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In Script Patriotismus

Zombies and Pupils of Capitalism.

Der Zustand einer so genannten "Medienlandschaft" ist erst zu ermessen, wenn an ihre etablierten Alternativen dieselben Maßstäbe angelegt werden, die diese in ihrem ewigen Feldzug gegen die "Großen", die "Monopolisten", hierzulande: gegen "den Mediamil-Komplex" verwenden. Das ist eine ebenso erheiternde wie erhellende Tätigkeit. Eine Traxlersche Probe aufs Exempel.

"Österreich hat ein Problem mit seinem Selbstbild. Wir sehen in den Spiegel, wie eine Mutter das tun würde, und finden zuallererst hier eine Flunserl am Hemd und dort ein Wimmerl an der Backe. Und dann sehen wir lieber nicht mehr in den Spiegel. Oder nur noch um das immer fetter und roter gewordene Wimmerl zu bejammern."

Der dienstälteste Rotzbub vom alternativsten aller Radiosender weiß ganz genau, warum in diesem Land keine Mutter mehr in den Spiegel schaut. Was aber würde der Blumenau gern sehen, dass wir sehen, wenn wir in den Spiegel schauen, wie er schaut, frei von aller befangenen Mütterlichkeit? Das hier, sagt er, streckt den Finger raus und zeigt auf seine grünen und blauen Satzbauklötzchen, schön.

"Das hier ist ein gutes Land. Es ist grün, blau und schön. Es hat Wasser und Kultur, über und unter der Oberfläche."

Wortwitz ist unter anderem, wenn ein Schlagwort in einer Andeutung versteckt wird, die seine Bedeutung verklausuliert. Die doppelte Anforderung, wenn zwei Schlagworte im gleichen Satz durch zwei Andeutungen versteckt werden sollen, wird zuweilen bei aller guten Absicht zur unüberwindlichen Hürde, und einfach überrannt. "Süppkültür" und "Oberwasser", wie ist das gemeint? Patriotisch natürlich. Der Rest ist Schicksal.

"Es ist vor allem das einzige Land, in das ich geboren wurde. Ich kann, werde und will es und die Liebe dazu nicht aus historischen Versäumnissen, falscher Scham und irgendwelchen schlaffen pc-Gründen denen überlassen, die damit ihre grindigen Suppen kochen und ihre Fahnen in den Wind hängen."

Wenn der Blumenau einmal seine Fahne in den Wind hängt, dann flattert die anders als bei Muttern:

"An die Giftler-Mauer am Resselpark-Ausgang am Karlsplatz hab ich mich nie gewöhnen können."

Warum? Weil er bescheid weiß:

"Weil nichts auch nur ansatzweise Gutes drin zu finden ist, auch bei noch so viel Sozialarbeiter-Romantik-Einsatz. Die dortigen Abhänger sind/waren auch unter den Suchtkranken der Abschaum, die niederste Stufe, sozial völlig zerrütteter, sofort gewaltbereiter White Trash, an alle Re-Integrations-Programmen Gescheiterte, die hier ihre letzte Stufe vor dem totalen (zumeist im Tod endenden) Absturz zubrachten. Zombies also, Leichen auf Urlaub."

Ist das noch blau, noch grün, noch schön? Nichts von alledem! Geübt in österreichischer Soziallehre, versucht der Mann seinem Patriotismus praktisch gerecht zu werden und gibt die Parole aus:

"wenn es sich machen lässt, einfach die Gegend meiden, einen anderen Eingang nehmen. Es gibt zwei Orte in Wien, wo sowas nötig ist. Neben dem Karlsplatz ist das mittlerweile der Votivpark."

"Mittlerweile", das wissen alle, die regelmäßig die Kronen Zeitung, das oberste Gewissen dieses verquasten Patriotismus, lesen oder eben FM4 hören. Aber neben dem österreichischen Oberwasser, erinnern wir uns, regt sich Süppkültür. Zwei Seelen, ach ... Das macht Unbehagen.

"Nur: diese Vorgangsweise ist defensiv, Ausweichen. Das ist mit meiner Natur schwer vereinbar."

Und die Natur/die hier geweckt/begrüßt eine Idee/die irg'ndwer ausgeheckt (zum Wohle des patriotischen Wohlbefindens):

"Kürzlich hatte dann irgendwer eine Idee. Die in der Nähe, direkt gegenüber dem Ausgang Resselpark am Karlsplatz beheimatete Evangelische Schule könnte sowas wie eine Bann-Meile beantragen. [...] diese Schutz-Zone, die sowas wie eine Zusammenrottung in Schul-Nähe einfach untersagt, ging sich genau bis zum Giftler-Stützpunkt aus."

(Und die Schüler? Ist hier potentiellen Besuchern von FM4-Festen, den Fahnenträgern des Patriotismus von morgen oder vielleicht auch nur den "Zombies, Toten auf Abruf, Giftlern" von übermorgen, ist denen damit etwa auch die "Zusammenrottung" am Schulhof verboten? Wo werden die dann eigentlich "ihre Deals mit Pillen, Sex, u.ä. stattfinden" lassen? Kommt gleich, versprochen!) Glauben Sie jetzt bloß nicht: Schwein gehabt. Wer einmal im Nachdenken steckt, hört nicht mehr auf damit.

"Nun ist so eine (geschickt eingefädelte) Verdrängung natürlich keine Lösung des Grund-Problems."

(Naja, das Verdrängen der Schüler vom Schulgebäude wäre immerhin eine Lösung für das "Grund-Problem" des Schulegehens. Sollte mal diskutiert werden.)

"Denn irgendwo brauchen die Giftler ja ihren Markt, wo ihre Deals mit Pillen, Sex u.ä. stattfinden."

Ich sag's ja: wie bei den Schülern. Und weil er das nach langem Überlegen ziemlich sicher weiß, macht sich der Blumenau so seine Sorgen:

"Im Resselpark, beim Ausgang herrscht große Stille. Man könnte meinen, dass die Abwesenheit der vielen Untoten, dort erst langsam wieder zu einer Rückkehr des Lebens führt. Man kann es aber auch als Ruhe vor dem Sturm interpretieren. Es ist auf jeden Fall ein ungutes Gefühl einem anderen unguten Gefühl gewichen."

Auf jeden Fall einmal: "Gefühl". Das wiederum ist ein viel versprechender Anfang, oder ein gutes Ende. Hier, im Bauch, findet (mag die Metapher auch noch so stocken) das Oberwasser in die Furt des Subkulturellen zurück. So hat man schon gesungen: Aba vü, vü schena is des Gfüh ... das andere halt. Das mit dem "Wir". Blumenaus messerscharfer Hinweis:

"Der Patriotismus gehört uns allen."

Danke, ich verzichte.



(alle kursiv gesetzten Passagen von "Warum es heute wichtig ist Patriot zu sein" und "Totenstille im Resselpark" von Martin Blumenau auf fm4.orf.at)






online seit 09.03.2005 14:10:02 (Printausgabe 25)
autorIn und feedback : Thomas König




Wie vorher!

aus dem Diskursiv: Vom Leben mit Kindern
[05.10.2018,Monika Vykoukal]


Neiiiihhin!

aus dem Diskursiv:
Vom Leben mit Kindern [05.10.2018,Patrick Ward]


Er hat die Melone so gern

aus dem Diskursiv:
Vom Leben mit Kindern [05.10.2018,Benjamin Herr]


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