MALMOE

Das massengetestete AMS-Horrorskop

2021 beginnt das chinesische Jahr des Büffels, der auf Versuche, ihn anzutreiben und zu drangsalieren, ausgesprochen gereizt reagiert. Die erwerbslosen Steinbo_x, Wasser* und Fische wollen deshalb auch Büffel werden.

Steinbo_x (22.12.–20.1.)

Im Jänner 2021 sorgt eine Mars-Uranus-Konjunktion für Veränderung: Die „U25 – Wiener Jugendunterstützung“ soll ihren Vollbetrieb aufnehmen. In Kooperation zwischen AMS Wien und MA 40 wird damit ein „One-Stop-Shop“ für Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 etabliert. Egal ob Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung und/oder Mindestsicherung: U25 ist zuständig. Angestrebt wird, den Zugang zu Leistungen zu erleichtern bzw. die Betreuungsqualität zu verbessern – mit dem Ziel einer „nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt“. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der durch die Corona-Krise massiv gestiegenen Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe scheinen diese Bemühungen ja erst einmal nicht verkehrt. Dass der Fokus auf Unterstützung liegen soll, stimmt ebenso hoffnungsfroh. Ob das jedoch angesichts restriktiver Rahmenbedingungen, wie der seit 2017 geltenden Ausbildungspflicht bis 18, möglich ist, steht in den Sternen. Steinbo_x jedenfalls bleiben auf der Hut und im Zweifelsfall #bockig.

Wasser* (21.1.–19.2.)

Sich erwerbslos mit Leistungen aus dem AMS über Wasser halten müssen? Das ist schon lange keine Ausnahmeerscheinung mehr: Rund eine Million Personen macht diese Erfahrung hierzulande mindestens einmal im Jahr. Im Zuge von Corona, Lockdown und Betriebsschließungen stiegen die Zahlen quasi kapitalismusnaturgemäß an. Das Arbeitslosengeld allerdings nicht: 55 Prozent beträgt die Nettoersatzrate. „Wir lassen niemanden zurück“? Erwerbslose schon. Eine Erhöhung dieser 55 Prozent gibt’s nicht. Stattdessen ein Almosen, genannt Einmalzahlung, nämlich sagenhafte 150 Euro dreimal im Frühjahr und jetzt als „Weihnachtsgeld“ noch dreimal. Schmankerl: Wer länger krank war, z. B. mit Covid-19, und daher Krankengeld bezogen hat, kriegt nichts. Oder diesmal vielleicht doch? Vorerst herrschen nebulöse Zustände zum Quadrat: Schwarz-Grün regiert mit Abänderungsanträgen, öffentlich kundgetan wird hinterher. #grünwardiehoffnung

Fische (20.2.–20.3.)

Das haben wir gebraucht wie der Fisch das Fahrrad: einen AMS-Kurs! „Um für den Aufschwung gerüstet zu sein“, verkündete AMS-Vorstand Johannes Kopf mitten im „Lockdown light“, laufen die Kurse im Präsenzunterricht weiter. Einige Betroffene gingen an die Öffentlichkeit: enge und überfüllte Kursräume, kein Mindestabstand möglich, dazu die Angst vor einer Bezugssperre mit der Folge, dass Arbeitslose trotz Schnupfen oder Fieber kommen. „In der Krise sollst du schulen“ laute das arbeitsmarktpolitische Mantra, meinte Kopf dazu, außerdem hätten viele Betroffene nicht die Ausstattung fürs Distance Learning. Das mag ja stimmen, blubbern die Fische zurück, aber: Die Covid-19-Pandemie ist keine Wirtschaftskrise! Mit dem „echten“ Lockdown wurden dann fast alle Kurse auf Distance Learning umgestellt, beim Präsenzunterricht wurde die Teilnahme freiwillig. Doch zwischendurch hatte auch ÖVP-Arbeitsministerin Aschbacher eine brillante Idee: Ältere und Langzeitarbeitslose könnten für Contact Tracing oder Zugangskontrollen bei Pflegeheimen quer durch alle Bundesländer vermittelt werden. Arbeitslose kennen dieses Krisenspiel: Sie werden zur Verschubmasse je nach Wünschen „der Wirtschaft“ und dürfen eigene Lebensplanungen versenken. Deshalb gilt auch 2021: #gegendenstrom