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  Mao im Elchtest, Folge 4

Was blieb von den Sprüchen aus der "roten Bibel"? Heute: Aufstands-Bekämpfung

„Für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt.“ (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, Peking 1967, S.13)

Dieser Spruch passt ins westliche Bild aktueller chinesischer Innenpolitik. Als chinesische Einsatzkräfte im Frühjahr gegen tibetische Aufstände vorgingen und der Staat eine Nachrichtensperre verhängte, war das internationale PR-Desaster perfekt. Aus dem Eingriff gegen ein antichinesisches Pogrom wurde in den Augen der Weltöffentlichkeit eine Wiederauflage der Niederschlagung demokratischer Kräfte durch einen brutalen Staatsapparat wie am Platz von Tian’anmen 1989.

Vor dem Hintergrund dürftiger Informationen regiert die Imagepolitik das ideologische Ringen auf der Weltbühne. Und in dieser Kategorie hat die Tibet-Autonomie-Bewegung weltweit deutlich die Oberhand: Das Bild eines lächelnden friedfertigen Ruhepols, das der Dalai Lama verkörpert, dominiert die Wahrnehmung und sorgt für weltweite Solidarität mit dem Inbegriff von Unschuld und Weisheit. Tibet wurde zum Symbol für den Demokratiemangel in China, obwohl unklar ist, ob es im tibetischen Widerstand tatsächlich um Demokratie geht, und nicht vielmehr um den Machtanspruch lokaler religiöser Eliten.

Indessen tobt der Propagandakrieg: Von tibetisch-autonomistischer Seite wird die Annexion durch das kommunistische China 1950 kritisiert. Das offizielle China verweist darauf, dass Tibet bereits seit Jahrhunderten Protektorat Chinas war. Autonomie-BefürworterInnen sehen eine kulturelle Unterdrückung der Einheimischen in Tibet, die KP China verweist auf die von ihr betriebene wirtschaftliche Modernisierung und die Abschaffung des klerikal-feudalen Ausbeutungssystems im alten Tibet. Die Beziehungen zwischen KP und tibetischer Elite war nicht immer so konfrontativ: In den 1950er Jahren gab es eine Allianz zwischen der maoistischen KP China und der Oligarchie in Tibet. 1959 kam es mit US-Hilfe zum Aufstand in Tibet, nach dessen Niederschlagung der Dalai Lama ins Exil ging. In der Kulturrevolution wurde der Dalai Lama dann zum Objekt der Kritik, und rote Garden gingen gegen die Klöster vor. Tibetischem Separatismus wird seither mit nationalistischer Kampfrhetorik und dem Einsatz von Sicherheitskräften begegnet, nicht zuletzt um ein Aufwallen von Abspaltungsbestrebungen anderer Minderheiten-Gebiete zu unterbinden. Ansonsten bemühen sich die chinesischen Behörden heute, Tibet als exotisches Kulturprodukt zu vermarkten. Denn Tibet ist weltweit in Esoterik-Zirkeln und darüber hinaus beliebte Projektionsfläche für exotisierende Vorstellungen von Harmonie und Innerlichkeit, und völkischer Eigenständigkeit unter religiöser Führung, in der weltliche Probleme und Konflikte ausgeblendet bzw. nur als von Außen kommende Bedrohung vorgestellt werden können. Dieses Bild wurde übrigens schon von den Nazis gepflegt, die in Tibet die Heimstätte der Ur-Arier wähnten.

Mao Faktor: ***



online seit 12.08.2008 10:44:01 (Printausgabe 42)
autorIn und feedback : Red.


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/regieren/1681"Mao 2.0"-Schwerpunkt in Malmoe



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