MALMOE

Editorial 100

MALMOE 100, Juli 2022

Rückschauen sind öde – gell? In der MALMOE 50 verwehrte sich die Redaktion noch dagegen, zurückzublicken, aber jetzt, bei der hundertsten Ausgabe, geht das nicht mehr, come on! HUNDERT! Im Grunde wundern wir uns bei jeder Nummer, wie wir es wieder geschafft haben. Erst wer Zeitung macht, weiß, was beim Machen einer Zeitung alles schief gehen kann. Einmal wurde einfach die vorherige Ausgabe nochmal gedruckt, beim Versand teilte uns die Post mit, unsere Hefte nicht mehr in der bekannten Weise verschicken zu können, und ein anderes Mal wurden die Texte eines Schwerpunkts am Abend vor der Schlussproduktion zurückgezogen. Solche Dinge sind es, die uns – wie sagt man – frisch im Kopf bleiben lassen, trotz der hundert Ausgaben.

Deswegen erlauben wir es uns, in einem Schwerpunkt zu feiern, dass es die MALMOE gibt und erinnern daran, wie ungewöhnlich diese Zeitung ist. Links, solidarisch, tiefschürfend, leicht verrückt, immer kritisch und fucking political. Wer druckt denn so was? Hätten wir manches besser machen können? Sicher. Deshalb haben wir auch fest vor, in den nächsten hundert Ausgaben alles noch viel schöner zu machen. Jetzt aber wollen wir uns mit euch liebe Leser*innen darüber freuen, dass es unter widrigsten Umständen möglich ist vier Mal im Jahr die neue MALMOE vorzulegen und unser glückliches Redaktionskollektiv am Leben zu halten.

Ein zweiter Schwerpunkt der Ausgabe beschäftigt sich mit Erinnerung. „Umkränzt nicht was zerfallen ist“ sang einst Franz Josef Degenhardt, um zu ergänzen: „und vergesst niemals!“ Erinnerungspolitik und insbesondere Erinnerungspädagogik sind ein schwieriges und widersprüchliches Feld, weil weder die eine und gewünschte Erinnerung festgebacken werden sollte, noch jenen Vorschub geleistet werden darf, die allzu gerne vergessen, was ihnen nicht in den Kram passt.

Herzlichst
die MALMOE-Redaktion

P.S.: Die letzte Ausgabe haben wir unter dem unmittelbaren Schock des verbrecherischen Überfalls auf die Ukraine geschrieben. Diesmal findet sich kaum ein Wort dazu in der Ausgabe 100. Insbesondere Ukrainer*innen und den Menschen aus Russland, die diesen Krieg nicht wollen, sei gesagt, wir haben uns nicht an die neue Situation gewöhnt, müssen aber mit Schrecken feststellen, dass sich die großen Militärmächte längst auf einen langen Krieg einstellen. Unser Schweigen drückt auch das Unbehagen darüber aus, dass sich nur wenige Stimmen erheben, die unbedingt Frieden wollen. Über Frontverläufe und bedingungslosen Siegeswillen sollen andere berichten.