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Noch mehr Bock "Bock auf Kultur": Mit Konzerten, Lesungen, Filmen und Kabarett soll das Projekt von Ute Bock unterstützt werden, die privat mehrere Wohngemeinschaften für afrikanische Asylwerber betreibt. MALMOE: Schon oft hat sich bei solchen Aktionen die Befürchtung bewahrheitet, dass die politische Aussage dem „guten Zweck" Platz machen muss. Wie wird das bei „Bock auf Kultur" vermieden? Philipp Sonderegger: Wir haben versucht, im zentralen Slogen „Weil die Behörden nichts tun, müssen wir Bier trinken“ darauf hinzuweisen, dass der Staat die Versorgung der AsylwerberInnen gewährleisten muss. Die BiertrinkerInnen springen lediglich ein, weil Strasser seinen Job nicht macht. Mit dieser Aussage konnten wir durchaus weit in die Mainstream-Medien gelangen. Signalisiert wird, dass Ute-Bock-Bier-Trinkende gleichzeitig ein Statement zu Strassers Versagen abgeben. Problematisch finden wir aber vor allem die Zuspitzung auf die nette, ältere, selbstlose Dame „Frau Bock“. MALMOE: Strasser hat ja auch in Bezug auf den Tod von Seibani Wague ein eigenartiges Verständnis „seines Jobs“ an den Tag gelegt. Wird das Thema, dass Polizeigewalt in Österreich eine lebensbedrohliche Gefahr für AsylwerberInnen ist, von eurer Initiative bewusst gemieden? Philipp Sonderegger: Ja. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es Sinn macht, unter verschiedenen Labels zu agieren. Und ein eingeführtes Label ohne Wehmut auch wieder zu lassen, wenn es nicht mehr funktioniert. Das „Bock auf Bier“-Team besteht ja aus Leuten, die auch in anderen Strukturen in dieselben Bretter bohren. Ziel dieser speziellen Kampagne ist die Geldbeschaffung. Der wichtigste Punkt ist aber, den diskursiven Boden für die kommenden Konflikte aufzubereiten, wenn die Asylschiene durch das neue Asylgesetz verstopft wird. All die Leute, die jetzt als AsylwerberInnen wenigstens gewisse Rechte genießen, werden in einem Maße illegalisiert und kriminalisiert werden, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. MALMOE: Kann ein Asylregime mit dichten Grenzen und Abschiebungen je "menschenwürdig" sein, wie ihr das fordert? Philipp Sonderegger: Wir fordern nicht dichte Grenzen. Wir fordern eine menschenwürdige Versorgung aller Flüchtlinge. Das ist eine systemimmanente Kritik, schon klar, die geht nicht über den Katalog von UNHCR oder Oberster Gerichtshof hinaus. Die eigentliche Frage lautet wohl, ob es sich lohnt, sich mit einem menschenwürdigen Asylsystem aufzuhalten, statt gleich für offene Grenzen einzutreten. Da lautet die Antwort: ja. Solange das Recht auf Bewegungsfreiheit nicht verwirklicht ist, muss das Asylrecht gegen Angriffe verteidigt werden. Da geht’s ja nicht um irgendwelche Planspiele, sondern um echte Menschen, die real bedroht sind. Da finde ich es ganz schlecht, eines gegen das andere auszuspielen. MALMOE: Die Liste der Mitwirkenden (und SponsorInnen) bei "Bock auf Kultur" ist lang und bunt – nach welchen Kriterien werden sie ausgesucht? Philipp Sonderegger: Wir arbeiten netzwerkartig, wer irgendwohin einen Zugang hatte, hat eben gefragt. Das ist dann zu einem Selbstläufer geworden. Viele haben sich selbst gemeldet, dass sie mitmachen wollen. Zum Teil haben sich Lokale und KünstlerInnen zusammengetan und sich dann gemeldet, wir haben oft nur den Anstoß gegegeben. Mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen kann das auch gar nicht anders gemacht werden. online seit 26.09.2003 20:38:30 (Printausgabe 15) autorIn und feedback : widersprechen Links zum Artikel:
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