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  Ästhetik – Politik – Subversion

Diskussion mit Anna Schober, Jens Kastner und Astrid Peterle über ästhetische Taktiken und politische Verortung, kontingente Potenziale und (linke) Konnotationen von Subversion.

Noch beliebiger und nach allen Seiten offen als dieses Trio ist wahrscheinlich nur noch die Paarung „Kunst und Politk“. Weil es aber MALMOEs Sache ist, die Begriffe zu schärfen, bieten wir einen dreiseitigen Schwerpunkt auf, der Geschichts(ein) schreibung und Traditions(er)findung von ästhetischen Praktiken im politischen Feld von kompetenter Seite diskutieren lässt, ein skeptisches Auge auf eine kommende Subversiv-Messe wirft, ein neues Buch zum Thema präsentiert und zeigt, wie Kannibalismus Teil von antikolonialer Ermächtigung sein kann.


Ausgehend von Anna Schobers Buch über „Ästhetische Taktiken und die politische Gestalt der Demokratie“ diskutierte Ingo Lauggas mit der Autorin sowie mit Jens Kastner und Astrid Peterle über ästhetische Taktiken und politische Verortung, kontingente Potenziale und (linke) Konnotationen von Subversion.

Lauggas: Auf dem Cover Deines Buches ist ein Foto, das eine klassische Konfrontations- Situation zeigt: Auf der einen Seite DemonstrantInnen, auf der anderen die Polizeiriege, wobei eine Demonstrantin der Polizei einen Spiegel vorhält. Eine der Kernaussagen Deines Buches ist aber, dass einer binären Wahrnehmung von Macht und Opposition, von Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit zu widersprechen ist.

Schober: Was ich mit der binären Aufteilung der ästhetisch-politischen Welt meine, ist auf einer anderen Ebene angesiedelt. Dieses Bild zeigt eine direkte Konfrontation im öffentlichen Raum. Es ist ein wichtiges Charakteristikum zeitgenössischer Auseinandersetzung und deren medialer Repräsentation, dass besonders auf Situationen fokussiert wird, die einen direkten Konflikt bieten, spektakuläre ästhetische Inszenierungen und Selbststilisierungen. Was mit schwierigeren, umwegreicheren Verhandlungen und diplomatischen Auseinandersetzungen zu tun hat, wird ausgeklammert. Dieses Bild ist ein typisches Beispiel für die Repräsentation dieser Konflikte.

Lauggas: Kannst Du Deinen sehr spezifischen Begriff des „Politischen“ erläutern, der im Sinne eines Kampfes um Öffentlichkeit und der Infragestellung ihrer Normen zur Folge hat, dass zwischen der politischen und der ästhetischen Qualität des Agierens nicht unterschieden werden kann?

Schober: Das hat mit einer tiefgreifenden Restrukturierung des Raums der Politik und des Politischen zu tun, bei der verschiedene Transformationen auf diversen Ebenen zusammenkommen. Es entsteht zum einen die Bühne der Politik im engeren Sinn, das ist das Parlament, und zum anderen der öffentliche Raum, in dem man durch die Bildung von Kollektivkörpern Präsenz erzeugen und eine Stimme sichtbar machen kann. Hier haben wir es mit einer Präsenzgewinnung zu tun, die immer zugleich politisch und ästhetisch ist. Ganz alltägliche Dinge wie eine rote Nelke oder das rote Halstuch können mit einer politischen Bedeutung aufgeladen werden. Auf diese Weise bekommen ästhetische Veranstaltungen ein spezifisches Gewicht – etwa Ironie, Montage und Verfremdung. Auch wenn also diese Taktiken eine sehr lange und sich verlierende Geschichte haben, gewinnen sie mit dieser Umstrukturierung im öffentlichen Raum eine politische Bedeutung im heutigen Sinn.

Lauggas: Die serbische Widerstandsbewegung gegen Milosevic ist eines von drei Milieus, mit denen Du Dich intensiver beschäftigst; was macht diese Bewegung so besonders?

