MALMOE

Fragen an den Steinhof

Es gab wieder Aufsehen um dich, worum ging es da?

Herrje, lassen‘s mich damit in Ruh‘! Da haben sich wieder ein paar engagierte Anrainer_innen ungerecht behandelt gefühlt, es ging um die Corona-bedingte Sperre des Durchgangs durch die Klinik Penzing …

Klinik Penzing? Noch nie gehört!

Das ist der neue Name für das Sozialmedizinische Zentrum Baumgartner Höhe Otto-Wagner-Spital. Alle Wiener Krankenhäuser wurden umbenannt – in Klinik und dann der Name des Bezirks, wo sich die Einrichtung befindet. Man will weg vom Fokus aufs negative „Kranksein“ – deshalb heißt der Wiener Krankenanstaltenverbund jetzt auch Wiener Gesundheitsverbund.

Ah, danke. Also wieder zurück zum Protest um den Durchgang …

Ah ja, da waren wir eigentlich. Genau. Es ist eben aktuell verboten, durch die Klinik zu latschen, um auf die Steinhofgründe dahinter zu kommen. Sie müssen wissen, dass das bei Schönwetter Hundertschaften an Spaziergänger_innen sind, die da im Gänsemarsch nach oben wandern. Eine logische Maßnahme – immerhin hat die Klinik Penzing auch einen Schwerpunkt auf pulmologische Erkrankungen. Hier befinden sich also etliche Corona-Hochrisikopatient_innen.

Das scheint ja ein einleuchtendes Argument?

[Verdreht die Augen] Ha! Mitnichten! Manch ein Bürger hat sich so aufgeregt, dass er jetzt einen Umweg über die Johann-Staud-Straße oder die Sanatoriumstraße auf sich nehmen muss, dass letztlich eingelenkt wurde und ein kleiner Weg geöffnet wurde durch die Klinik.

Immer wieder war der Steinhof Schauplatz von Bürger_innen-Bewegungen.

In den 1970ern sollte das Areal verbaut werden, letztlich wurde sich aber bei einer Volksbefragung dagegen ausgesprochen. Nun ist es Erholungsgebiet. Und jüngst gab es Aufsehen um den Verkauf einiger Pavillons im östlichen Teil des Spitals und Pläne, hier zu privatisieren, um Wohnungen, Hotels und Geschäftslokale zu errichten. Zu Recht wird befürchtet, dass auch öffentlicher Grünraum verbaut und privatisiert wird, auch wenn die Politik beteuert, dass dem nicht so sein wird. Seit 2017 wird jedenfalls gebaut, gleich hinter der Rehaklinik Baumgarten.

Der Steinhof war auch Schauplatz der nationalsozialistischen Eugenik.

„Am Spiegelgrund“, benannt nach dem alten Flurnamen, hieß damals die – welch Zynismus! – „Jugendfürsorgeanstalt“. Kinder und Jugendliche, die den Nazis als „minderwertig“ galten – Kinder mit Behinderungen, Krankheiten, die unter der NS-Diktion als kriminell oder schwer erziehbar galten –, wurden misshandelt, gefoltert, Experimenten ausgesetzt, systematisch psychisch und physisch ermordet. Mindestens 789 Kinder wurden am Spiegelgrund im Zuge der „Euthanasie“ der Nazis getötet. „Ärzt_innen“ und „Schwestern“ wie Erwin Jekelius, Margarethe Hübsch, Hans Bertha oder Anna Katschenka mordeten nachweislich Menschen, die im Sinne der Eugenik der Nazis als erblich belastet und damit für die Volksgemeinschaft schädlich galten. Besonders bekannt, auch weil erschreckend den Umgang mit NS-Verbrechen im Nachkriegsösterreich entlarvend, ist der Fall des Arztes Heinrich Gross, der als Leiter des Pavillons 15 für fast alle der über 700 Morde verantwortlich ist. Nach der Befreiung durch die Alliierten 1945 arbeitete und forschte er munter weiter – mit aus Euthanasiemorden gewonnenen Präparaten. Seine Karriere war ungebrochen und Gross weithin anerkannter Gerichtspsychiater. In dieser Rolle traf er 1975 auf Friedrich Zawrel, den Gross auch schon am Spiegelgrund „behandelte“. Erst durch Zawrels Wiedererkennen und seinen großartigen Einsatz wurden die Verbrechen von Heinrich Gross ans Tageslicht gebracht.