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  Was wurde eigentlich aus...?

Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 2: Sans Papiers



Während MALMOE seinen 50er feiert, jubelt der französische Innenminister Eric Besson über andere Zahlen: 29.288 Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere sind 2009 abgeschoben worden, noch mehr als die 27.000, die Präsident Nicolas Sarkozy ihm als Ziel gesteckt hat. Unter der Ansage einer „gewählten Einwanderung“ demonstriert sich der französische Postkolonial- und Zentralstaat, räumt „inoffizielle Lager“ und Quartiere wie jenes in Calais, kontrolliert auf „Gesicht“, kriminalisiert Hilfe bei Einreise und Aufenthalt, schikaniert binationale Ehen und will, dass die Grenzschutzagentur Frontex Menschen schon auf Hoher See abfangen und zur Rückkehr zwingen darf. Befristete Aufenthaltstitel werden denen versprochen, die Schleuser oder Transporthelfer an die Behörden verraten, zumindest bis zum Prozess.

Das französische Recht auf legalen Status, automatisch nach zehn Jahren Aufenthalt, wurde bereits 2002 aufgehoben. Und dennoch haben 2009 rund 20.000 irreguläre MigrantInnen einen gültigen Aufenthaltsstatus … nein, nicht erhalten, sondern erkämpft (vgl. zuletzt etwa MALMOE #49). Denn die Mobilisierung von Sans-Papiers in Kollektiven und zahlreichen Allianzen ist ungebrochen. Mit prinzipiellem Protest im öffentlichen Raum, mit Besetzungen und Streik und pragmatischem Verhandeln mit lokalen BeamtInnen und PolizistInnen. Sans-Papiers besetzen Baustellen, bestreiken die Gastronomie, Gebäude-, und Reinigungsindustrie. Mal sind es 60, mal 600, mal 6000, wie im jüngsten Streik von ArbeiterInnen ohne Papiere. Mal haben sie die Unterstützung von Gewerkschaften, mal werden sie nach 2 1/2 Jahren Besetzung aus einem ihrer Gebäude vertrieben, und trotzdem macht wieder eine Gruppe weiter. Sans-Papiers arbeiten politisch, dort wo es öffentlich sichtbar wird und oft auch dort, wo es für die meisten unsichtbar bleibt. Sie verbinden den Einsatz für die konkrete direkte Lebensverbesserung Illegalisierter mit dem Engagement für ein Einbrechen des gegenwärtigen Migrations- und Arbeitsregimes. Mehr als eine quantitative Bilanz.

((kal))



online seit 07.06.2010 11:27:18 (Printausgabe 50)
autorIn und feedback : widersprechen




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