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Ein fibriges Jahrzehnt Zum Jubiläum ein Interview mit Redakteur_innen und Veranstalter_innen von fiber fiber – damit wird nicht nur das zwei Mal jährlich erscheinende feministische Pop-Magazin aus Wien assoziiert. Bei fiber denkt eine_r auch an Diskussionsveranstaltungen, Partys und das Musikfestival rampenfiber. MALMOE bat die Redakteur_innen und Veranstalter_innen zum Jubiläumsinterview. MALMOE: Ihr feiert heuer zehn Jahre fiber. Werkstoff für Feminismus und Popkultur“ und die 20. Ausgabe der Zeitschrift. Warum ist eine feministische Annäherung an Popkultur heute noch relevant bzw. wofür steht „Popfeminismus“ heute? Katrin: Zwischen „feministischer Annäherung an Popkultur“ und „Popfeminismus“ besteht ein Unterschied. Einer, der in der fiber auch immer wieder Thema ist. Popfeminismus ist eine gesellschaftliche Position, der sich vielleicht einige, die zur fiber in Form von Artikeln, Bildern etc. etwas beitragen, verbunden fühlen. Aber aus meiner Sicht sicher nicht die Position des Redaktionskollektivs. Wir wollen aus feministischer Perspektive Popkultur, was für uns auch Alltagskultur heißt, betrachten. Und dabei die Fülle unterschiedlicher Perspektiven einbinden. Conny: Eine feministische Auseinandersetzung mit Popkultur beinhaltet auch immer eine Kritik eben jener. Insofern bedeutet das für uns, dass eine Zeitschrift wie fiber solange relevant ist, solange über feministische Perspektiven, darunter auch Popfeminismus, nachgedacht und gesprochen werden muss. Steph: In der fiber haben wir von Anfang an versucht, das ambivalente Verhältnis von „weiblicher“ Repräsentation und Produktion in der Popkultur einerseits wie auch das Spannungsverhältnis von Affirmation und Subversion andererseits kritisch zu reflektieren. Uns ist schnell klar geworden, wie dabei Differenzierungen verloren gehen und die Grenzen zur medial gefälligen Verharmlosung überschritten werden – die Wandlung des Begriffs Popfeminismus ist dafür ein ganz gutes Beispiel. fiber basiert auf unentgeltlicher Arbeit. Wie produziert ihr die Zeitschrift und wie schafft ihr es, eurem politischen Anspruch nach einer kollektiven Arbeitsweise gerecht zu werden? Mäx: Wir bekommen keine Basisförderung und suchen daher von Heft zu Heft aufs Neue um Gelder an. Bezüglich der kollektiven Arbeitsweise, das ist jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Der Versuch, möglichst basisdemokratisch zu arbeiten, kann einer_m da schon manchmal den Nerv rauben. Aber es ist es wert, Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen. Auch die Frage, ob Männer* im Kollektiv mitarbeiten dürfen/sollen, beschäftigt uns regelmäßig. Vor allem deshalb, weil wir uns der Problematik solcher Begriffe wie Mann und Frau durchaus bewusst sind und diese Kategorien ja auch aufweichen wollen. Viktoria: Für mich ist es genau der basisdemokratische Ansatz, der die Arbeit bei fiber so bereichernd macht. Ich bin nach einer Redaktionssitzung eigentlich noch nie genervt nach Hause gegangen. Zur Heftpräsentation der jeweiligen neuen Ausgabe organisiert ihr auch immer eine Party. Außerdem veranstaltet ihr das rampenfiber-Festival bzw. das Kleinformat desselben unter dem Titel „rampenfibrig“. Was erwartet ihr euch von einer solchen Präsenz, und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Angela: fiber war immer schon ein Projekt, das sich nicht nur auf einer theoretischen Ebene mit Feminismus und Popkultur auseinandersetzen wollte, sondern auch die Praxis dazu mitgedacht hat. Da war es nur logisch auch Parties zu veranstalten und sich dabei zu überlegen, wie ein queer-feministischer Raum geschaffen werden kann, der reflektiert und zur Debatte stellt, was in ihm passiert. Das funktioniert mal besser, mal schlechter. Mäx: Neben der schon angesprochenen Präsentation der neuen fiber-Ausgaben geht es auch darum einen Raum zu schaffen, in dem vielleicht nicht so bekannte Musiker_innen aus der Wiener Szene die Möglichkeit für einen Auftritt bekommen. Und wir wollen auch Bands hören, die uns gefallen und (rampen)fiber feiern. Frankie: Ich glaube auch, dass durch das andere Format (Festival, Party, Veranstaltung) von vornherein ein anderes, größeres Publikum angesprochen wird, was der Zeitschrift sehr zu Gute kommt. Wie seht ihr euren Einfluss auf die Medien- und Clublandschaft: Hat fiber in den vergangenen Jahren etwas verändern können? Wenn ja, woran macht ihr euren Erfolg fest? Mäx: Erfolg ist so etwas Relatives. Es gibt