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  Tierra Y Libertad

Der Kampf für Sozial- und Arbeitsrechte am Beispiel der SOC.

Die Gewerkschaft SOC (Syndicato dos Obreras/os del campo) stellt eine der wenigen progressiven Kräfte in der Region um Almeria dar. Sie wurde vor fast 30 Jahren gegründet, kurz nach Francos Tod, ausgehend von den Erfahrungen, die während des Regimes in den illegalen "comisiones jornaleras" – TagelöhnerInnenkommissionen – gesammelt wurden. Das SOC-Programm lässt sich mit der einfachen Forderung "Land und Freiheit – Tierra y Libertad" zusammenfassen.
Bekannt wurde die SOC in den späten 1970er Jahren durch Aktionen wie Landbesetzungen, "Hungerstreiks gegen den Hunger" (an denen manchmal bis zu tausend Leuten teilnahmen), Sternmärsche, Streiks und Straßensperren, die alle darauf ausgerichtet waren, der Forderung nach einer umfassenden Bodenreform Nachdruck zu verleihen. Auf einigen der in den 1970er und 1980er Jahren besetzten Latifundien sind mittlerweile Kooperativen der LandarbeiterInnen entstanden.

Im Jahr 2000 nahm die SOC auch in der Provinz Almeria ihre Aktivitäten auf, mit dem Ziel, den Kampf der ArbeitsmigrantInnen in den Gewächshäusern zu unterstützen. Unmittelbar nach den Ausschreitungen traten die LandarbeiterInnen in einen unbefristeten Generalstreik, der die Produktion für einige Tage lahm legte. So gelang es ihnen, UnternehmensvertreterInnen und die lokalen Behörden an den Verhandlungstisch und zur Unterzeichnung eines Abkommens zu bringen, in dem die meisten ihrer Forderungen enthalten waren. Dieses Abkommen wurde aber nie umgesetzt, und insofern müssen die Gewaltausbrüche in El Ejido rückblickend als Sieg der rassistischsten und reaktionärsten Kräfte in der Provinz betrachtet werden.

Segmentierung des Arbeitsmarktes

Kurz vor den Unruhen waren VertreterInnen der ArbeitgeberInnen nach Litauen und in andere baltische Staaten gereist, um dort ArbeiterInnen anzuwerben, die die marokkanischen "Unruhestifter" ersetzen sollten. Offene Feindseligkeit und Rassismus bilden ein wichtiges Element im Rezept, mit dem die MarokkanerInnen dazu gebracht werden sollten, die Provinz zu verlassen. Das ist auch in der Landwirtschaft keine neue Taktik. Bereits im 19. Jahrhundert kam das gleiche Schema auf den Obst- und Gemüseplantagen Kaliforniens zur Anwendung. Jean-Pierre Berlan, Forscher am Institut für Agronomie in Paris (INRA - Institut National de la Recherche Agronomique), hat die Geschichte des "Kalifornischen Modells" untersucht, das der aktuellen Situation in Almeria so stark ähnelt: "Es ist wichtig zu verstehen", insistiert er, "dass Rassismus eine essenzielle Rolle in diesem Schema spielt. Denn der Arbeitsmarkt muss mittels verschiedener Methoden – einschließlich der des Rassismus – segmentiert werden."
Seit 2002 hat sich das Phänomen der "ethnischen Ablöse" verstärkt; außerdem ist eine geschlechtsspezifische Segmentierung zu erkennen. Angeworben werden – vor allem für die Erdbeerernte – Frauen aus Osteuropa.

Gewerkschaftliche (Selbst-)organisation

Die SOC beschäftigt 2 Gewerkschaftsvertreter in Almeria, einer von ihnen migrierte aus Marokko nach Spanien, der anderen aus dem Senegal. Beide kennen die Situation vor Ort genau und aus eigener Erfahrung, da sie selbst mehrere Jahre in den Treibhäusern gearbeitet haben. Sie unterstützen die TagelöhnerInnen bei Verstößen gegen die kollektivvertraglichen Bestimmungen, bei Problemen in Bezug auf mangelhafte Unterkünfte, bei Überschreitung der Arbeitszeiten, bei Krankheiten und gesundheitlichen Langzeitschäden als Folge vom Umgang mit Pestiziden, sowie beim Einreichen von Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen. Darüber hinaus hat die SOC eine Reihe von gewalttätigen Übergriffen auf MigrantInnen zur Anzeige gebracht und die Opfer dabei unterstützt, Klage vor Gericht einzubringen.

Die SOC ist die einzige Gewerkschaft, die sich ernsthaft für die TagelöhnerInnen in der Provinz Almeria einsetzt und die strukturellen Ursachen, die mit diesem System hyper-intensiver Landwirtschaft einhergehen, auch öffentlich zur Sprache bringt. Sie erhält kaum finanzielle Unterstützung von der Regierung, anders als die großen gewerkschaftlichen Dachverbände, die nie aktiv für die Verteidigung der ArbeitsmigrantInnen in der Region eingetreten sind.

Was tun?

Trotz all dieser Schwierigkeiten hat sich die SOC vorgenommen, ihre Aktivitäten in der Region auszubauen. Dafür muss die Gewerkschaft ihre Präsenz im unmittelbaren Lebensumfeld der MigrantInnen verstärken. Aus diesem Grund wurde beschlossen, 3 Gewerkschaftslokale einzurichten, und zwar in den Orten Campohermoso, Roquetas de Mar und El Ejido. Diese sollen den Menschen nicht nur den Zugang zum gewerkschaftlichen Informations- und Beratungsangebot erleichtern, sondern ihnen auch als Versammlungs- und Begegnungsorte dienen, wo sie Erfahrungen austauschen und Kampagnen zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen vorbereiten können.

Die SOC beabsichtigt die entsprechenden Immobilien zu kaufen. Diese zu mieten ist unrealistisch, da in einer von Einschüchterungen und Repression geprägten Atmosphäre kein/e EigentümerIn zu finden ist, die/der bereit wäre, die SOC als Mieterin zu akzeptieren. Das EBF hat beschlossen, einen Appell in verschiedenen europäischen Ländern zu verbreiten, in dem Gewerkschaften, progressive Initiativen und Individuen dazu aufgerufen werden, dieses Projekt zu unterstützen. Solidarität sollte jedoch nicht nur in Form von finanzieller Unterstützung geübt werden. Ebenso wichtig ist es, langfristige freundschaftliche Beziehungen mit der SOC zu knüpfen, nach Almeria zu fahren und sich bereit zu halten, im Fall von Repressionsversuchen und Drohungen gegen SOC-GewerkschafterInnen oder ArbeiterInnen rasch zu intervenieren.






online seit 07.08.2005 21:57:20 (Printausgabe 27)
autorIn und feedback : N. Bell, S. Brodal, D. Behr, K. Hahn


Links zum Artikel:
no-racism.net/article/1527/



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