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Weblog ade Mir reicht's. Es langt. Ich steige aus. Belinda hat gesagt, sonnenblume hätte gemailt, dass sie beim sugarbabe gesehen hat, dass schoenermann32 mit mir auf dem Clubbing war. Und das, wo sie, Belinda, letzten Mittwoch gepostet hatte, ob sie nicht mal wieder tanzen gehen sollte. Warum P. aus der Versandabteilung mich seit gestern so komisch anschaut, weiß ich jetzt auch. Vielleicht hätte ich in meinem Weblog nicht schreiben sollen, dass Toms und Simones Motto-Hochzeit geschmacklos kitschig war. Was soll in einem Weblog schon anders sein als im richtigen Leben? Wir lieben, wir leiden - einsam (weil wir so sülzen, dass uns keiner liest), gemeinsam (weil es unseren Helferinstinkt weckt, wenn wir carlina aus H. geschlossen davon überzeugen können, endlich ihren depperten Freund rauszuwerfen) oder gemeinsam einsam (weil wir ja nicht so viel Zeit allein vor dem Computer verbringen würden, wenn wir eine fleischliche Alternative hätten). Also schreiben wir Online-Tagebuch. Und meistens beginnen wir unseren allerersten Eintrag so: "Jetzt habe ich also auch so etwas. Dies ist mein erster Eintrag. Puh, eigentlich weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll. Aber wenn ich das Weblog nun schon mal habe ..." Am nächsten Tag schauen wir wieder auf unsere Seite. Ein Kommentar, eine Reaktion auf meinen Eintrag! "Hi mallory", schreibt sonnenblume, "schön, jemand Neues hier begrüßen zu dürfen." Am nächsten Tag gesellt sich sugarbabe dazu, weil sie gesehen hat, dass sonnenblume in ihrem Weblog einen Link auf meines gesetzt hat. Community heißt das. Althochdeutsch: eine Gemeinschaft. Nachdem ich meinem Weblog den Sinn eines "Hiermit kann ich schnell und einfach und optisch schön alle meine Freunde und Verwandten in aller Welt über mein aufregendes Leben informieren"-Tagebuchs geben wollte, bin ich jetzt redaktionell gefordert: Ich bin aufgeregt, denn ich werde gelesen. Meine Zugriffsstatistik - ich checke sie stündlich - zeigt schon 52 Besucher am Tag an. 27 davon kommen über sonnenblume auf meine Seite, sechs haben bei Google "Puh, der Bär" eingegeben und der Rest kam über den Webring "Text-Gyrls". Bei sonnenblume lese ich, dass sie beim Einkaufen keine frische Papaya auf dem Viktualienmarkt bekommen hat. Die eine, die dort lag, hatte braune Stellen. "Nein, wirklich, dass so etwas angeboten wird, ist schon eine Frechheit", kommentiere ich engagiert. Du kommst aus München? Beim Treffen nach sieben Monaten stellt sich auch sonnenblume als Papaya mit braunen Stellen und Giftspinnenbesatz heraus. Jetzt postet auch Belinda nicht mehr bei mir. Dafür umso mehr in ihrem Zweit-Weblog "Herzklopfen": "Es ist so bitter, von einer, die man zum Glück IRL getroffen hat, hintergangen zu werden." Und ich versehe mich und meine Gedanken mit einem Passwortschutz und erkläre P. beim Mittagessen, dass ich, nur weil ich nicht auf "Rosa" als Hochzeitsmotto stehe, nichts gegen P.s und K.s elegante "Silber und Efeu"-Vermählung hätte. online seit 07.05.2003 09:19:09 autorIn und feedback : mallory Links zum Artikel:
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Eine Attacke ad personam Von der Maßregelung einer Kritik am N-Wort zu der eines Kritikers [09.02.2010,Markus Wailand] Vom Kampf um die Stadt … … zum Krieg am Gartenzaun [29.01.2010,BW ] Hausmeister is back Regieren im Wiener Gemeindebau oder das gefährliche Spiel mit der Unsicherheit [22.01.2010,Marc Diebäcker] die nächsten 3 Einträge ... |
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