MALMOE

Nah­rung läu­tert

Man­che Aske­ten und Brah­ma­nen, Sari­putto, sagen und leh­ren: „Nah­rung läu­tert“. Und sie ermah­nen: „Lasst uns nur von Reis leben.“ [..] Und indem ich Sari­putto, nur ein Reis­korn als täg­li­che Nah­rung zu mir nahm wurde mein Kör­per außer­or­dent­lich mager. Wie dür­res, wel­kes Rohr wur­den da meine Arme und Beine durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme, wie ein Kamel­huf wurde da mein Gesäß durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme, wie eine Kugel­kette wurde da mein Rück­grat mit den her­vor- und zurück­tre­ten­den Wir­beln durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme, wie sich die Dachspar­ren eines alten Hau­ses queer­kan­tig abhe­ben, hoben sich da meine Rip­pen queer­kan­tig ab durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme, wie in einem tie­fen Brun­nen die unten lie­gen­den Was­ser­spie­gel ver­schwin­dend klein erschei­nen, so erschie­nen da in mei­nen Augen­höh­len die tief­lie­gen­den Augen­sterne ver­schwin­dend klein durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme, wie ein Bit­ter­kür­bis, frisch aus­ge­schnit­ten, in hei­ßer Sonne hohl und schrumpf wird, so wurde da meine Kopf­haut hohl und schrumpf durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme. Und indem ich, Sari­putto, die Bauch­de­cke befüh­len wollte traf ich auf das Rück­grat, und indem ich das Rück­grat befüh­len wollte traf ich wie­der auf die Bauch­de­cke. So nahe war mir, Sari­putto, die Bauch­de­cke ans Rück­grat gekom­men durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme. Und ich wollte, Sari­putto, Koth und Harn ent­lee­ren, da fiel ich vorn­über hin durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme. Und um die­sen Kör­per da zu stär­ken, Sari­putto, rieb ich mit der Hand die Glie­der. Und indem ich also, Sari­putto, mit der Hand die Glie­der­rieb, fie­len die wur­zel­fau­len Kör­per­haare aus durch diese äußerst geringe Nah­rungs­auf­nahme. Und auch die­ser Pfad, diese Zucht, diese harte Askese, Sari­putto, brachte mich dem über­ir­di­schen, rei­chen Hei­lig­t­hum der Wis­sens­klar­heit nicht näher: und warum nicht? Weil ich eben jene hei­lige Weis­heit nicht errun­gen hatte, jene hei­lige Weis­heit, deren Errun­gen­schaft sich als hei­lige Weihe erweist, dem Grüb­ler zur gänz­li­chen Lei­dens­ver­sie­gung.

Aus: Die Reden Gotamo Buddhos.
Über­set­zung: Karl Eugen Neu­mann