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  Willkommen in Japan

Steht uns ein „verlorenes Jahrzehnt“ der Stagnation bevor?

VON DER KRISE als großer Zäsur, die alles in Frage stellt – je nach Großspurigkeit der Analyse (mindestens) Finanzmarktexpansion, (meistens) Neoliberalismus, oder (ganz gewagt) den Kapitalismus insgesamt – ist nach gut einem Jahr Intensiv-Krise kaum mehr die Rede. Von den Banken und den makroökonomischen Prognosewerkzeugen, die kurz nach Ausbruch der Krise als Analyseversager gebrandmarkt wurden, werden jetzt Aufschwungsignale verbreitet, ohne dass das besonders kritisch hinterfragt würde. Die Medienöffentlichkeit hat genug vom Krisengejammer und will wieder (wirtschaftliche) Hoffnung schöpfen.

Doch was, wenn die Gewinnmeldungen der Banken auf Bilanzkosmetik und glücklichem, kurzfristig-vorübergehendem Krisengewinnlertum in Teilbereichen beruhen? Was, wenn sich das „Aufschwung spätestens 2010“-Mantra der Wirtschaftsforschungsinstitute als Gesundbetungs-Formel entpuppt, die auf das Gelingen einer selbsterfüllenden Prophezeiung setzt, dass Menschen wegen der guten Prognosen Vertrauen schöpfen, wie wild zu konsumieren beginnen und so den prognostizierten Aufschwung erst selbst herbeiführen?

DANN SIND WIR IN JAPAN. In Japan platzte 1990 eine Immobilien- und Börsenblase, doch statt des erhofften baldigen Wiederaufschwungs versank das Land in einem „verlorenen Jahrzehnt“ der wirtschaftlichen Stagnation, aus dem es bis mit Ausnahme weniger Jahre des zarten Aufschwungs bis heute nicht so richtig herausgekommen ist. Die nationale inflationsbereinigte Wirtschaftsleistung lag zwischen 1992 und 2001 im Schnitt bei 1,1% pro Jahr (gegenüber 3,8% zwischen 1974 und 1991) und bewegte sich immer an der Kippe zur Deflation, dem Gegenteil von Inflation.

Als Hauptgrund dafür, dass die Krise so lange nicht verdaut wurde, gilt das allzu lange Hinausschieben der Krisenbearbeitung. Banken, die auf einem Berg uneinbringlicher Kredite saßen, die sie in den Zeiten des Immobilien- und Börsenbooms Ende der 80er Jahre vergeben hatten, versuchten die Verluste mit Bilanztricks zu verschleiern. Eine Abfolge von Korruptionsskandalen brachte zu Tage, dass die Behörden bei der Verschleierung mithalfen. So blieben so genannte „Zombie-Banken“ am Leben, die längst hätten zusperren müssen, wenn das wahre Ausmaß ihrer Probleme bekannt gewesen wäre. Die Unsicherheit über das wahre Ausmaß der Krise führte zu einer allgemeinen Lähmung: Konsumausgaben, Investitionen und Kreditvergabe blieben verhalten aus Unsicherheit über die Zukunft, währenddessen der Staat weitgehend vergeblich versuchte, die Wirtschaft anzukurbeln, und damit die eigene Verschuldung erhöhte. Die wirtschaftliche Krise erschütterte ein mit der nationalen Wirtschaftskraft eng verbundenes Selbstbewusstsein, und brachte das Sozialmodell, das zumindest für einen Teil der Bevölkerung lebenslange Firmenzugehörigkeit mit entsprechender betrieblicher Absicherung verband, ins Wanken. Die bloß auf wenige beschränkten positiven Effekte von Ansätzen eines Wiederaufschwungs in den letzten Jahren zeigten, wie stark die Ungleichheit in der Bevölkerung mittlerweile gestiegen ist.

ANGESICHTS DIESER SCHLECHTEN ERFAHRUNGEN mit einer zögerlichen Haltung, ist die Wirtschaftspolitik in USA und EU bestrebt, schnell und massiv einzugreifen. Doch die angehäuften Verluste, faulen Kredite und die Überschuldung des Finanzsektors der letzten Jahre kann sie zwar zu einem gehörigen Anteil den Steuerzahlern aufbürden, aber damit auch nicht gänzlich aus der Welt schaffen. Und ob die US-Privathaushalte neuerlich zu exzessiver Kreditaufnahme bewegt werden können, und damit die US-Wirtschaft wieder zum weltweiten Konjunkturmotor machen, ist mehr als fraglich.

Deshalb sind viele ExpertInnen skeptisch angesichts optimistischer Erholungsprognosen. Wer eine schnelle Rückkehr zum „business as usual“ erwarte, sei ein Fantast, schrieb etwa der Financial Times-Chefkommentator Martin Wolf im Juli. Am wahrscheinlichsten sei eine langsame und schwierige Erholung, geprägt vom Abtragen der aufgebauten Schulden im Finanzsektor und dem Risiko einer Deflation (also einem allgemeinen Sinken des Preisniveaus, was zu einem Teufelskreis führen kann, wenn Leute in Erwartung weiterer Preissenkungen Konsumausgaben ständig aufschieben). Willkommen in Japan.


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Party at MALMOE’s Yakuza Spielhölle

Stagnation? Nicht bei uns!

Sa, 31. Oktober 2009, 20h
im lokativ, Arnezhoferstrasse 12, 1020 Wien (Prater Nähe!)


Karaoke!
Dance Competition!
Game boy music!
Sake!

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"Prognose: Japanik"-Schwerpunkt in MALMOE Heft 47 (erscheint im Oktober 2009). Beiträge:

* Willkommen in Japan: Steht uns ein „verlorenes Jahrzehnt“ der Stagnation bevor?

* Per Zeitmaschine in den Boom: Das enge Verhältnis der japanischen Popkultur zur Krise

* „Zahlreiche reaktionäre Backlashs“: Interview mit dem Japanologen Wolfram Manzenreiter über die gesellschaftlichen Folgen der Krise in Japan

* Hupf in Gatsch, Samurai-Style: Scheitern lernen in japanischen Game-Shows



online seit 14.09.2009 12:10:48
autorIn und feedback : verdienen


Links zum Artikel:
plaza.bunka.go.jp/english/Tip zur Einstimmung: JP Media Arts Festival, bis 20.9. in Wien



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