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Fiesta feminista: Das „KosmosTheater“ und der „dieStandard.at“ werden 10.

„Die Einsetzung eines FPÖ-Politikers als Frauenminister im Zuge von Schwarz-Blau. Die Einführung des Kindergeldes und seine frauenpolitischen Implikationen. Die immer mehr erstarkende Diskussion über die Fristenlösung in Österreich, die zuletzt im Sommer 2009 beim Geburtstagsempfang für „pro-woman“ im Wiener Rathaus eskalierte“. Dies sind laut „dieStandard.at“-Ressortleiterin Ina Freudenschuss die drei größten „schleichenden Aufreger“ seit der Gründung der feministischen Webpräsenz des „Standard“ mit dem „die“.

Happy Heureka

Im Jahr der politischen Wende in Österreich räumten Print-Frauen und Mitarbeiterinnen des „Online-Standard“ erneut mit der Mär auf, dass beim Schreiben über Menschen ohnehin immer beide Geschlechter mitgemeint seien. Und nutzten das noch junge Internet, um sich dem „Stein des Sisyphos“ in Gestalt eines Journalismus in Frauenhänden unbeirrt an die Fersen zu heften. Mit Erfolg. Denn wer kennt sie nicht: „Die Wochenplanerin“, die „Zitrone“ für sexistische Tiefpunkte in TV-Spots oder auf Plakaten und den auf Grund von diversen misogynen Stereotypisierungen seit Oktober `09 von der Redaktion ausgerufenen „forumfreien Dienstag“? (vgl. MALMOE 45) Allesamt bekannte Beispiele, warum „dieStandard.at“ weder einen kuschelweichen, noch öden Weblektüren-Start in den Tag verspricht. Denn Gründe, sich über die Lücke Frau als gleichberechtigtes „zoon politikon“ im patriarchalen System aufzuregen gibt es, wie auch die „weibliche Blogosphäre“ immer wieder beweist, genug. „Es wird fast nur noch über die gesellschaftliche Integration von Frauen gesprochen, aber kaum noch über feministische Utopien und Symphatisanten. Die Frage „Wie will ich eigentlich leben?“ ist total in den Hintergrund geraten.“, so Freudenschuss.

WWW weiblich

Die positiven Nebeneffekte von Gender-Networking sind nur eine von mehreren Errungenschaften und Neuerungen, die wir dem weiblichen WWW zu verdanken haben. Dass Frauen über Feminismus und Männer über „richtige Themen“ schreiben, wie Redakteurinnen der „Unique“, der Zeitschrift der ÖH Uni Wien, in einem Protokoll festhalten, ist wiederum kein Motto, auf das Frauen, die publizistisch interessiert sind, ganz allgemein abonniert oder abgestempelt werden wollen. Denn kein Mensch ist eine Insel. Möge das runde Jubiläum von „dieStandard.at“ – geplant sind sowohl eine Sonderbeilage für die Printausgabe des Standard, als auch ein für den internationalen Frauentag geplantes Fest - an allen Orten zur besseren Vernetzung und Verständigung über so genannte „Frauenthemen“ beitragen. „Feminism is not a dirty word. It does not mean you hate men, it does not mean you hate girls that have nice legs and a tan, and it does not mean you are a ‘bitch’ or ‘dyke’. It means you believe in equality." (Kate Nash via Frl. Zucker).

KunstKosmos

Feiern tut von 8.3.-13.3.2010 auch das „KosmosTheater“ im 7. Wiener Gemeindebezirk. Jener zu Beginn hart umkämpfte Frauenraum, in dem Elfriede Jelinek vor zehn Jahren die Eröffnungsrede hielt – „[...] ja, das Flechten und das Weben, das ham sie uns gegeben. Das Schreiben und das Lesen ist stets der Männer Fach gewesen. [...]“ – ist im Laufe der Zeit zu einem Fixpunkt für Künstlerinnen nicht nur der darstellenden Zunft geworden. Am Samstag, den 13.3., bei der viel versprechenden „Langen Nacht der Künstlerinnen“ geben sich im „Kosmos“ nicht nur interessante Musikerinnen wie Anna Steiden („laminadyz“) oder die Autorin Nadja Bucher die Klinke in die Hand. Auch Elfriede Hammerl und drei Frauenministerinnen a.D. werden neben zahlreichen Performerinnen zu „artist talks“, Kunstaktionen und Lesungen gebeten. Außerdem mit im Festival-Programm: eine Buchpräsentation und ein Film zum „Theater mit dem Gender“, Workshopreihen und Podiumsdiskussionen. Der Eintritt ist frei.