Schober: Mir geht es um etwas ganz Bestimmtes: Ich habe mich gefragt, warum es als so selbstverständlich angesehen wird, dass man sich über bestimmte ästhetische Taktiken auch politisch verortet sieht. Ich habe sehr ähnliche theoretische Versatzstücke und Zitate in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen gefunden, und stets wird behauptet, man könne damit das dominante, hegemoniale Regime herausfordern. Diese scheinbare Politisierung der Praktiken läuft aber auf eine tendenzielle Entpolitisierung hinaus, weil man diese Taktiken zu einem Konzept einfriert, eine bestimmte Form- Wirkung-Kausalität annimmt und nicht mehr schaut, mit welchen anderen Handlungen diese Praktiken im öffentlichen Raum interagieren. Es wird genau das ausgeschaltet, was politisches Handeln ausmacht: dass man nämlich in einem pluralen Raum agiert, in dem andere das, was man macht, aufgreifen, weiterverwenden und transformieren. All das wird abgekappt, wenn man eine bestimmte ästhetische Taktik mit einer bestimmten politischen Position verbindet.

Kastner: Ich halte es für besser, in Bezug auf den Begriff Subversion von „Praktiken“ statt von „Bewegungen“ zu reden. An dem „SUBversionen“-Buch (s. Rezension auf Seite 7, Anm.) stört mich zum Beispiel, dass darin von der globalisierungskritischen Bewegung bis Al-Qaida alles Mögliche als subversiv bezeichnet wird. Mir stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, den Begriff Subversion politisch als emanzipatorisch zu vereindeutigen, ihn in einen bestimmten Kontext zu stellen, „links“ zu konnotieren. Es drängt sich ja die Frage auf, können z.B. Nazis subversiv sein? Ich würde sagen Nein, denn Subversion beinhaltet, dass Praktiken vollzogen werden, die sich gegen eine bestehende hegemoniale Formation richten, in der Absicht, sie zu unterlaufen, zu schädigen, im emanzipatorischen Sinne aufzulösen. Das tun Nazis nicht, sie greifen bestimmte Aspekte auf und arbeiten damit, aber selbst wenn sie neuerdings Che-Guevara-T-Shirts tragen, hat das nichts mit Subversion zu tun. Würde man den Begriff auch auf solche Praktiken ausdehnen, wird er schwierig zu handhaben und hat nicht mehr viel Sinn.

Schober: Ich finde es schwierig, von subversiven Praktiken zu sprechen, denn der Effekt von Praktiken liegt im Auge der BetrachterInnen. Subversion und Affirmation können auch einhergehen, ihr Verhältnis ist viel komplizierter als es uns eine propagandistische Verwendung glauben lässt. Das Handeln im öffentlichen Raum ist nicht souverän: Zwar versucht jedes Handeln, etwas zu kontrollieren und zu kalkulieren, aber zugleich entgleitet es der Kontrolle, ist flüchtig und kann sich gleichzeitig in mehrere Richtungen ausbreiten. Insofern ist es sehr wohl so, dass bestimmte ästhetische Taktiken von verschiedenen Seiten verwendet werden können. Im angelsächsischen Raum gibt es eine andere Rezeption, man sieht dort, dass bestimmte Taktiken wie Ironie auch von antifortschrittlichen Diskursen benutzt werden können, um Veränderungen und Neuerungen lächerlich zu machen, so wie auch die Nazis mit der „Entartete Kunst“-Ausstellung Dada- Ausstellungen parodiert haben. Wie aber die damit initiierte Verhandlung weitergeht, welche Richtung sie nimmt, ist von den kontingent Mitspielenden im öffentlichen Raum abhängig. Deshalb würde ich den Begriff der Subversion eher mit Vorsicht gebrauchen, denn häufig wird er einfach verwendet, um eine bestimmte Position abzusichern. Peterle: Meine Auseinandersetzung mit „Subversion“ hat damit begonnen, dass ich hinterfragt habe, weshalb mir bestimmte künstlerische Manifestationen subversiv erschienen sind, und habe deshalb kritisch untersucht, wie dieser Begriff verwendet wird. Einer der wichtigsten Punkte war für mich die Unterscheidung zwischen Subversion als Zuschreibung und einer intentionalen Subversion. Letztere kann immer nur ein Versuch sein, weil man nie vorhersagen kann, wie sie wirkt. Wenn sie dann auch als Subversion rezipiert wird, ist sie das, als was sie intendiert wurde. Andererseits muss nicht alles, was als Subversion rezipiert wird, als solche intendiert gewesen sein. Mein Problem war, dass dieser Begriff als Etikett verwendet und unhinterfragt appliziert wird, etwa für alles, was wir als provokativ, progressiv oder transgressiv empfinden. Die Künstlerinnen, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe, wurden als subversiv rezipiert, und ich fragte mich, mit welchen Theorien die RezipientInnen sich dem eigentlich nähern. In den meisten Fällen bin ich auch deshalb davor zurückgeschreckt, sie so zu bezeichnen, weil ich merkte, dass ihre künstlerischen Praktiken auch widersprüchlich sind: Ich kann doch nicht das ganze Oeuvre einer Künstlerin als subversiv bezeichnen! Kann eine künstlerische Praxis nicht in der Gesamtschau politische Potenziale haben, ohne dass das sofort als subversiv gelten muss? Kann sie diese Potenziale nicht auch haben und dabei sowohl subversive als auch affirmierende Elemente in sich tragen? Gleichzeitig wollte ich den Begriff der Subversion nicht völlig ad acta legen. Das wichtigste besteht wohl darin, sich schärfend damit auseinanderzusetzen und sich dann zu fragen, ob er noch eingesetzt werden kann.

