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Die ganze große Verschwörung Barbara Rosenkranz vs. Gender Mainstreaming „MenschInnen. Gender Mainstreaming. Auf dem Weg zur geschlechtlosen Gesellschaft“ lautet der Titel des antifeministischen Erstlingswerks der ehemaligen Nationalratsabgeordneten Barbara Rosenkranz. Darin unterzieht sie nicht nur Größen der Gender-Theorie wie Judith Butler, Michel Foucault oder Frigga Haug einer rechten Lektüre, Interpretation und ideologischen Umdeutung. Darüber hinaus erkennt sie im Gender Mainstreaming ein Konzept, das durch seine Mächtigkeit und Wirksamkeit zu Kinderlosigkeit, Werteverfall und einer „beängstigenden“ Bedrohung für die abendländische Kultur führen werde. Die Gefahr, so deckt die langjährige FPÖ-Politikerin auf: die Veränderung des Menschen. Das eigentliche Ziel wäre nicht die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern vielmehr die Anerkennung unterschiedlicher Geschlechteridentitäten und die damit verbundenen (sexuellen) Lebenskonzepte. Dabei haben die „Chefideologen“ der Gender-Theorien sowohl die Universitäten als auch die EU schon unterwandert. Die Interessen der ExpertInnen und Frauenbeauftragten würden dabei jenen der „Mütter“ gegenüberstehen, und so kommt Rosenkranz zu dem Schluss, dass die eigentliche Motivation, Frauen nach der Geburt wieder zurück an den Arbeitsplatz zu bekommen, den „wahren Wünschen“ der Mütter widersprechen würde und vielmehr ein Audruck wirtschaftlicher Interessen wäre. „Mütter“, die zu geschlechtslosen Arbeitskräften werden sollen, sind also „Opfer“ der Wirtschaft und einer kinderlosen Elite, die Gender Mainstreaming, Feminismus und Marxismus als ihre bedeutenden BündnispartnerInnen schonungslos umsetzen wollen. So passt es auch gut in das Bild der zehnfachen Mutter, dass KritikerInnen von Gender Mainstreaming geradezu „verfolgt“ werden. Sie gehört damit zu den wenigen, die sich trauen, diese internationale Verschwörung aufzudecken und für Familie (vor allem Kinder), Vaterland und abendländische Kultur einzutreten. Gleichzeitig stellt ihr antifeministisches und homophobes Machwerk aber auch keine ideologische Neuheit dar, da die FPÖ in ihrer politischen Agitation mit ähnlichen Ansätzen seit geraumer Zeit auffällt. Dass Gender Mainstreaming kein Konzept ist, das versucht, biologistische Geschlechterkategorien aufzulösen, hat Rosenkranz dabei entweder nicht verstanden oder als unpassend für die von ihr ausgemachte Verschwörung empfunden. Wenngleich das vorliegende Werk nicht zuletzt aufgrund seiner skandalisierenden Schreibweise amüsante Züge aufweist, lohnt sich der Kauf keinesfalls, es sei denn als Sammelstück rechter Verschwörungstheorien. Rechte Verlagskollegen und Saalschützer Nicht nur im Verlagsprogramm ist Barbara Rosenkranz, wie auch schon ein kurzer Beitrag im Standard betonte, in bester Gesellschaft und teilt sich ihren Platz bei den Neuerscheinungen mit Werken wie „Häkeln Einmal anders…150 Muster für Borten, Säume und Applikationen“, „Mit Maria – auf Christus schauen! Festschrift für Papst Benedikt“, „Das Bäuerinnen-Weihnachts- Backbuch“ oder „Schweinekrankheiten – Erkennen und erfolgreich behandeln“. Der Ares-Verlag, welcher das Anti-Gender-Buch verlegte, wurde als Verlagsgruppe des einschlägig bekannten Leopold-Stocker-Verlags gegründet. Dieser in Graz ansässige Verlag ist sowohl durch seine verlegerische Tätigkeit als auch durch finanzielle Beteiligungen und die Aktivitäten seines Geschäftsführers Wolfgang Dvorak-Stocker für die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts bekannt. So verwundert es auch kaum, dass der FPÖ-Europaabgeordnete Andreas Mölzer seine Bücher in der Regel in diesem Verlag veröffentlicht und auch eine der ersten Veröffentlichungen des Ares-Verlags das Hauptwerk des deutschen Rechtsextremisten Caspar Schrenck-Notzing war, der vor allem durch seinen Kampf für die „Umerziehung des deutschen Volkes“ aufgefallen ist. Weiters publizierten auch andere rechtsextreme Größen wie Friedrich Romig, David Irving oder Otto Scrinzi im Stocker-Verlag. Öffentlich vorgestellt wurde das Buch am 17. November im Wiener K.u.K. Hotel Maria Theresia. Bei der Präsentation war es einer Presseaussendung der „Antifaschistischen MenschInnengruppe“ zufolge zu einem Angriff „gewalttätiger Neonazis des FPÖ-Saalschutzes auf Besucher_innen“ gekommen, bei dem „sieben nicht opportune Personen nicht nur am Eintreten gehindert“ wurden. Darüber hinaus hätten „an die zwanzig Neonaziskins und schlagende Burschenschafter die Besucher_innen auf brutalste Art und Weise“ attackiert. Barbara Rosenkranz (2008): MenschInnen. Gender Mainstreaming. Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen. Erschienen im Ares-Verlag (Untergruppe des Leopold-Stocker-Verlag Graz), ISBN: 978-3-902475-53-4 online seit 09.01.2009 12:46:25 (Printausgabe 44) autorIn und feedback : Judith Götz |
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