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Innenperspektiven Wie subversiv ist eine Fachmesse? Im Rahmen von Linz 09 findet im Mai eine Messe für Gegenkultur und Widerstandstechnologie statt. Ein Interview-Frühstück mit zwei der OrganisatorInnen. Zunächst einmal zu den Fakten: Diese Messe wird es tatsächlich geben. Der nicht ganz abstruse Gedanke, dass es sich um ein Fake im Sinne einer Kommunikationsguerilla-Strategie handelt, was ich ganz charmant gefunden hätte, trifft nicht zu. Nach Auskunft des Messeteams wird es zumindest äußerlich strikt nach einer Messe aussehen: Ausstellungsort wird eine große Montagehalle im Linzer Industriehafen sein, und die AusstellerInnen können in den für solche Settings üblichen „Kojen“ ihre Ansätze zum Thema anpreisen. Die „Produkte“, die vorgeführt werden, zeigen eine große Bandbreite auf. Zum einen gibt es ganz alltagspraktische Ansätze wie beispielsweise eine „Guerilla-Tischlerei“ aus den USA, die nicht nur auf die Wohnungsnot aufmerksam machen will, sondern mit einer mobilen Werkstatt zumindest temporär Abhilfe schafft und dieses Wissen auch im Rahmen eines Workshops weitergeben möchte. Im Gegensatz hierzu geht es wahrscheinlich eher theorielastig beim Vortrag der autonomen a.f.r.i.k.a.-Gruppe zu, die im deutschsprachigen Raum durch das „Handbuch der Kommunikationsguerilla“ (1997) Bekanntheit erlangte. Ihr im Vorwort festgehaltener Anspruch war folgender: „Die Autorinnen haben die Nase voll von der Ausschließlichkeit furztrockenen Flugblattschreibens und dem (letztlich auch autonomen) Dogma, dass Linke bestenfalls über politisches Kabarett lachen dürfen, ansonsten aber zeigen müssen, dass sie das Leid und die Ungerechtigkeit der Welt auf ihren schmächtigen Schultern tragen (…) Darum erzählen wir auch viele Geschichten von Ereignissen, ohne sie genau auseinanderzufitzeln und zu theoretischem Trockengemüse zu verarbeiten.“ Mensch kann gespannt sein, ob dies in Linz immer noch so vertreten wird, oder ob es zu Modifikationen kam. Schon damals wurde die didaktische Herangehensweise des Handbuches scharf kritisiert. Der Autor Tilmann Baumgärtel gab beispielsweise zu bedenken: „So wie ein Witz nicht mehr lustig ist, wenn man ihn erklären muss, so sind auch die Strategien der so genannten Kommunikationsguerilla in dem Augenblick wertlos, in dem man sie mit deutscher Gründlichkeit auseinandergepfrimelt und noch dem letzten Trottel verklickert hat. Denn durch diesen akademischen Gestus wird genau das kaputt gemacht, was die hier beschriebene Suspendierung des alltäglichen Einerleis mal interessant gemacht hat: ihre Unvorhersehbarkeit und die offenen Situationen, die sie eigentlich provozieren soll.“ Doch zurück zur Messe: Dass eine Messe von ihrer Struktur her an sich nicht subversiv sein kann, wissen die VeranstalterInnen natürlich selbst – subversiv aber, da sind sie sich sicher, sind „die vielen AusstellerInnen“. Deshalb geht es ihnen in erster Linie darum, eine Plattform für verschiedene Ansätze und Gruppen zu schaffen. Dabei soll der Name „Subversiv-Messe“ schon eine „ironische Distanz erzeugen“, die helfen soll, „Debatten entstehen zu lassen, die sich auch gegen uns richten können“, Debatten, die auch schon vermehrt im Kunstkontext geführt werden, in Hinblick auf die Vereinnahmung von kritischen Projekten. Außerdem soll der Name auch darauf verweisen, „dass wir innerhalb des Systems (Kapitalismus) agieren.“ Frei nach Michel Foucault wird somit die Möglichkeit einer Außenperspektive verneint und gleichzeitig ein Begriff der Subversion befürwortet, der auch schon in den Schriften von Karl Marx zu finden sei: „Man muss das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen.“ Dieses Marx-Zitat könnte man auch auf heutige Aktionsformen anwenden, „wo es ein performatives Auftreten gibt.“ Inwiefern die Konzepte dann wirklich greifen werden und nicht auch zu didaktisch angelegt sind, ist abzuwarten, denn sie können erst Mitte Mai im Rahmen der tatsächlichen Messe beurteilt werden. Bis dahin weist uns der Leitspruch der Messe den Weg: „Geht es der Subversion gut, geht es uns allen gut“. online seit 30.03.2009 13:04:50 (Printausgabe 45) autorIn und feedback : Erk Schilder Links zum Artikel:
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Zerschlagene Erinnerungskultur Zur wiederholten Zerstörung des „Denkmals der Namen“ in Villach/Beljak [30.08.2010,Wendy Bachmann] Was wurde eigentlich aus...? Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 6: Plakatierverbot [22.08.2010,Karl Neumayer ] Was wurde eigentlich aus...? Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 8: Wiener Wahl Partie (WWP) [15.08.2010,Andreas Görg] die nächsten 3 Einträge ... |
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