Kastner: Der Umstand, dass es intendierte und nicht intendierte subversive Praktiken sowie Rezeptionsformen geben kann, die diese im Nachhinein subversiv erscheinen lassen oder nicht, bringt uns aber auch zu dem Punkt, dass die konkrete historische Situation benannt werden muss. Auf gar keinen Fall war die Ausstellung „Entartete Kunst“ auf irgendeine Weise subversiv! Sie wurde aus einer absolut hegemonialen Position heraus gemacht, um bestimmte Leute zu diffamieren und um eine Herrschaftsstruktur zu festigen, das hat mit Subversion nichts zu tun. Die Art und Weise, wie in dem „SUBversionen“-Buch versucht wird, zwischen bestimmten Formen der Subversion zu unterscheiden, scheint mir eher irreführend und verdeckt die entscheidenden Fragen danach, in welcher konkreten historischen Situation und aus welcher Position heraus diese Praktiken stattfinden, also die Frage nach Praxis vs. Struktur und die Frage nach Ermächtigung vs. Zuschreibung. Wenn man etwa von revolutionärer politischer Subversion spricht, weil etwas von den Herrschenden als subversiv bezeichnet wird, ist das überaus problematisch, denn dieser Subversions-Begriff wird dazu benutzt, GegnerInnen des Systems zu diffamieren und aus dem legitimen politischen Sprechen auszugrenzen. Die Frage ist also, ob so etwas von oben kommt, oder ob von unten versucht wird, aus einer ausgegrenzten Position sich die Position des legitimen Sprechens zu erobern.

Schober: Ich halte es insgesamt nicht für sinnvoll, einer Aktion das Label „subversiv“ oder „nicht-subversiv“ zu verpassen, vielmehr sollte man schauen, wie diese Handlung, ein Bild oder eine Arbeit operiert. Was Du so positiv herausstellst, ist genau das, womit ich mich kritisch auseinandergesetzt habe, dass es nämlich so etwas wie die Erfindung einer Tradition gibt, die sich selbst als subversiv sieht und deshalb bestimmte ästhetische Taktiken emphatisch einsetzt. Bestimmte Elemente dieses Traditionserfindungsprozesses stehen der Kontingenz des Politischen entgegen. Er speist die kollektive Imagination mit Bildern und Modellen, doch zugleich limitiert er die eigene Handlungsfähigkeit, weil man sich von vornherein auf einer bestimmten politischen Seite verortet und nicht sieht oder nicht genug diskutiert, in welches Gefüge man da eigentlich eingreift. Das Andocken an eine solche Tradition ist animierend und behindernd zugleich.

Lauggas: „Kontingenz“ ist ein zentraler Begriff Deines Buchs – worin besteht denn das Potenzial von Kontingenz?

Schober: Ich meine damit das nicht geplante, das unvorhergesehene Sich-Zusammenfügen und Sich-Ergeben beispielsweise von Öffentlichkeit. Das Potenzial, das grundsätzlich im öffentlichen Handeln steckt, besteht darin, dass Dinge immer wieder auf’s Neue herausgefordert und politisiert werden können, und dieses Potenzial wird durch die Ausschaltung von Kontingenz und durch eine scheinbare eindeutige Zuordenbarkeit bestimmter Taktiken ausgehebelt.

