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  „It’s fucking political!“ - Gegen Diskriminierung

Über ein Fußballteam, politische Ansprüche und Denkprozesse in der Platzkantine. Zu Besuch bei Dynama Donau.

Trainingsbeginn am Kunstrasenplatz. Die Frauen trudeln auf der Osthälfte ein, ihr Trainer Alex Brunner hat bereits Hütchen aufgestellt. Wer kommt, schnappt sich einen Ball und dribbelt um die Markierungen. Auf der Westhälfte trainiert das Männerteam mit ihrem Trainer. Im Hintergrund hohe Bürohäuser und Gemeindebauten, Leuchtschriften am Horizont. Direkt hinter dem Platz führt die mehrspurige Adalbert-Stifter-Straße vorbei – urbanes Vorstadt-Feeling in Wien-Brigittenau.

Steffi David (Sturm), Ivana Popovic (Torfrau) und Jenny Engelbrechtsmüller (Mittelfeld), „das Trio“, wie sich die langjährigen Freundinnen nennen, kommen zweimal wöchentlich aus Favoriten und Ottakring in den 20. Bezirk, die „Gitti“, zum Training. Ein weiteres Mal pro Woche sind sie bei den Spielen auswärts oder am Heim­platz. Ihre Begeisterung ist spürbar, für Stimmung sorgen flotte Sprüche und Scherze. David und Popovic gingen schon gemeinsam in die Hauptschule, eine Ganztagsschule. Die tägliche Freistunde durften sie draußen auf den Sportanlagen verbringen. Schon damals hätten sie gerne Fußball gespielt. Die Antwort der Lehrkräfte auf ihre Forderung mitzuspielen: „Lasst die Burschen spielen.“ Erst mit 22 Jahren konnten sich die drei ihren Wunsch schließlich erfüllen und sind seit eineinhalb Jahren fixe Größen im Dynama-Team. Knackig auf den Punkt bringt es Aurélie M. (Verteidigung): „Ich bin eine Frau, ich will Fußball spielen und ich spiele guten Fußball – alleine diese Tatsache ist bereits ein politisches Statement. Weil du Raum forderst, den die anderen dir nicht geben möchten.“

Dynama sonst kana!

Aurélie M. mag die doppelte Bedeutung des Dynama-Slogans „We love to kick balls“. Sie ist nur für ein Jahr in Wien. Im Zuge ihres Medizinstudiums in Nizza absolviert sie derzeit ein Forschungsjahr um auch zukünftig in der Wissenschaft tätig zu sein. Zu Dynama hat sie gefunden, weil sie Fußball spielen wollte, aber ohne Druck. Daher hat sie sich auf der Tabelle der Diözesan Sport Gemeinschaft (kurz DSG) das damals schlechteste Team ausgesucht: Dynama Donau. Das passte perfekt, geworden ist daraus eine große Liebe, beidseitig. Im Oktober 2015 hat sie mit Kolleginnen das 5-Jahre-Dynama-Geburtstagsfest ausgerichtet. Neben mehreren DJanes und zwei Bands wurden eine Ausstellung und eine Cocktailbar organisiert – im Flag, dem Clubheim der Freund_innen der Friedhofstribüne (Fanklub des Wiener Sportklubs).

Gegen Sexismus

„Wo immer du bist auf der Welt und du fühlst dich allein und einsam, du findest immer welche, die kicken. Und wenn du kicken kannst, dann hast du sofort Freund_innen“, sagt Urs Blauensteiner. „Beim Fußball kommen die Leut’ zam“ ergänzt Barbara Kuen (Außenverteidigung). Da wird diskutiert. Zeitweise auch über die Dressen der Kickerinnen von Dynama Donau: Auf dem Rücken steht „GEGEN SEXISMUS!“. Das führt regelmäßig zu Verunsicherung, vor allem unter Männern auf den Zuschauer_innenbänken und an den Kantinentresen, womit der Slogan seinen Zweck bereits erfüllt. Dem anfänglichen Entzifferungsprozess gepaart mit Belustigungen wie: „Sex … hahaha … gegen … hihi … ismus … äh?!?“ folgt eine Phase des Unverständnisses und der Ratlosigkeit. Es war vom Team beabsichtigt, Denkprozesse auszulösen. Dennoch findet es Susu Dobner, ebenfalls Außenverteidigerin, „überraschend, wie viele sich provoziert fühlen und mit der Aussage nichts anfangen können“. Ina Haider (Sturm) erzählt auch von positiven Reaktionen. Spielerinnen anderer Teams freuen sich über die starke Positionierung am Feld.
Dancing like a butterfly, stitching like a Gelse
Dynama ist formal gesehen die Frauensektion des Vereins Dynamo, den es seit 2006 gibt. Die Männer hatten sich schon die längste Zeit ein Frauenteam im Verein gewünscht, weshalb Niklas Doppermann und Muriel Holzer einen folgenschweren Pakt eingingen: Doppermann und die Burschen von Dynamo unterstützen den Aufbau eines Frauenteams mit Infrastruktur und Holzer „organisierte“ die Frauen.
Über die Herkunft der Gelse am Logo sind sich die Spielerinnen von Dynama Donau übrigens nicht 100%ig einig. Einerseits war Anti-Gelsen-Mittel fixes Accessoire auf dem Weg in die „Gruam“, ihr Trainingsort bis 2013. Andererseits bekomme ich auf meine Frage nach dem Logo augenzwinkernd zur Antwort, die Kickerinnen wären so lästig wie Gelsen: Mit ihrer Forderung nach Raum und ihrem Engagement gegen alle Formen der Diskriminierung. Die dritte Variante in Anlehnung an Muhammad Ali gefällt mir am besten: „Dancing like a butterfly, stitching like a Gelse“ (Niki Staritz, Mittelfeld). Dynama eben.

Mehr Infos:
http://dynamadonau.at

online seit 18.03.2016 12:49:56 (Printausgabe 73)
autorIn und feedback : Natalie Dutter




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[31.05.2017,Klaus Illmayer]


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