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Die Kunst der Globalisierungskritik Als follow up zur Wiener Transversal-Konferenz untersucht nun ein Sammelband die Schnittstellen von Kunst, politischem Aktivismus und Theorieproduktion. “TRANSVERSAL zieht eine Linie, die das gewohnte, gut geordnete Verhältnis von Kunst und Politik aufbricht”, verspricht der Cover-Text, eines von Gerald Raunig herausgegebenen Sammelbandes (“Transversal – Kunst und Globalisierungskritik”, Turia&Kant). Dieser (Auf)Bruch vollzieht sich “in den Zusammenhängen der Proteste gegen die ökonomische Globalisierung” wo sich “neue Formen der Überlagerung von Kunstpraxen, politischem Aktivismus und Theorieproduktion” ereignen. Vorliegender Band folgt nun “den Spuren dieser temporären ‚Overlaps’” und trägt damit “zur Verortung und Kritik des Phänomens Globalisierung vor allem im kulturellen Feld und zu Fragen der Organisierung und Erprobung alternativer Organisationsformen” bei. Ein ebenso löbliches wie notwendiges Vorhaben, dem sich schon die vom Europäischen Instituts für progressive Kulturpolitik (eipcp) im Vorjahr in Wien im Rahmen von “Republicart” veranstaltete TRANSVERSAL-Konferenz verschrieben hat. Allen Bemühungen des eipcp zum Trotz kommt jedoch Lubomir Bratic, einer der Referenten der Konferenz und Beitragsautor des Buches, nicht umhin, in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift der Kulturplattform OÖ, die “glänzende” Abwesenheit der hiesigen Kultur- und Kunstszene im Prozess des Austrian Social Forums, also einem der zentralen Orte für die Bildung diverser “globalisierungskritischer” Allianzen, zu bemängeln. Die AktivistInnen des ASF selbst betonen wiederum stets die Notwendigkeit der Einbindung der “Kunst-Szene” in das Forum, nicht zur “Behübschung”, sondern, weil es wichtig wäre, “verschiedene Formen der Wirklichkeitsaneignung” im Prozess des Sozialforums miteinander in Beziehung zu setzen – scheitern dann aber ebenso regelmäßig wie kläglich an der Umsetzung dieses Vorhabens. Andererseits schien die Ausstrahlung der Wiener Transversal-Konferenz auf politische AktivistInnen ebenfalls sehr begrenzt. Ein “Graben”, den die Oberlehrer-Attitüde mancher TheoretikerInnen, wie auch die Intellektuellenfeindlichkeit diverser AktivistInnen bisher nicht unbedingt überbrücken wollte. Die Beziehung von Kunst und globalisierungskritischem Aktivismus – trotz diverser anderslautender Bekenntnisse also eine never ending story der Gesprächsverweigerung bis hin zur Sprachlosigkeit? Der vorliegende Sammelband wäre zumindest ein möglicher Ansatz für die Herausbildung diverser Schnittstellen, als Voraussetzung für die theoretische wie praktische “Durchkreuzung” z.B. des Sozialforen-Prozesses durch sich üblicherweise auf dem Kunstfeld tummelnde Intellektuelle und ProduzentInnen. Eine schöne theoretische Beschreibung eines der Grundgedanken der Sozialforen liefert etwa der Eingangsbeitrag Gerald Raunigs: “In Absetzung von der hermetischen Autonomie von ElfenbeinturmkünstlerInnen und Paradeintellektuellen entsteht erst durch die Verknüpfung oder Überlagerung spezifischer Kompetenzen Transversalität. Dieses Modell hat vor allem den Vorzug, dass transversale Subjektivierungsweisen sich auch über die Stellung der Intellektuellen hinausdenken lassen: Intellektuelle haben keine Monopolfunktion mehr, die Welt zu erklären und sich für die Welt einzusetzen. Diese Funktionen diffundieren oder werden gar unbrauchbar in Zusammenhängen, in denen spezifische Kompetenzen in Kollektiven und a-zentrischen Netzwerken ineinander geschichtet werden.” Auch wenn der Autor den derzeit auch in Österreich forcierten Prozess der Herausbildung von Sozialforen in seinem Beitrag nirgends erwähnt, lässt sich obiges Zitat unter anderen als hilfreicher Kommentar zu einer der zentralen Debatten um die Kategorien “ExpertInnen”, “Betroffene”, “praktische und theoretische ExpertInnen” etc. auf dem jüngsten Vorbereitungstreffen zum Austrian Social Forum lesen. Seltsam dagegen, dass ausgerechnet der Schlussbeitrag dieses Bandes, Oliver Marcharts “Der durchkreuzte Ort der Partei”, nicht nur kaum etwas mit der realen globalisierungskritischen Bewegung zu tun hat (haben will?), sondern auch weit hinter den aktuellen Diskussions- und Erkenntnisstand der AktivistInnen zurückfällt – so etwa die Aufforderung an die Bewegung, sie möge doch Druck ausüben auf ÖGB, SPÖ und Grüne und diese an ihre “eigentlichen Aufgaben” erinnern. Kompetent und anregend reflektieren dagegen die Beiträge von Rubia Salgado, Boris Buden, Andreas Görg, Lubomir Bratic und Tina Leisch spezifische Aspekte aktueller politischer Praxis und die eingangs angesprochenen “Überlagerungen” mit Kunstpraxen und Theorieproduktion, andere AutorInnen präsentieren und reflektieren Projekte wie “VolxTheaterKarawane, “kein mensch ist illegal”, “Deportation Class” etc. Einen der interessantesten Versuche in diesem Feld präsentiert Luzemir Caixeta: Das Linzer Migrantinnen-Projekt MAIZ experimentiert in ihrer “‚Praxis-Theorie-Praxis’ zwischen Sozial- und Kulturbereich schon seit langem mit einer gewissen ‚Transversalität’”. Caixeta reflektiert in ihrem Beitrag “Möglichkeiten, aber auch Risiken, Ambiguitäten, Konflikte und oft Überforderung”, die aus dieser einer so angelegten Strategie migrantischer Selbstorganisation resultieren. An- und aufregend wird die Lektüre des vorliegenden Sammelbandes zweifellos auch für AktivistInnen und TheoretikerInnen aus dem Kunstfeld sein, noch spannendere Einsichten/Missverständnisse/Kritik könnte jedoch die Rezeption der Texte im Feld der politischen AktivistInnen generieren – von wegen Überlappungen … (Die nächste Gelegenheit zur “ineinander Schichtung” diverser spezifischer Kompetenzen ergäbe sich am 29. März in Graz anlässlich des 3. offenen Vorbereitungstreffens zum Austrian Social Forum.) online seit 24.03.2003 16:32:28 (Printausgabe 12) autorIn und feedback : Günther Hopfgartner Links zum Artikel:
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