Lauggas: Besteht eigentlich ein Widerspruch zwischen der „Sehnsucht nach Subversion“ (Anna Schober) und dem „Subversions-Überdruss“ (Astrid Peterle)?

Peterle: Ich denke nicht, dass das gegensätzliche Phänomene sind, sondern parallele Entwicklungen. Diedrich Diederichsen schrieb schon Anfang der 90er Jahre, dass man das Wort Subversion nur noch mit Anführungszeichen verwenden kann. Der Überdruss ist in der Phase entstanden, in der dieser Begriff unscharf und als Etikett verwendet wurde. Die Vorstellungen dessen, was subversiv und was affirmativ ist, waren so eingefahren, dass es besser schien, diese Begriffe gar nicht mehr zu verwenden. In meinem Forschungsprojekt habe ich selbst erlebt, dass meine Kolleginnen, die wie ich von der Frage der Subversion ausgegangen waren, nichts mehr damit zu tun haben wollten; ich aber war genau an diesem Moment und an der Frage interessiert, weshalb wir dieses Wort plötzlich nicht mehr angreifen wollen. Gleichzeitig wird es so etwas wie „Sehnsucht nach Subversion“ immer geben, und die Frage ist, ob man nach neuen Bestimmungen sucht, oder ob man sagt, dass es doch viel mehr um Prozesse und Praktiken geht, wofür man dieses Wort nicht unbedingt braucht.

Kastner: Der Grund, weshalb man Subversion nur noch in Anführungszeichen verwenden kann, liegt auch in der Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Man kann sich heute aus linksradikaler Perspektive nicht mehr hinstellen und als „Subversive Aktion“ proklamieren – eine Gruppe, zu der auch Rudi Dutschke gehörte. Denn es ist nicht mehr so klar, dass auf der einen Seite die Subversiven sind und auf der anderen die „verwaltete Welt“, und man braucht nur bestimmte Aktionen zu unternehmen, um dieses Herrschaftssystem ins Wanken zu bringen. Das war noch nie so einfach, aber heute ist es noch weniger einfach, als es in den 1960ern noch schien. Die Wandlung der postindustriellen Gesellschaft, die postfordistische Umgestaltung der sozialen Beziehungen sind die entscheidenden Gründe, warum es schwierig ist, von Subversion zu sprechen.

Peterle: Spannend ist aber, warum trotz all dieser Veränderungen, die ja historische, kulturelle und mediale Aspekte haben, jetzt wieder Events wie die Subversiv-Messe in Linz (s. nebenstehenden Artikel, Anm.) oder auch mehrere Bücher auf diesen Begriff Bezug nehmen. In den letzten Jahren sind im deutschsprachigen Raum nur relativ wenige Theorie- Texte dazu erschienen, warum scheint es jetzt wieder virulent zu sein? Es steht nun die Frage im Vordergrund, wie Subversion in diesen hyperkapitalistischen und scheinbar sich selbst subvertierenden Systemen möglich ist, wenn diese sogar in der Lage sind, Subversion produktiv zu integrieren. Martin Doll spricht etwa von der „Subversion der Subversion“, die notwendig sei, weil sich die kapitalistischen Systeme selbst „subversive Methoden“ angeeignet haben.

Kastner: Aus der Perspektive der Handelnden denke ich im Gegensatz zu Anna sehr wohl, dass die Einschreibung in eine subversive Geschichte wichtig ist. Sie ist natürlich nur als reflexiver Prozess denkbar, aber man kann sich bewusst in diese Tradition stellen und fragen, was das heute noch bedeuten kann. Eine solche Tradition stellst Du auch mit dem Cover-Bild her, denn diese Strategie wurde ja nicht in den 90er Jahren in Belgrad erfunden, sondern das gab es z.B. bei den Vietnamkriegsprotesten en masse, dass Demonstrierende der Polizei oder dem Militär einen Spiegel vorgehalten haben. Ich stimme Ingos Eingangsstatement zu, dass hier ein Bild reproduziert wird, und das sagt: Wir halten euch den Spiegel vor, und dadurch habt ihr die Möglichkeit euch zu vergegenwärtigen, in welcher Position ihr seid, und sobald ihr das tut, ist die Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung gegeben.

