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  In einer Wehrmachtsausstellung

Jenseits von Luftballons und weißen Tauben: Wie die Vermittlung von Geschichte wirklich funktionieren kann.

DAS KUNSTVERMITTLUNGSBÜRO trafo.K hatte im Jahr 2002 von der Akademie der bildenden Künste Wien den Auftrag zur Konzeption und Durchführung eines Begleit- und Vermittlungsprogramms für die überarbeitete Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen eines Vernichtungskrieges 1941 - 1944" erhalten. Das Buch "In einer Wehrmachtsausstellung. Erfahrungen mit Geschichtsvermittlung" ist die Dokumentation dieser Arbeit und entwickelt die Frage nach dem Politischen am Gedenken entlang zweier thematischer Schwerpunkte: Einerseits befassen sich vor diesem Hintergrund eine Reihe von interessanten und gut lesbaren Beiträgen mit den Möglichkeiten und Formen der Vermittlung von Geschichte. Andererseits wird die Aufmerksamkeit der LeserInnen auf den spezifisch österreichischen Umgang mit der NS-Vergangenheit, auf Revisionismus, Antisemitismus und Holocaustleugnung gelenkt und klargemacht, dass diese Haltungen unmittelbar in der Gegenwart zu verorten sind. Ein Faktum, das auch der mit großer Heftigkeit geführte Streit rund um die 2 "Wehrmachtsausstellungen" bewies. Sie mutierten zum umkämpften Knotenpunkt in der Auseinandersetzung um die "richtige" Interpretation von Geschichte und wurden daher mit einem über sie weit hinausgehenden Themenfeld assoziiert (siehe auch MALMOE 20).

DIE SCHWIERIGKEITEN und Möglichkeiten einer Geschichtsvermittlung, die über die altbekannten und entpolitisierenden Muster der "Betroffenheitspädagogik" hinausgeht und dem politischen Aspekt des Themas gerecht wird, thematisiert ein einleitender Beitrag von Nora Sternfeld und Charlotte Martinz-Turek. Die beiden formulieren demgegenüber ihren Anspruch: "Ziel des Vermittlungsprogramms war es in erster Linie, eine Form der Auseinandersetzung mit den historischen Fakten zu ermöglichen, die weder nach Betroffenheit heischen, noch eine kalmierende 'Versöhnung' mit der Vergangenheit herstellen wollte." Die aus diesem Postulat resultierende Vermittlungsmethode ist wohldurchdacht und ermöglichte es den zumeist jugendlichen TeilnehmerInnen des Vermittlungsprogramms, "historische Fakten nachzuvollziehen und Fragen an die Quellen und ihre jeweiligen Deutungen zu stellen". Ausgehend vom Geschichtebuch der SchülerInnen wurden die dort erwähnten historischen Fakten sowie die dort auftretenden Lücken zum Thema gemacht und aufgezeigt, dass Geschichtsschreibung immer auch einen "Kampf um Deutungsmacht (darstellt), der jeweils in der Gegenwart stattfindet". Die Jugendlichen wurden dazu angehalten, in selbständiger Arbeit ein Ergänzungsblatt für eben dieses Geschichtebuch zu erstellen, auf dem sie das für sie in der Ausstellung Bedeutsame einbringen konnten. Dieses Vorgehen ermöglichte es also obendrein, die Jugendlichen mit ihrer je eigenen politischen Positioniertheit im Feld der Geschichtsschreibung zu konfrontieren.

WIE EIN ROTER FADEN durchzieht den Sammelband also die gerade heute in Österreich wieder unverzichtbare Frage nach der Politikhaltigkeit von Geschichtskonstruktion. Das Anerkennen der Tatsache, dass Geschichtsschreibung und Geschichtsinterpretation immer schon das Territorium aktueller politischer Auseinandersetzungen sind, erlaubt einen anderen Blick auf den Umgang mit sowie die Vermittlung von Geschichte. Eine (eigentlich ohnehin nicht mehr ganz unbekannte) Perspektive, die der vorliegende Band bravourös und mit großem Erkenntnisgewinn für das Lesepublikum einnimmt.

Büro trafo.K (Höllwart, Renate; Martinz-Turek, Charlotte; Sternfeld, Nora) & Pollak, Alexander (Hg.): In einer Wehrmachtsausstellung. Erfahrungen mit Geschichtsvermittlung. Turia & Kant Wien 2003



online seit 15.07.2004 11:17:45 (Printausgabe 21)
autorIn und feedback : Sylvia Riedmann




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