MALMOE

„
Ein Wind weht von Süd und zieht mich hinaus auf See“

Ein Schiff fährt von X nach Y, hat Menschen oder Waren an Bord, es dient als Transportmittel. Das mit ihm befahrene Meer bildet allerdings den Gegenpol zum sicheren Land: es ist wild, unberechenbar, gefährlich. Unzählige Geschichten erzählt man sich – von Ungeheuern, Stürmen und andren Widrigkeiten – und nicht wenige davon sind wahr. 1914 brach der britische Abenteurer Ernest Shackelton mit der Endurance zu einer Expedition in die Antarktis auf, von der das Schiff nie zurückkehren sollte. Es blieb im Packeis stecken, die Männer schlachteten Robben und erschossen ihre Hunde um zu überleben. Erst nach über sechs Monaten im Eis wurden sie gerettet.

Das Totenschiff veröffentlichte B. Traven etwa ein Jahrzehnt später. Er ließ in diesem Roman nicht mehr Menschen gemeinsam gegen das Meer kämpfen, sondern staatenlose Arbeiter_innen solange auf der Empress schuften bis sie mit ihr zusammen untergingen. Ein fast schon klassischer Fall von Versicherungsbetrug.

Im Mai 1939 schließlich nahm die St. Louis Fahrt auf in Richtung Neue Welt; an Bord über 900 deutsche Jüd_innen, die nach der Reichsprogromnacht Deutschland verlassen wollten. Der Beginn einer Odyssee, welche für die Mehrheit von ihnen dennoch im KZ enden sollte. Zunächst noch frohen Mutes nahm die St. Louis Kurs auf Havanna, immerhin gab es eine Zusicherung der kubanischen Regierung die Geflüchteten aufzunehmen. Nachdem dort jedoch just die Einreisebestimmung geändert und der St. Louis selbst das Anlegen im Hafen verweigert wurde, steuerte das Schiff die USA an. Was an der Situation der Passagier_innen allerdings auch nichts änderte – Jesus f_cking Roosevelt Christ! Letztendlich wurden sowohl eine Meuterei, als auch ein fingiertes Schiffunglück verworfen und nach einer mehr als einmonatigen Irrfahrt durch den Atlantik wurde die St. Louis in Antwerpen endlich aufgenommen – gerade einmal 500 km Luftlinie von ihrem Hamburger Heimathafen entfernt.