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  Zerschlagene Erinnerungskultur

Zur wiederholten Zerstörung des „Denkmals der Namen“ in Villach/Beljak


Das in der Villacher Innenstadt aufgestellte „Denkmal der Namen“ erinnert an Frauen, Männer und Kinder aus Villach/Beljak und Umgebung, die zwischen 1938 und 1945 nationalsozialistischem Terror zum Opfer gefallen sind. Seit seiner Eröffnung 1999 wurde es bereits 15 Mal zerstört.

Auf einzelnen Glastafeln des „Denkmals der Namen“ werden die Namen jener ehemaligen StadtbewohnerInnen erwähnt, deren Geschichten durch den „Verein Erinnern“ recherchiert wurden. Es stellt somit nicht nur eine Auseinandersetzung mit den Gräueltaten des NS-Regimes und den konkreten Opfern, die es in Villach gegeben hat, dar, sondern auch den Versuch, die verdrängte nationalsozialistische Vergangenheit öffentlich sichtbar zu machen. „Wir entschieden uns damals“, so der Verein Erinnern, „bei der Errichtung des Denkmals ganz bewusst für Namen statt allgemeiner Gedenkformeln, denn einer der ersten Schritte zur Erniedrigung und Entmenschlichung der Häftlinge bestand im Raub ihrer Namen und in der Vergabe von Nummern, die in den Unterarm eintätowiert wurden. (…) Die Rückgabe des Namens erschien uns als wichtiger Schritt zur Wiederherstellung von menschlicher Würde und Identität.“

Feindseligkeiten

Im September 1999 wurde das Denkmal mit 64 Namen errichtet, bis dato viermal erweitert und trägt heute die Namen von 252 Ermordeten. Seit seiner Eröffnung wurde es 15 Mal verwüstet und einzelne Glastafeln mutwillig zerschlagen. Dieser Wahnsinn fand im Juli 2007 einen Höhepunkt, da allein in diesem Monat vier Zerstörungen mit einem materiellen Schaden von ungefähr 1.200 Euro zu verzeichnen waren.

Auch die Zerstörung von Denkmälern und Gedenkstätten, die an eine der wichtigsten Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime erinnern soll, hat in Kärnten/Koroška Tradition. Der Peršmanhof, seit 1983 als erstes und einziges PartisanInnenmuseum in Österreich bekannt, war kurz vor Ende des Krieges Schauplatz eines bestialischen Massakers der Nazis an einer elfköpfigen Familie. Weder das Massaker noch die 1953 verübte Sprengung des den PartisanInnen errichteten Denkmals, das 1947 am Friedhof in St. Ruprecht bei Völkermarkt aufgestellt worden war und 1983 vom „Verband der Kärntner PartisanInnen“ am Peršmanhof wieder errichtet wurde, wurden bis heute gerichtlich geklärt. „Die Peršman-Geschichte könnte für ganz Kärnten zu einer ‚Bastion der Aufklärung‘ und Selbstbildung werden. An diesem Ort, der mit dem wieder aufgebauten Gehöft, mit Gedenktafeln, mit Museum und Denkmal ein einzigartiges Erinnerungsensemble darstellt, kann man der Kärntner NS-Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes begegnen und sie aus mehreren Perspektiven betrachten lernen.“ (1)

Dass auch am Peršmanhof in Koprivna/Koprein bei Eisenkappel/Železna Kapla immer wieder Glasscheiben repariert werden müssen, weil unbekannte TäterInnen Fenster einschlagen, sorgt für ebenso wenig Aufruhr wie im Falle des Denkmals der Namen. Derartige Ereignisse sind am Peršmanhof nichts Neues. Seit seinem Bestehen als Museum wird er von der Alltagsgesellschaft angefeindet.

Mannhaftigkeiten

Da sich die Polizei lange geweigert hatte, die politische Motivation dieser Taten anzuerkennen und sie als betrunkenen Vandalismus oder „Lausbubenstreiche“ abtat, blieb die Suche nach den TäterInnen lange Zeit erfolglos. Dennoch schien der (politische) Druck zumindest in Bezug auf das Denkmal der Namen größer zu werden, sodass zumindest eine Überwachungskamera angebracht wurde, um TäterInnen entweder abzuschrecken oder Verwüstungen zumindest zu dokumentieren. Als zuletzt in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2010 erneut sieben Glastafeln zerstört wurden, tauchten zwar wieder einige Unklarheiten in Bezug auf den Umgang der Polizei mit der Zerstörung auf. Dennoch konnte diesmal ein Täter ausfindig gemacht werden, der, wie sich herausstellte, zum Zeitpunkt der Tat Mitglied auf Probe der lokalen konservativ-pennalen Burschenschaft Arminia war. Obgleich der Täter sofort aus der Verbindung ausgeschlossen wurde und diese sich von den Taten distanzierte und nun sogar einen finanziellen Beitrag zur Wiedererrichtung leisten will, scheint dieses Detail auch nicht unwesentlich zu sein. So heißt es beispielsweise in einem Text der Gruppe AuA! in der von der ÖH Uni Wien herausgegebenen Broschüre „Völkische Verbindungen“: „So falsch das Urteil ist, wonach jeder Burschenschafter (Neo-)Nazi wäre, so falsch wäre es auch, die Überschneidungen von deutschnationalem Korporiertenmilieu und militantem Rechtsextremismus/Neonazismus als seltene Einzelfälle abzutun. Vor dem Hintergrund der ideologischen Verfasstheit der österreichischen Germanomanen stellen diese Schnittmengen vielmehr eine Zwangsläufigkeit dar.“ (2)

Gerade auch angesichts der Erziehungsfunktion (zu Härte und Mannhaftigkeit), die sich Burschenschaften selbst auf die Fahnen heften, scheinen Formulierungen wie jene, dass es sich um „Handlungen eines Einzelnen außerhalb unseres Einflussbereichs“ gehandelt habe, wie sie im „Entschuldigungsbrief“ der Arminia zu lesen sind, schlichtweg lächerlich.



Anmerkungen
(1) Peter Gstettner: „Gedenkstätte und Gedenkensemble am Peršmanhof“ (vgl. www.persman.at)
(2) ÖH Uni Wien (2009): Völkische Verbindungen. Beiträge zum österreichischen Korporation(un)wesen in Österreich


online seit 30.08.2010 09:26:53 (Printausgabe 50)
autorIn und feedback : Wendy Bachmann




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