auf technologischer Ebene lässt sich viel damit machen. Gruppenformierung ist sicher der wesentliche Aspekt des Internet als eines Netzwerkes der dritten Generation. Und Weblogs sind da geeignete Werkzeuge.

Thomas N. Burg ist Leiter des Zentrums für Neue Medien (ZNM) der Donau-Universität Krems und Organisator von "Blogtalk", der "Ersten europäischen WebLog-Konferenz" (23.-24. Mai in Wien, Techgate).

Teil 2 des Interviews mit Thomas N. Burg

online seit 23.04.2003 23:16:45 (Printausgabe 13)
autorIn und feedback : Lukas Wieselberg


Links zum Artikel:
blogtalk.net/Blogtalk
www.donau-uni.ac.at/znm/Zentrum für Neue Medien (ZNM), Donau-Universität Krems



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