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  Via Livestream im Bild

Ein Interview mit der AG Presse von Unsere Uni zur Nutzung von Social Media und dem Internet im Rahmen der jüngsten Studierendenproteste.

Carlo Ponti: Vor allem am Beginn der StudentInnen-Proteste gab es einen regelrechten Medien-Hype um die „eigene“ Twitter-Revolution (jetzt in österreichischen Zeitungen). Welche Rolle im Zuge der Proteste haben Social Media Tools eures Erachtens tatsächlich gespielt?

AG Presse: Ja – die Social Medias haben eine große Rolle gespielt. Wir konnten innerhalb kürzester Zeit mobilisieren, zu den Plenas zu kommen oder auch wenn die VOKÜ Unterstützung brauchte, haben wir über Facebook und Twitter Leute erreicht, die für die Unterstützung der VOKÜ die benötigten Sachen brachten. Eine nicht unwesentliche Funktion war, die Studierenden, die gerade nicht in Wien waren, über die Ereignisse rund um die Besetzung des Audimax am Laufenden zu halten. Die Studierenden, die aus irgendwelchen Gründen – seien es Prüfungen, Arbeit oder private Gründe – nicht aktiv dabei sein konnten, hatten die Möglichkeit, ihre Solidarität in den Fangruppen im Facebook auszudrücken. Ergänzend möchten wir an das AudiMax Radio und auch an unibrennt.tv erinnern, die auch wertvolle Informationsarbeit geleistet haben.

CP: Ihr habt dann wirklich Technologie-affin agiert und Wikis bzw. Livestreams extensiv genutzt, einerseits für euch und eure Peers zur Selbstorganisation bzw. um Partizipation zu erlauben, andererseits habt ihr damit auch einer interessierten Öffentlichkeit einen sehr tiefen Einblick gewährt. Wie war da eure Erfahrung damit? Ich erinnere mich, dass es ziemlich zu Beginn auch kritische Stimmen gab, hab das aber nicht rekonstruieren können.

AGP: Ja – es gab anfangs Bedenken, ob der Livestream ein geeignetes Mittel ist. Es gibt gute Argumente, die für den Livestream sprechen – und natürlich auch dagegen. Dafür spricht, dass Leute, die – wie schon erwähnt – nicht am Plenum teilnehmen können, auch an dem Prozess teilhaben können. Via Livestream und Chat konnten sie sich in den Diskussionsprozess mit einklinken und ihre Meinung kundtun. Wir haben dann auch den Livestream bei Kundgebungen verwendet, um von unserer Seite zu dokumentieren, dass viele Menschen an die Forderungen glauben und diese aktiv unterstützen.
Bedenken kamen von Studierenden, die sich zwar am Diskussionsprozess beteiligen, aber nicht via Livestream im Bild sein wollten. Der Nachteil an der vollständigen Transparenz war, dass auch das gelegentlich nicht gut besetzte Audi Max im Livestream zu sehen war und die Gegner der Proteste dann immer einen Rückgang der Unterstützung der Bewegung attestierten. Heute (16. April 2010) findet im Hörsaalzentrum C1 ein Plenum statt, das via Livestream übertragen wird.

CP: An der Stelle vielleicht mal ne komplett triviale Frage zur Umsetzung: Wie viele wart ihr eigentlich bei der Umsetzung der Tech-Infrastruktur? Und habt ihr das auch in AGs organisiert?

AGP: Hier war es die AG IT, die maßgeblich daran beteiligt war, sie haben die Homepage eingerichtet und verwaltet. Sie waren auch für die Betreuung der Social Medias in technischer Hinsicht verantwortlich. Wie viele in der AG waren, lässt sich schwer sagen, da sich manche auch spontan bereit erklärt haben zu helfen und nicht regelmäßig mit dabei waren. Ich schätze, dass im Kernteam zwischen fünf und acht Menschen waren und weitere fünf bei Bedarf mit dabei waren, aber kann es nicht mit Gewissheit sagen.

CP: Und noch eine Frage zur Selbstorganisation: Wie zentral war da die Rolle des Internets, um so viele basisdemokratische AGs zu koordinieren? Hätte das auch ohne funktioniert, oder täuscht der Eindruck, und waren es am Ende des Tages doch erst wieder die Plenas, die das alles ermöglicht haben?

AGP: Das Internet spielte schon eine zentrale Rolle: Zum Ersten war es die Funktion der Verbreitung von Informationen an die interessierte Öffentlichkeit; zum Zweiten auch zur Kommunikation mit den solidarisierenden Organisationen und Medien. Aus meiner Sicht hatte das Plenum diese von dir beschriebene Funktion nicht. Es gab in der ersten Phase bis zu 130 AGs, die sich aus mehr oder weniger Menschen zusammensetzten. Die Koordinierungsfunktion hatten eher die Leute der Plenumsvorbereitung, die die Inhalte der Plena besprachen und die Tagesordnung festlegten. In der Regel war immer mindestens einer von den größeren AGs in den Besprechungen der Plenumsvorbereitung dabei.

CP: Und Twitter? Ich hab eine Zeit lang bei #unsereuni und #unibrennt mitgelesen, für einen Außenstehenden war da aber unglaublich viel Noise. Täuscht der Eindruck, oder bin ich einfach zu weit weg, um mit der Informationsflut umzugehen?

AGP: Wir sind davon ausgegangen, dass Leute, die auf Twitter uns folgen, auch an den Informationen – was gerade im Audimax oder innerhalb der Bewegung sich tut oder welche Veranstaltung stattfinden wird – interessiert sind. Die hohe Informationsflut, wie du sie bezeichnest, zeigt, dass sich in der Bewegung viel getan hat und viele Aktivitäten passiert sind.

CP: Wenn ihr noch einmal ein paar Monate zurückspringen könntet, was würdet ihr in Bezug auf die technologische Unterstützung der Proteste anders machen? Was hingegen hat sich wirklich bewährt?

AGP: Aus meiner Sicht hat uns die Nutzung des Internets in jeder Form genützt und hat sich bewährt. Einzig die Frage, ob der Livestream 24 Stunden genutzt werden sollte, muss einem kritischen Nachdenkprozess unterworfen werden. Es stellt sich die Frage, ob ein nicht gefülltes Audimax nicht Wasser auf die Mühlen der Gegner ist. In den Medien waren die Bilder vom leeren Audimax immer zu finden.

CP: Wie nachhaltig ist die Informations-Infrastruktur, die ihr damals aufgezogen habt? Nutzt ihr sie nach wie vor? Und zu guter Letzt: Wie geht es weiter?

AGP: Ja, wir nutzen sie weiterhin und die Infrastruktur ist weiterhin erhalten und funktioniert. Die Strukturen haben sich beim Alternativen Gipfel bewährt. Wie es mit der Bewegung weitergeht, wird heute am Plenum besprochen. Es sind noch einige AGs voll aktiv, wir nehmen am Hochschulddialog teil und versuchen dort unsere Inhalte und Positionen in den politischen Diskurs einzubringen.


online seit 08.07.2010 10:00:53 (Printausgabe 50)
autorIn und feedback : Interview: Carlo Ponti


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/funktionieren/2021Schwerpunkt "Rettet Facebook die Welt?"
unsereuni.at



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