10 Jahre KosmosTheater
Dreitägiges Symposium 10. bis 12. März 2010


Mittwoch 10. März 2010
Thema: Ressourcen, Raum und Öffentlichkeit für Frauen
15:00, Workshop: Er befasst sich mit der Stellung von Frauen, mit Feminismus und Genderfragen in Kunst und Kultur. Ausgehend von empirischen Befunden - z. B. Verteilung von Fördermitteln nach Geschlecht, Führungspositionen von Frauen - und der Entwicklung dieser Kennzahlen in den letzten 10 Jahren sollen Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation diskutiert werden, inklusive Klärung grundlegender Fragen zu den eigenen Interessen und Positionen.
20:00, Podiumsdiskussion mit drei Frauenministerinnen a.D.: Johanna Dohnal, Helga Konrad, Barbara Prammer (Nationalratspräsidentin) sowie Elfriede Hammerl (Autorin). Moderation: Monika Mokre (Politikwissenschafterin).

Donnerstag 11. März 2010
Thema: Gewalt und Sexismus in der Kunst
15:00, Workshop: Gewalt kann sexistischen Ursprung haben, wenn die Kategorie des Geschlechts bzw. spezifische Machtverhältnisse die Grundlagen für die Anwendung und Akzeptanz von Gewalt bilden. Der Workshop will sowohl die (affirmative oder kritische) Darstellung von Gewalt in den performativen Künsten als auch ihre Wirkung auf DarstellerInnen und ZuschauerInnen thematisieren.
20:00, Podiumsdiskussion mit Gabriele Heinisch-Hosek (Frauenministerin), Annie Sprinkle (Performerin), Marlene Streeruwitz (Autorin) und anderen. Moderation: Tasos Zembylas (Philosoph).

Freitag 12. März 2010
Thema: Kunst und Geschlechtersymmetrie
15:00, Workshop: Auch auf der Bühne besteht keine Symmetrie der Geschlechter. Es gibt in der dramatischen Literatur mehr Männer- als Frauenrollen. Die Figuren affirmieren fast ausnahmslos die traditionellen Geschlechterrollen, speziell innerhalb hoch subventionierter Genres wie beispielsweise Musiktheater. Dabei würde sich die „moralische Anstalt“ besonders für gendersensible künstlerische Arbeit eignen. Die BMUKK-Studie zur sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler hat 2008 festgestellt, dass sich künstlerische Arbeit in Vielem von anderen Bereichen unterscheidet – nicht aber in der beruflichen und finanziellen Benachteiligung von Frauen. Gerade in der Kunst, die eine gesellschaftliche VorreiterInnenrolle einnimmt, sollte eine wirksame Gegensteuerung möglich sein. Kulturpolitische Maßnahmen könnten viel bewirken.
20:00, Podiumsdiskussion mit Andrea Ecker (Leiterin der Kunstsektion/BMUKK), Stefania Pitscheider Soraperra (Frauenmuseum Hittisau), Alexandra Weiss (Politikwissenschafterin), FIFTITU% und anderen. Moderation: Juliane Alton (Kulturarbeiterin).

Alle Infos von der KosmosTheater Homepage. Achtung: teilweise beschränkte TeilnehmerInnenzahl!




online seit 08.03.2010 16:37:38 (Printausgabe 49)
autorIn und feedback : Eva Morocutti


Links zum Artikel:
diestandard.at
www.kosmostheater.at



Die Krise des Buchs ist ein Mythos

Interview mit Paula Bolyos und Jenny Unger zur feministischen Buchhandlung „ChickLit“, die Anfang 2012 im ersten Gemeindebezirk eröffnen wird.
[31.01.2012,Gudrun Rath und Markus Griesser]


There’s another way

Mark Fisher untersucht Alternativen gegen Alternativlosigkeit
[15.12.2011,Pascal Jurt]


Die verkehrten Fotografien

Folge I des neuen MALMOE-Mikrokrimis, ab jetzt in jeder Ausgabe.
[06.12.2011,Andi Pavlic]


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