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klartext Wider die Externalisierung MALMOE sprach mit Renate Höllwart über die Vermittlung der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944“ Ein Aufruf zur Gegendemonstration gegen den Nazi-Aufmarsch vom 13.April lautete: "Unsere Grossväter waren Verbrecher". Sagen Sie das bei Ihren Führungen auch? Wir sagen, dass die Wehrmacht im NS Vernichtungskrieg das Verbrechen institutionalisiert hat und tragendes Organ eines Krieges war, der als rassistisch motivierter Zerstörungs- und Vernichtungskrieg konzipiert und ausgeführt wurde. Das bedeutet nicht, dass alle ihre Angehörigen Verbrecher waren, aber dass Soldaten der Wehrmacht an Verbrechen beteiligt waren. Wir vermitteln, dass die Ausstellung “Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" Ergebnisse historischer Arbeit und historische Fakten zeigt und kein Gerichtsverfahren ist. Wir wollen die BesucherInnen bei der Konfrontation mit den Verbrechen der Wehrmacht in der Ausstellung begleiten. Unser Ziel ist eine klare Auseinandersetzung mit den historischen Fakten und nicht eine Versöhnung mit der Vergangenheit. Dabei wollen wir das Thema als eines behandeln, das in der Gegenwart eine Rolle spielt. Was ist mit jungen AustellungsbesucherInnen, deren (Gross-)Eltern-Generation nach Österreich migriert ist - gibt es hier ein spezifisches Konzept? Begreifen sich diese Kids als Teil einer postfaschistischen Gesellschaft, wollen Sie das denn? Wir haben bewusst keine Konzepte gemacht, die sich nur an MigrantInnen richten. Überlegungen in diesem Zusammenhang sind selbstverständlich in die Konzeption unserer Angebote für Schulklassen eingegangen, zumal wir uns besonders an Hauptschulen, Berufsschulen und polytechnische Lehrgänge wenden. Die provozierend formulierte Aussage von Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund: “Adolf Hitler ist Euer Problem, nicht unseres" hat natürlich ihre Berechtigung, insofern es für MigrantInnen ja nicht um eine Auseinandersetzung mit der Täterschaft der eigenen Großeltern geht. Die Beschäftigung mit einer rassistischen österreichischen Tradition ist jedoch für ihre Gegenwart in Österreich ein durchaus relevantes Thema. Wie ist Ihre Vorgangsweise mit den SchülerInnen? Die Vermittlungsangebote stellen Anknüpfungspunkte zwischen den Themen der Ausstellung und den Erfahrungs- und Interessenshorizonten der SchülerInnen her. Das Wissen und die Bilder, die Kinder und Jugendliche beim Besuch der Ausstellung mitbringen und die durch den Unterricht, die Medien, aber auch durch die Vermittlung von Eltern und Großeltern geprägt sind, sind Ausgangspunkt für die Einstiegsgespräche beim Ausstellungsbesuch. In diesem Sinn wurden die Vermittlungskonzepte auf die österreichische Geschichtsrezeption, die regionale Geschichte und ihre Vermittlung etwa in der Schule oder im Fernsehen abgestimmt. Um eine aktive Teilnahme zu gewährleisten, finden die Programme in Kleingruppen von maximal 15 Personen statt und werden in ihrer Vorgangsweise und ihrem Inhalt der Altersstufe und dem Niveau der SchülerInnen angepasst. Die Vermittlungsaktionen für die Oberstufe reflektieren, wie die Wehrmacht in den Schulbüchern der SchülerInnen dargestellt wird. Im Rahmen des Ausstellungsbesuchs konzipieren die SchülerInnen anhand der vorhandenen Quellen und Informationen ein Ergänzungsblatt für ihr Schulbuch. Mit den jüngeren SchülerInnen der 3. und 4. Schulstufe verschiedener Schultypen diskutieren wir die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema der Ausstellung und begleiten sie bei einer Annäherung an die historischen Quellen. Bei Anmeldung stellen wir eine Textsammlung zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs im Unterricht zur Verfügung. Die Ausstellung bezieht sich nicht speziell auf Österreich. Wie gehen Sie damit um? Untersuchungen über die Darstellung der Wehrmacht in österreichischen Schulbüchern zeigen, dass im Geschichtsunterricht Österreich immer noch häufig als ein Opfer des Nationalsozialismus und die Wehrmacht als eine rein deutsche Institution dargestellt wird. Die Gefahr dieser "Externalisierung" ist natürlich bei einer Ausstellung, die sich in ihrer Konzeption vor allem an Deutsche richtet, gegeben. Wir möchten deshalb in allen Vermittlungsangeboten auf die Rolle von österreichischen Generälen (etwa General Böhme) und von österreichsichen Soldaten in diesem Vernichtungskrieg und speziell auf die österreichische Geschichtsrezeption in der Nachkriegszeit eingehen. Welche Vermittlungsangebote wird es geben? Das Büro trafo.K bietet neben den Vermittlungsangeboten für Jugendliche zwei öffentliche Führungen und zwei thematische Rundgänge pro Woche an Die Führungen geben einen allgemeinen Überblick über die Inhalte der Ausstellung. Sie richten sich an EinzelbesucherInnen, können aber nach Vereinbarung auch für Gruppen organisiert werden. Die thematischen Rundgänge mit WissenschaftlerInnen und ExpertInnen finden jeden Samstag und Sonntag um 14.00 Uhr statt. Zusätzlich zu dem Symposium, das am Uni Campus eine studentische und wissenschaftliche Öffentlichkeit anspricht, wollen wir uns mit diesem Programmpunkt an das Ausstellungspublikum wenden. Wichtig war uns dabei das Thema der Ausstellung von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Die thematischen Rundgänge sind Gespräche zwischen einem Moderator, einer Moderatorin aus dem Vermittlungsteam, den geladenen ExpertInnen und dem Publikum. Sie gehen gemeinsam durch die Ausstellung und nehmen sich ausgewählte Inhalte und Quellen zum Anlaß für thematische Überlegungen. Die Bandbreite der Themen reicht von völkerrechtlichen, militärhistorischen und ethischen Fragen über Geschichtspolitik und Psychoanalyse bis zu medialen und politischen Kontexten. Was ist eigentlich trafo.K? Das Büro trafo.K ist ein Büro für Vermittlung in Museen und Ausstellungen. In den letzten 3 Jahren haben wir in vielen Institutionen und Ausstellungen u.a. in den Bereichen zeitgenössische Kunst, neue Medien und Zeitgeschichte gearbeitet. Vermittlung wie wir sie verstehen, ist Diskussion und Konfrontation und keine Harmonisierung zwischen BesucherInnen und Ausstellungen. Kontakt: (01) 4277 41241 online seit 14.04.2002 22:38:00 (Printausgabe 4/2002) autorIn und feedback : widersprechen Links zum Artikel:
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