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„Der Diskurs wirkt stehen geblieben“ Queerograd verhandelt Homosexulität und Faschismus von 27.-29.5. Die Gruppe Queerograd lädt mit einem vielseitigen Programm, bestehend aus Vorträgen, Performance, Musik und Partys ins Brut (Konzerthaus) vom 27.05.-29.05. ein. Über ihre Motivation den Diskurs über einen Zusammenhang von (männlicher) Homosexualität und Faschismus zu versachlichen sprachen die Veranstalter – Casper G Zehner / Djane Teutonia + Thomas Jehle / Madame Snivlem – mit MALMOE: MALMOE: Was sind eure Beweggründe zu dieser Veranstaltung? Queerograd: Auslöser war mitunter der Schock auf die Reaktionen betreffend dem Ableben des Kärntner Landeshauptmanns. Die spannende Frage bei der Haider-Geschichte – vor allem um seinen Tod – ist ja das völlige ausblenden „seiner Homosexualität“ durch die breite, ihn gottgleich verehrende Kärntner „Volksmasse“ – einer „Volksmasse“, der ja gemeinhin Homophobie unterstellt wird. Vielleicht darf sich ein Führer/Volkstribun, der zwar „dem Volk zugewandt“, dennoch Angehöriger einer Elite ist, eine Schwulheit halboffiziell „leisten“? Das würde zumindest in der „griechisch-platonischen“ Tradition („das Gastmahl“) der misogynen Männerbünde stehen, die ja für die deutsche Ideologie prägend waren. Diese These ist auch bei Jonathan Littel in den „Wohlgesinnten“ zu finden. Queerograd versteht sich nicht als lesbisch-schwule Wellness-Oase, sondern versucht, unbequeme Fragestellungen in Bezug auf vorgeprägte schwullesbische Bilder zu stellen … M: Die Veranstaltung besteht ja aus Vorträgen, Diskussion, Performance und Musik. Wie setzten sich die verschiedenen Medien mit dem Thema auseinander? Welche Kriterien habt ihr bei der Zusammenstellung verfolgt? Q: Die Beiträge – sowohl die theoretischen als auch die performativen – umkreisen das Thema mal enger mal weiter. Auf der theoretischen Seite ist es sehr schwer, Leute zu finden, die etwas darüber machen wollen/können – der Diskurs wirkt stehen/stecken geblieben. Er gewinnt aber durch Phänomene wie Haider/Petzner, Kühnen, Fortuyn einerseits und schwule Fetischbilder (z.B. Uniformgeilheit in der Lederszene, Gayskins etc.) andererseits, wieder an Aktualität. Nun ist es ja so, dass es im bürgerlich-akademischen Mainstream inzwischen eher „unangebracht“ scheint, sich negativ in Bezug auf Homosexualität zu äußern (im Gegensatz zur Realität des Boulevard, des Mobs auf der „Straße“) und somit wird das Thema in diesen Kreisen tabuisiert und bewusst weggeschaut. Wir können diese Lücke in drei Tagen natürlich nicht schließen, aber zumindest auf diese Problematik hinweisen. Zu den Performances: toxic dreams Beitrag „Mein Camp“ und Djanes Teutonias Arbeit „Der mordtraurige Max“ (nach Jonathan Littells „die Wohlgesinnten“) sind Auftragswerke speziell für dieses Schwerpunktthema; wobei toxic dreams ihre Arbeit allgemeiner fassen und überhaupt (schwule) Männlichkeitskonstruktionen ins Blickfeld nehmen; Überschneidungen zwischen Djane Teutonias und toxics Arbeit gibt es via Jean Genet, dessen gewichtige und bisweilen protofaschistischen schwule Topoi in beiden Arbeiten auftauchen. Auf Rummelsnuff sind wir selbst gespannt. In einem Artikel der Jungle-World heißt es, er sende „widersprüchliche Morsesignale aus“ – also ein Testosteron-Viech in Kruppstahl-Ästhetik, das mit schmalzenden EBM-Hymnen auf Hans Albers macht und in Berlin gerne im schwulen Berghain Umfeld (Pet Shop Bears Parties) gebucht und beklatscht wird. Ein für uns wichtiger Beitrag ist auch der „Club Homohölle“, eine Sideshow als diskursive SM-Schmuddelecke; Sadomaso bedeutet hier keine körperliche, sondern eine „geistig“ quälende Praxis. Hier wird – etwa auf einem Sofa bei schummeriger Beleuchtung – peinlichste schwule Prosa und Poesie vorgetragen; teilweise in Liedform mit Gitarre. Peinlich meint hier vermeintliches homo-emanzipatorisch daherkommendes Textgut, welches ohne verkappte Rassismen, Exotismen, Sexismen, Frauenfeindlichkeit etc. anscheinend kein auskommen findet. Hier wird die Zielsetzung verfolgt, der „homophobste Queerclub“ der Stadt zu werden. M: Was hat es mit euren Namen „Queerograd“ auf sich? Q: Der Name bezieht sich auf unsere Gründung im Jahr 2004. Die ursprüngliche Intention war es, eine Soli-Reise, in Zusammenarbeit mit dem Homobitransreferat der ÖH Uni Wien, zur anvisierten queeren Beograd-Pride zu organisieren. Diese konnte jedoch aufgrund massiver Bedrohungen durch den klerikalen Fascho-Mob in Serbien nicht durchgeführt werden. Wir wollten aus Beograd eben Queerograd machen … online seit 27.05.2010 20:29:42 (Printausgabe 50) autorIn und feedback : Interview: Erk Schilder Links zum Artikel:
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