ja genügend Zeitschriften, die sich mit Popkultur auseinandersetzen, viele sind aber Schrott und die meisten sehr stark hierarchisch durchstrukturiert, mit einem Überfluss an Männern (wie z.B. Spex oder Vice). Dementsprechend gestalten sich deren Inhalte, sowohl was die Texte als auch die Bildpolitik anbelangt. Sexismus auf allen Ebenen, auch Rassismus und Homo- bzw. Transphobie sind da keine Seltenheit. Trotzdem haben diese Magazine eine große Präsenz. Da ist es schon ein Riesenerfolg, dass so ein Magazin wie fiber, mit geringer Auflage und wenig Förderung, überhaupt schon seit zehn Jahren existiert. Also ja, wir machen einen Unterschied, und wir sind erfolgreich! Viktoria: Nicht ohne Grund steht in der Aussendung zur 20. Ausgabe trotzig: „Pleite, aber immer noch da!“ Wenn ihr das erste fiber-Jahrzehnt Revue passieren lasst: Wo steht ihr heute? Hat sich an dem Konzept/an eurer Arbeitsweise/an euren Ansprüchen etwas verändert? Conny: Am offensichtlichsten ist, dass bei meinem Eintritt in das Redaktionskollektiv 2008 noch mehr als zehn Menschen im Kollektiv waren. Jetzt sind wir gerade zu dritt. Da verändert sich die Arbeitsweise automatisch. Positiv verändert hat sich sicherlich durch die Beständigkeit die Wahrnehmung und der Bekanntheitsgrad von fiber. Viktoria: In Berlin in einer Buchhandlung die fiber durchzublättern, das hat was. Und auch die Anfragen, Panels mitzugestalten oder Workshops zu halten, vermehren sich. Leider beißt sich das immer auch mit unseren kaum vorhandenen Ressourcen. Die politischen Ansprüche von fiber sind in ihrem Kern immer noch die gleichen: feministisch, anti-rassistisch, anti-heterosexistisch, anti-homophob, anti-kapitalistisch … Conny: Tabulos! Katrin: Was sich schon verändert, sind persönliche Präferenzen in der thematischen Schwerpunktsetzung. Schon alleine deshalb, weil sich die Personen des Redaktionskollektiv immer wieder ändern, und der Kreis derjenigen, die die fiber mitgestalten, ist in den Jahren immer größer geworden. Unsere Mailingliste, an die wir bei jedem neuen Heft den Text-/Bildaufruf aussenden ist mittlerweile ganz schön angewachsen. Und auch auf diversen Blogs etc. wird der Aufruf gepostet. Was super ist, denn gerade fiber in der gedruckten Form ist ja viel mehr als „nur“ das Redaktionskollektiv. Wahrscheinlich ist gerade das unser Erfolgsgeheimnis. Angela: In Bezug auf rampenfiber hat sich in der Zeit seit dem ersten Festival 2006 auch einiges getan. War uns damals vor allem eine starke Präsenz und die Vernetzung von Frauen im Musikbusiness ein Anliegen, setzen wir uns heute von einem queeren Standpunkt aus mehr mit Fragen der Raumnahme und Körperpolitik auseinander. Dazu haben wir diesen Sommer auch ein Manifest geschrieben, weil es uns immer wichtiger wurde unsere Vorstellungen und Forderungen auch klar aus zu sprechen. Frankie: Auch unsere eigenen Bedürfnisse haben sich zu Wort gemeldet: Wir als Veranstalter_innen wollen die Konzerte besuchen und die Früchte unserer Arbeit genießen können (und nicht nur vor Ort permanent Feuerwehr spielen müssen). Das heißt, auch wir nehmen uns vermehrt unseren Raum als teilnehmende Organisator_innen der eigenen Veranstaltung. Was wünscht ihr euch als Redakteur_innen/Veranstalter_innen für das kommende fiber-Jahrzehnt? Viktoria: Zuwachs! Angela: Ich wünsch mir auch ein immer weiter wachsendes Netz weit verzweigter queer-feministischer Allianzen! Frankie: Es ist schön zu sehen, wie sich ein Projekt immer weiter politisiert und gemeinsam mit den Veranstalter_innen wächst – weiter so, wünsche ich mir! Steph: Die beständige feministische Staffelübergabe – auf dass sie noch an viele neue feministische Akteur_innen weiter gegeben wird! Mäx: Ich wünsch mir das Fortbestehen von (rampen)fiber, bessere Förderungen für queer-feministische Projekte und die politische Durchdringung einer Mainstream-Gesellschaft. Conny, Katrin: Genauer: Die feministische Weltrevolution! online seit 09.01.2012 10:09:45 (Printausgabe 57) autorIn und feedback : Interview: wa |
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The past sure is tense MALMOE sprach mit Al Bird Sputnik über seine „Trash Rock Archives“ als alternativen Entwurf zur Popmusikgeschichtsschreibung. [19.05.2012,Interview: Thomas Herscht] Hear the Colors! Don’t see the Colors, Feel the Colors [10.04.2012,Interview: Rosa Danner] Mixtape Diesmal mit Arno Raffeiner [16.03.2012,Arno Raffeiner] die nächsten 3 Einträge ... |
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