MALMOE

Denver – Canberra – Spitzenjubiläum

Denver

Wer regiert eigentlich die Welt? Der Einfluss von Unternehmen gegenüber gewählten Regierungen wird immer größer. Das US-Unternehmen Palantir aus Colorado ist im Geschäft um Big Data, also möglichst viele Informationen einzusammeln und zu Geld zu machen. Möglicherweise werden sie bald das gesamte staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien (NHS) mit ihrem Betriebssystem versorgen dürfen. Einmal drin, nie mehr raus, heißt die Befürchtung umsichtiger Datenschützer*innen, die von der britischen Regierung sicher nicht ge- oder erhört werden. Gesundheitsdaten, Massenüberwachung, Spionagesoftware und natürlich ganz viel Finanzindustrie sind die Aufgabenfelder des 2004 von Peter Thiel gegründeten Unternehmens Palantir. Wer Zweifel an seinen Absichten hegt, muss sich nur die gezwungen coolen Namen der Software-Produkte anschauen („Gotham“) oder mit welchen Leuten Thiel sich umgibt. Mit einem gewissen Elon Musk bastelte er einst an PayPal (technisch mit überschaubarem Erfolg, aber geschickt im Ersticken von Konkurrenz) und jüngst holte er als Rising Star für „globale Strategie“ einen Mann ins Team, der exzellente Kontakte in die Regierungen dieser Welt besitzt. Sein Name: Sebastian Kurz.

Canberra

Die Wahlen in Australien waren einer dieser raren Hoffnungsschimmer. Der australische Kontinent wird enorm von den Auswirkungen des Klimawandels gebeutelt. Die Buschfeuer (falscher Ausdruck, der Busch ist schon lange verbrannt, es brennen die Wälder) waren so stark, dass die Menschen in Sydney einen Aschegeschmack auf der Zunge hatten. Dann kam der Regen und spülte ganze Landesteile weg. Die Liberalen (der australische Ausdruck für die Konservativen) leugneten aggressiv. Umweltschutz war nie politisches Ziel. Ölschlamm wurde im Great Barrier Reef verklappt, Elektroautos steuerlich verteuert und überhaupt alles getan, damit die großen, fossilen Industrieunternehmen zufrieden waren. Die oppositionelle Labor-Partei kritisierte allenfalls zaghaft. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2022 wurde die liberale Regierung nun aber aus dem Amt gejagt. Möglich war dies, weil es im strukturell höchst konservativen Australien auch einigen Konservativen zu bunt geworden war. Sie schlossen sich mit grünen Umweltaktivisten zusammen und nominierten unabhängige Kandidat*innen, die, konservativ im Weltbild zwar, sich trotzdem für einen ökologischen Umbau der Wirtschaft einsetzen wollen. Ein hoffentlich vorbildlicher Weg für andere Weltregionen.

Spitzenjubiläum

Die hundertste MALMOE liefert zugleich die zwanzigste Ausgabe der „Regierungsspitzen“, die immer am Beginn des Ressorts „Regierung“ den Regierenden der Welt möglichst pointiert auf die Finger schaut. Bisher berichteten sie aus: Ankara, Aspern, Athen, Banzkow, Barcelona, Berlin (4x), Bessemer, Bleiburg/Pliberk, Bratislava, Budapest, Canberra, Caracas, Denver, Dortmund, Dresden, Erfurt, Frankfurt, Fukushima (2x), Gumpoldskirchen, Gipfel (?), Hamburg, Houston, Ibiza, Jerusalem, Kabul, Kairo, Kakanien, Kiew, Koblenz, London (2x), Malmö, Moskau (3x), New York (2x) Portland, Rockhampton, Salzburg, St. Louis, Tiflis, Tulln, dem Waldviertel, Washington (3x), Wien (3x) und Windsor. Unterm Strich bleibt festzuhalten nach fünf Jahren Regierungsspitzen: Überall wird viel zu viel regiert.