Schober: Hier handelt es sich um ein Missverständnis; Du argumentierst auch in Deinem Buch sehr normativ: „Kann man denn noch…? Soll man…?“ Das ist nicht mein Zugang, denn ich sage, dass es solche Traditionserfindungen gibt, und wir kommen ohne sie auch gar nicht aus, sie sind ein wichtiges Element dafür, wie wir Sinn erzeugen. Was aber passiert dabei? Auch diese Tradition ist zum Beispiel von Herrschaftsmechanismen durchsetzt, auch hier gibt es ein „Wir“/„Sie“ und Ausschlussmechanismen. Einerseits gibt es eine Dekonstruktion solcher Positionen, andererseits schreiben sich in der politischen Praxis immer noch viele Elemente dieser Herrschaftsformationen fort, weil das nicht reflektiert wird und es ein viel zu selbstgefälliges und selbstgewisses Links-Sein gibt. Die „Sehnsucht nach Subversion“ ist immer auch eine Sehnsucht nach politischer Subjekt- Werdung, aber die Frage ist, wie die ausgelebt und in was sie übersetzt wird. Um diese Frage gibt es viel zu wenig Auseinandersetzung, und das Problematische ist, dass Theorie oft dafür benutzt wird, Zuordnungen zu befestigen und nicht, um sie zu befragen.

Lauggas: „Das Zum-Konzept-Erklären der Ironie“, heißt es bei Anna Schober, ist „ein zentrales Mittel zu ihrer Entschärfung“, und Astrid Peterle fragt: „Ist nicht alles schon gescheitert im Moment der Benennung?“ Ist es nicht ein Dilemma, dass wir uns einerseits in dieser Theoretisierung und Begriffsschärfung versuchen und gleichzeitig beklagen, dass wir dem dadurch die politische Spitze nehmen?

Schober: Ich denke, diese Trennung zwischen Praxis und Theorie gibt es nicht. Ganz im Gegenteil, oft passiert es gerade in der Praxis, dass ästhetische Taktiken zu Kunstgriffen und Konzepten erklärt werden, wodurch ihnen die Spitze abgebrochen wird, weil sie ihrer Wirkungsmächtigkeit entledigt werden. Den von mir benannten Traditionserfindungsprozess gibt es in der Praxis und in der Theorie, das ist miteinander verschränkt und arbeitet sehr stark mit wechselseitigen Legitimationen. Es werden Kunstwerke zitiert, die die Theorie legitimieren und umgekehrt. Aber selten gibt es eine wirkliche Auseinandersetzung mit diesem Traditionsbildungsprozess, und zwar auf beiden Ebenen.

Kastner: Ich sehe diese Problematik nicht so stark. Ich denke, dass man Kontingenz sehr wohl benennen und beschreiben kann, ohne sie dadurch zu zerstören. Man muss diese Dinge ja analytisch fassen, und so habe ich auch dieses Gespräch hier verstanden. Vielleicht höre ich mich deshalb so normativ an, weil ich frage, was Subversion heute noch heißen kann, und ob wir den Begriff noch benutzen sollen – denn dafür muss man ja erst recht klären, von welchen Voraussetzungen und konkreten Situationen wir sprechen.


Literatur:

Anna Schober: „Ironie, Montage, Verfremdung. Ästhetische Taktiken und die politische Gestalt der Demokratie“, Wilhelm Fink Verlag, München 2008

Jens Kastner: „Transnationale Guerilla. Aktivismus, Kunst und die kommende Gemeinschaft“, Unrast Verlag, Münster 2007

Astrid Peterle: „Subversiv? Politische Potentiale von Körperinszenierungen bei Claude Cahun, Marcel Moore, Karen Finley und Mette Ingvartsen“, Dissertation, Universität Wien 2009



online seit 03.04.2009 16:21:38 (Printausgabe 45)
autorIn und feedback : Ingo Lauggas


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/top/1776MALMOE-Schwerpunkt zu Subversion in Heft



Wie vorher!

aus dem Diskursiv: Vom Leben mit Kindern
[05.10.2018,Monika Vykoukal]


Neiiiihhin!

aus dem Diskursiv:
Vom Leben mit Kindern [05.10.2018,Patrick Ward]


Er hat die Melone so gern

aus dem Diskursiv:
Vom Leben mit Kindern [05.10.2018,Benjamin Herr]


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