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  Was wurde eigentlich aus...?

Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 8: Queer Hip Hop


Im Plattenladen: „Wo finde ich denn den queeren Hip Hop?“ Antwort: „Zweite Reihe links, die kleine Schachtel.“ Moment mal. Eine queere Schachtel? Was ist mit queerem Hip Hop denn eigentlich gemeint? Klingt queerer Hip Hop anders? Ist es ein Genre? Handelt es sich um bestimmte Textinhalte? Ist Hip Hop queer, wenn seine Produzent_innen sich als queer verstehen? Oder sobald die Rezipient_innen Hip Hop queer lesen? Und wie tauchte Queer Hip Hop auf? Beim Nachdenken über die historischen Aspekte von Queerem Hip Hop oder über das Verqueeren von Hip Hop stellen sich mehrere Fragen, etwa nach den verschiedenen „Kick offs“, die in die offiziellen Records eingegangen sind (vgl. MALMOE #29). Einerseits war da die Aneignung des Formats Rap von weißen, queeren Personen. Age of Consent etwa waren solch eine weiße Band, die Anfang der 1980er Jahre in San Francisco Rap für sich entdeckte, um queere Anliegen zu demonstrieren: „From the streets of LA town / came a bad fag rap, word spreading around / now you might say – whats this shit? / rapping white fags: it just don’t fit / but i’m here to say: it’s OK, anyone rap now, white or gay / i am: the night of the night, when evening comes, i spread my delight / hit the tub or the streets, ride my car / Hollywood boulevard to backroom bar / Now there’s a friend of mine, right over here and some of you there might call him queer / he goes by the name of the master B, and he raps to the music – same as me“. Age Of Consent (Fight Back). Auf der anderen Seite gibt es eine Geschichte Schwarzer (vor allem feministischer) Rap Artists, die die Themen Geschlechteridentität und Sexualität immer wieder in ihren Lyrics und ihrem Verhalten im Rap Game betont haben und zwar in einer Form, die nicht affirmativ zu einer Hetero-Norm war/ist. Zur feministischen Geschichte des Hip Hop übrigens sehr zu empfehlen: die „Women in Hip Hop Timeline“ von Jeanette Petri (Macherin des Magazins Anattitude). Seit diesen Anfängen ist eine Homohop-Szene entstanden, die anwächst und sich zunehmend internationalisiert. Jährlich finden weltweit Homohop-Festivals statt. Einen guten Überblick – vor allem im US-amerikanischen Raum – bietet übrigens die Doku „Pick Up The Mic“ von 2009. Eine ganz andere Strategie, Hip Hop und queere Fragen zu verknüpfen, wird aber auch in Räumen angewendet, die sich gewissermaßen außerhalb des Rap Games befinden. Insbesondere handelt es sich hierbei um queere Subkulturen, die mit Elementen, die aus dem Hip Hop entlehnt sind, spielen und als ein Set von Tools verwenden, mittels derer die Verknüpftheit von Geschlecht, sozialer Klasse und Rassismus quasi auf selbstverständliche Art und Weise gemeinsam thematisiert werden kann. Ein Beispiel dafür: die Aggressives in New York. Ein ganz anderes Beispiel für eine verqueerende Verknüpfung unterschiedlicher Genres und Inhalte: Der kanadische Rapper SoCalled. Er beschäftigte sich mit Aaron Lebedeff (einem jiddischen Sänger der Nachkriegszeit) und ihm fiel auf, dass jiddische Lieder häufig eine Pause zwischen den Versen aufwiesen, sodass sie sich auf Hip Hop-Rhythmen legen wie Honig aufs Brot. Seine erste Aufnahme nannte SoCalled The Jew Funk. Er sagt über sich: „What initially turned me on about traditional Yiddish music were all the hot, sweaty, half-naked dudes with clarinets, accordions and fiddles, playing their wild, orgiastic melodies deep into the night … It's interesting that the modern-day revival of klezmer has actually been such a queer-positive space.“ Hat Hip Hop ein besonderes Potenzial, was das Auseinandernehmen von naturalisierten Kategorien betrifft? Wie wird dieser politische Anspruch im queeren Hip Hop in den nächsten Jahren verwirklicht werden? Am besten, wir reden während des nächsten PeaceOut-Festivals darüber.



online seit 08.08.2010 11:32:38 (Printausgabe 50)
autorIn und feedback : Katharina Morawek


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/tanzen/1072
www.malmoe.org/artikel/tanzen/1242
www.malmoe.org/artikel/tanzen/1059



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