MALMOE

Pet Shop Boys: Hot­spot (
x2, 0018 VL1, 2020)

Die Brit_innen sind nun also „raus“ und ebenso raus ist mit Hot­spot das neu­este (vier­zehnte!) Album der Pet Shop Boys. Wie immer in ihrer Kar­riere, machen Neil und Chris sich Gedan­ken über die „Fas­zi­na­tion der Nacht, mit der Kom­ple­xi­tät des mensch­li­chen Zusam­men­le­bens“, so ihr lang­jäh­ri­ger Fan und künst­le­ri­scher Kol­la­bo­ra­teur Wolf­gang Till­manns. Dazu gehört frei­lich untrenn­bar die Tages­po­li­tik: „I’m so tired of my home­land“, heißt’s in Dream­land, einem Lied über ein mög­li­ches Uto­pia ohne Gren­zen und den gleich­na­mi­gen Ver­gnü­gungs­park in Mar­gate (am Ärmel­ka­nal, also quasi schon fast in Kon­ti­nen­tal­eu­ropa).

Schritt zurück: Die zähen Bre­xit-Stra­te­gien beschäf­tig­ten die Boys auch schon auf ihrer letzt­jäh­ri­gen EP Agenda – dort klang das (in Give stu­pi­dity a chance) noch so: „Why face the facts / When you can just feel the fee­lings?“ Über­haupt hat­ten die PSBs mit die­ser Ver­öf­fent­li­chung ein zwei­tes „Com­ing-out“, näm­lich als echte Sozia­lis­ten, die sie natür­lich eh schon immer waren! Beweis? Diese wun­der­ba­ren Zei­len: „They’re avoi­ding pay­ing taxes / While the wel­fare state col­lap­ses“, aus dem Song What are we gonna do about the rich? Für ver­kürzte Ant­wor­ten auf die­ses Pro­blem (as in Motör­heads Eat the rich von 1987) sind die Boys natür­lich zu cle­ver, aber die Frage ist ver­dammt gut und … seid ehr­lich, nicht mal im, sagen wir, Crust-Punk von 2019 wird’s der­ma­ßen poli­tisch kon­kret, oder?

Und nach­dem die PSBs jetzt anschei­nend in Ber­lin leben (oder zumin­dest nicht sel­ten da sind, die Bre­xit-Flücht­linge …), haben sie das Hot­spot gleich in den dor­ti­gen, von einem gewis­sen Bowie bekann­ten, Hansi Stu­dios auf­ge­nom­men, zum drit­ten Mal in Folge mit dem Pro­du­zen­ten Stuart Price. Auch dabei: Bern­hard But­ler (könnte mensch ken­nen vom Lied Ani­mal Nitrate, irgend­wann in den Neun­zi­gern) und die Band Years & Years und … alle Auf­ge­zähl­ten stö­ren gar nicht son­der­lich, denn, so Neil: „Egal mit wem wir zusam­men­ar­bei­ten“ – und das waren viele, denn wir spre­chen von über 34 Jah­ren min­des­tens 90 Pro­zent fan­tas­ti­scher Arbeit (quasi die Lin­den­straß­ler des Pop!) – „die Leute sagen immer, dass wir wie die Pet Shop Boys klin­gen. Diese Beschwerde hören wir seit Anfang unse­rer Kar­riere“.

Wir rei­hen uns hier nicht ein, son­dern fin­den ihre Zau­ber­for­mel immer noch toll: Melan­cho­lie auf einem (immer Mod-)Disco-Beat, mit Tex­ten, die stets sen­si­bel auf der fei­nen Linie zwi­schen allem tan­zen; zwi­schen Glück, Freund­schaft, Begeh­ren und Liebe unter kapi­ta­lis­ti­schen Umstän­den, ergo: das wird Pop als Ver­mitt­lungs­kul­tur ernst genom­men! Unser Lieb­lings­stück ist die Bal­lade Only the dark und, sind wir ver­rückt gewor­den, klingt der Refrain von Dream­land mehr als nur ein wenig nach jenem von Fal­cos Jeanny? You decide! War’s das? Fast. Ver­pass die Boyz nicht, wenn sie mit ihrer Tour „Dream­world – The Grea­test Hits Live“ (als ob die bei­den nicht noch bei jeder Tour ihre größ­ten Hits gespielt hät­ten) am 12. Mai 2020 im Wie­ner Scha­so­me­ter Halt machen – wir seh’n uns dort … im Mosh­pit!

Zum Pro­be­hö­ren und/oder Kau­fen gibt es die Platte bei: SISSYSOUND – at the outer edges of Pop! (Mar­ga­re­ten­straße 47, 1040 Wien, Diens­tag bis Frei­tag von 12 bis 18 Uhr, Sams­tag von 10 bis 18 Uhr)