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Brave Kinder für alle Was bringt der Gratiskindergarten? Ab Herbst 09 gibt es in Wien den Gratis-Kindergarten. Dass der Kindergarten als erste außerhäusliche Bildungseinrichtung für alle Kinder jetzt gleichermaßen zugänglich gemacht wird entspricht einer emanzipatorischen Forderung. Besonders für sozial Benachteiligte wird damit das Einsetzen finanzieller Zugangsschranken zu Bildung zumindest eine Zeit lang verschoben. Wer nicht locker auf 250 Euro im Monat oder auf Omi und Opa im Nachbarhaus zurückgreifen kann, hat nun mehr Entscheidungsfreiheit in der Lebensplanung – und das betrifft vor allem Frauen: Karenzgeldbeziehende sind laut Statistik Austria je nach Alter des Kindes nur zu ein bis neun Prozent männlich. Damit erhöht sich auch die Chance auf einer Abkehr von dem gesellschaftlich verbreiteten Bild der „Rabenmutter“, die ein unter-dreijähriges Kind in die außerhäusliche Betreuung „steckt“. So weit, so positiv. Doch was passiert im Kindergarten selbst? Der Kindergarten ist ein ideologisches Terrain, denn: jedes pädagogische Verhältnis ist, mit Gramsci gesagt, ein von Hegemonie geprägtes Verhältnis. Der Kindergarten als soziales Umfeld stellt für die Kinder einen Ort da, an dem sie erstmals Bewusstsein und Weltdeutungen unabhängig von ihren Eltern (weiter)entwickeln. Dies geschieht aber nicht in einem völlig freien und gestaltbaren Raum, sondern in einem von materiellen Rahmenbedingungen und verantwortlichen Personen abgesteckten Umfeld. Dabei geht es etwa von der Architektur der Kindergartenräume über die Personalsituation in den Gruppen, ideologischen Ansprüche der Geschäftsführung (etwa bei konfessionellen oder parteipolitisch ausgerichteten Privatkindergärten) bis zum Angebot an Bildungsmaterial und eben staatlichen Gesetzesregelungen. Für so mancheN ergibt sich aus diesen Bestimmungen für den „Kinder-Garten“ eher das Bild eines zurecht-getrimmten englischen Rasens als das eines vielleicht auch einmal „Wildwuchs“ ermöglichenden Kindergartens. So zeigt sich die Herrschaftsmächtigkeit von pädagogischen Einrichtungen, wobei doch eigentlich an diesen Orten Persönlichkeitsentwicklung stattfinden sollte bzw. könnte, die zur Selbstermächtigung führt. Kann der Gratiskindergarten aber diesen Anforderungen gerecht werden? Hier ist ein Blick in die „Blackbox Kindergarten“ nötig. Es zeichnet sich schon jetzt in den Kindergärten ein besorgniserregendes Bild ab und viele PädagogInnen befürchten, dass aufgrund des aktuellen in Wien vorherrschenden Personalmangels ab Herbst Gruppen „angefüllt“ werden, Turnsäle umgewandelt werden müssen, um Raum für die Gratisplätze zu geben und bald kurzfristig „eingeschultes“ Personal Standard wird – hochqualitative pädagogische Arbeit ade! Einmal mehr ist eine Abwertung und Verschlechterung weiblicher Arbeit zu erwarten - nur eine unter 100 im Kindergarten tätigen Personen ist laut Statistik Austria männlich. Laut dem Kindergartengesetz, welches sich je nach Bundesland leicht unterscheidet, ist es in Wien „normal“, einer Gruppe von 25 Kindern zwischen drei und sechs Jahren nur eine einzige pädagogisch ausgebildete Person plus eine Hilfskraft ohne pädagogische Ausbildung zuzusprechen. Etwa 70% aller Kindergartenkinder in Wien besuchen diesen ganztags. Für diese Gruppe Menschen bedeutet das einen Alltag, in dem sie etwa 40 Stunden wöchentlich großteils einen einzigen Raum mit 24 anderen Kindern teilen. Erzieherisches Eingreifen zugunsten der Entfaltung individueller Mündigkeit ist unter diesen Bedingungen schwer vorstellbar. Bei 25 Kindern bleiben quasi nur noch Maßregelungen über, die einfach notwendig sind, um so viele unterschiedlichste Menschen acht Stunden am Tag zu „kontrollieren“ (sic!), damit nicht die Eine oder der Andere tatsächlich körperlichen Schaden nimmt. Kinder lernen zwangsweise eher zu Folgen, als zu Hinterfragen, sich durchzusetzen, anstatt gemeinsame Lösungen zu finden und Vorgegebenes zu schlucken, anstatt selbst kreativ zu werden: In der Gruppe nicht laufen/springen/tanzen, nicht mehr Individualität fordern, als möglich oder nicht dann spontane Lernprozesse erfahren, wenn andere geplant sind („Nein, wir können jetzt nicht das alte Radio zerlegen, wir müssen jetzt die Vorschulübungen machen!“). Was ist also zu fordern? „Der Kindergarten ist keine Garderobe, wo man Kinder abgibt, sondern eine pädagogische Einrichtung“, meinte Bürgermeister Häupl so schön. Damit das der Realität entspricht, muss also mehr Geld her für PädagogInnenlöhne, für kleinere Gruppengrößen und größere Räume. Ausgebildete PädagogInnen brauchen Motivation, auch tatsächlich diesen Beruf ausüben zu wollen, damit der Personalmangel „behoben“ werden kann. Die Kostenfrage wird sich in Zeiten von Bankenkrediten und Debatten um Vermögenssteuer lösen lassen, denn, wer denkt, Bildung sei teuer, weiß nicht, was Dummheit kostet… Kontakt zu aufständischen KinderpädagogInnen: kindergartenaufstand@gmx.at online seit 07.07.2009 09:57:54 (Printausgabe 46) autorIn und feedback : Kristina Botka |
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Was wurde eigentlich aus...? Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 18: A Letter to the Stars [29.07.2010] Wahlkampf mit Kultur ...leider ohne MigrantInnen [28.06.2010] Wahlkampf mit dem Gummiknüppel Demonstrieren ist in Wien derzeit gefährlich [23.06.2010] die nächsten 3 Einträge ... |
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