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Haft für Lebensretter?

18. Mai 09: Bild-Vortrag und anschließende Diskussion mit Elias Bierdel

Elias Bierdel hat 37 Flüchtlinge in Seenot aus dem Mittelmeer gerettet. Jetzt drohen ihm und seinem Kapitän Stefan Schmidt vier Jahre Haft wegen Schlepperei. "Auf See ist unser Rechtssystem außer Kraft gesetzt", sagte er vor einigen Monaten in einem MALMOE-Interview. Einige Tage vor dem entscheidenden Prozesstermin im sizilianischen Agrigento kommt Bierdel auf Einladung von SOS Mitmensch nach Wien. Er berichtet über die tödlichen Folgen der Abschottung Europas und seinen Kampf gegen die Kriminalisierung durch die italienische Justiz.

4 Jahre dauert nun schon der Prozess gegen Elias Bierdel und seinen Kapitän Stefan Schmidt, die 37 Schiffsbrüchige aus dem Mittelmeer gerettet haben. Einige Tage vor dem entscheidenden Prozesstermin im sizilianischen Agrigent informiert Elias Bierdel die österreichische Öffentlichkeit aus erster Hand über seinen Prozess und die tödlichen Folgen der Abschottung Europas. Am Montag, den 18. Mai 2009 spricht Bierdel ab 1930 Uhr im Albert Schweitzer Haus (Schwarzspanierstrasse 13, 1090 Wien) und zeigt Bilder von den Ereignissen, die zu seiner Anklage führten.

Staatsanwalt will 4 Jahre unbedingt

In ihrem Plädoyer am 22.4.2009 hat die Staatsanwaltschaft in Agrigento in einem dreistündigen Plädoyer 4 Jahre Haft und eine Strafe von jeweils 400.000 Euro für die Angeklagten Bierdel und Schmidt gefordert. Eine Summe, die klar auf die Zerstörung der existenziellen Grundlagen der Angeklagten gerichtet ist.

Elias Bierdel war der Leiter des Komitees Cap Anamur und damit verantwortlicher für die Aktionen des Schiffes, Stefan Schmidt war seinerzeit Kapitän der Cap Anamur. Der Erste Offizier des Schiffes, der ebenfalls der Beihilfe zur illegalen Einreise angeklagt wurde, soll laut Staatsanwaltschaft nicht schuldig sein, da er "mit dem Fall nicht als Verantwortlicher zu tun habe."

Schlepperei wegen öffentlichem Interesse?

Auffällig ist, dass sich die Staatsanwaltschaft überhaupt nicht auf den eigentlichen Anklagepunkt "Beihilfe zur illegalen Einreise im besonders schweren Fall" ausgelassen hat, sondern Bierdel und Schmidt nur vorwirft, sie haben die Flüchtlinge zu eigenen Werbezwecken des Komitees Cap Anamur so lange an Bord gelassen. Der Staatsanwalt spricht von "paternalistischer Form der Hilfe".

Verteidigung am Zug

Am 3. Juni ist nun die Verteidigung am Zug. Sie wird versuchen zu zeigen, dass die Vorgehensweise auf sachlichen Entscheidungsgrundlagen und unabhängig von der enormen Medienpräsenz erfolgte. Ein Urteil wird noch für denselben Tag erwartet.


online seit 15.05.2009 10:51:11
autorIn und feedback : widersprechen


Links zum Artikel:
www.proasyl.deUnterschriftenkampagne von Pro-Asyl zu dem Fall



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