MALMOE

Fra­gen an das Eis

Eine Lie­bes­er­klä­rung

He, du! Bleib ste­hen, bitte!

(Eine rote Kugel rennt weg) Las­sen Sie mich in Ruhe, Sie Papa­razzi!

STOP! Bist du nicht das Eis? Halt! Bitte! Nur ein paar Fra­gen! Bitte, ich bin dein größ­ter Fan!

(Reporter_in stellt das Eis in einer son­ni­gen Ecke, aus der es nicht ent­rin­nen kann) Nun gut, aber bitte schnell, ich bin schon bestellt und werde sehn­lichst erwar­tet.

Eis! Ich bewun­dere dich! Bei dem Gedan­ken an dich wird mir so heiß um’s Herz – geht es dir genauso? Liebst du mich auch?

(Tut geschmei­chelt) Ähm, nun ja … Ich liebe alle meine Fans und zele­briere den direk­ten Kon­takt mit ihnen. Sie müs­sen wis­sen, ich bin ein Genie­ßer und lebe für den kur­zen Moment. Kaum noch da gewe­sen, bin ich auch schon wie­der weg. Sobald meine Eis­kris­talle auf die harte Kante des Sta­nit­zels tref­fen – im Übri­gen: den Kon­takt mit Papier ver­achte ich, es ist so wenig sinn­lich! –, unbe­kannte warme rote Lip­pen und raue Zun­gen mich umschlin­gen, bin ich dahin – im dop­pel­ten Sinne. Ich kann Ihnen nur sagen: Das Leben als Eis ist ein Zucker­schle­cken.

Tief in mei­nem eisi­gen Inne­ren bin ich aber ein phleg­ma­ti­scher Cha­rak­ter, ansons­ten schmölze ich sofort dahin.

So viele Men­schen berüh­ren dich und schle­cken dich ab – ekelst du dich nicht manch­mal?

Nie­mals! Ich liebe diese kör­per­li­che Nähe. Die­sen letz­ten Kon­takt mit der Hitze des Mun­des bevor ich mich selbst auf­löse. Jedes Mal aufs Neue: eine Explo­sion! Wovor mir aller­dings graut ist (es schüt­telt sich) … die­ses Herum-Gesto­chere! Nichts hasse ich mehr als Plas­tik­löf­fel. Stel­len Sie sich nur vor, auf Ihnen würde man mit bun­tem Plas­tik herum fuhr­wer­ken, Löcher gra­ben, Kris­talle zer­ha­cken. Und ihr Men­schen nennt Besteck zivi­li­siert?

Nun ja…

Oder, schlim­mer: wenn sie dich mit Hohl­hip­pen auf­spie­ßen! Über­haupt: Hohl­hip­pen! Wel­cher Hohl­kopf hat nur die­ses Wort erfun­den? Ein Graus! Meist ergreife ich dann die Flucht und falle zu Boden, was nie­mals seine Wir­kung ver­fehlt: Trä­nen wer­den ver­gos­sen, her­um­ge­schrien wird, Eltern wer­den bedrängt, mich noch­mal zu kau­fen. Und ich hoffe innig, dass der Öko­lo­gie-affine Eis­ver­käu­fer dies­mal kei­nen Plas­tik­löf­fel mit aus­hän­digt. Meis­tens blei­ben meine stil­len Bit­ten uner­hört. Au Weh! Welch ein cir­cu­lus vitio­sus!

Apro­pos Latein: Stim­men die Gerüchte? Dass du gar nicht aus Ita­lien kommst?

Schon 3000 vor Chris­tus wurde ich im Anti­ken China benutzt. BENUTZT! Wie sich das schon anhört! Damals nutzt man mich aus um Getränke zu küh­len … welch Fre­vel! Die­sen Anteil mei­nes Ichs – nen­nen wir ihn den Gebrauchs­teil – hab ich mitt­ler­weile aber abge­spal­ten und bin seit der grie­chi­schen Antike auch als Genuss­mit­tel bekannt. Your plea­sure is my job.

Letz­tens wur­den Sie Arm in Arm gesich­tet mit aus Film und Fern­se­hen bekann­ten Scho­ko­rie­geln: Was ist dran an den Gerüch­ten um Ihre Liai­son mit Mars, Oreo und Raf­fa­ello?

Hach, was mir schon alles ange­dich­tet wurde! Mit so gut wie jedem Frücht­chen soll ich schon im Bett gewe­sen sein …

Ist die Him­beere wirk­lich deine heiße Liebe?

Kein Kom­men­tar.