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Bezahlung macht gewissenhaft

Ein Interview mit Gewerkschafterin Nani Kauer


Traumjob BerufsaktivistIn?

Was verändert sich, wenn sich Engagement „bezahlt macht“? Welchen Einfluss hat die Bezahlung politischer Tätigkeit auf persönliches Engagement, Motivation und Erwartungen von AktivistInnen, sowie letztlich auf die politischen Inhalte? MALMOE bat um Erfahrungsberichte aus den Bereichen Parlament, Gewerkschaft, und feministischer bzw. linker Gruppen. Hier das Interview mit Gewerkschafterin Nani Kauer:


Was machst du genau und wie bist du zu deiner aktuellen Tätigkeit gekommen?


Ich bin seit 1996 im ÖGB beschäftigt und in der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Darunter fallen neben der Medienarbeit auch die Mitgliederzeitschrift, die Website und Service für BetriebsrätInnen in deren Kommunikationsbelangen.

Hast du vorher in diesem oder einem ähnlichen Bereich unentgeltlich gearbeitet?

In ähnlichen Bereichen habe ich nie unentgeltlich gearbeitet. Ich bin von ziemlich „links“ in den ÖGB gekommen: Mein erster Arbeitgeber war das „Zentralkomitee der KPÖ“ (so steht es auf den Gehaltszetteln!), dort hab ich das Jugendmagazin „explosiv“ als Redakteurin mitgestaltet. Während meiner ersten Karenz bin ich dort ausgeschieden und habe danach für die Wiener SPÖ freiberuflich gearbeitet. Dort hat sich auch mein Kontakt in den ÖGB ergeben. Ich hab quasi nie in der „echten Wirtschaft“ gearbeitet, immer in politischen Organisationen.

Welche politischen Erwartungen knüpfst du an deine Tätigkeit?

Naja, das sind schon ganz „hehre“ und fast „kitschige“ Erwartungen. Ich wünsche mir, dass durch meine Arbeit, durch mein Berichten über den ÖGB und die Arbeit der Gewerkschaften, wir den Menschen sympathisch sind und dass sie uns deshalb so wichtig finden, dass sie auch Mitglieder bleiben oder werden. Ich erwarte mir auch, dass das politische „Gegenüber“, wie man jetzt sagt, uns als Kraft wahrnimmt, an der man nicht vorbei kann.

Hat sich bezüglich deiner Motivation durch die Tatsache der Bezahlung etwas geändert?

Ich glaube schon, dass die Tatsache der Bezahlung einen Unterschied macht – aber in der Hinsicht, dass man das vielleicht gewissenhafter macht, als ehrenamtlich. Klingt wieder „kitschig“, aber unsere Mitglieder zahlen mein Gehalt, da ist es nicht egal, was ich den lieben langen Tag mache und wie ich das mache.

Ist deine Herangehensweise an die politische Tätigkeit durch die Professionalisierung distanzierter geworden?

Nein, und das würde ich auch schade finden. Ich hab das Glück, eine Arbeit zu machen, zu der ich stehe, die ich wichtig finde. Das wäre vielleicht in der PR Abteilung eines Unternehmens nicht so – wiewohl ich dort sicher mehr verdienen würde... Ich find’s aber im Gegenteil wichtig, dass gerade politische Arbeit hochprofessionell gemacht wird und dass man sich zu den Inhalten bekennt und dahinter steht. Und wenn politische Arbeit gut funktionieren soll, dann kann es keine große Distanz geben. Sonst könnte es mir ja, um ein Beispiel zu wählen, für die Medienarbeit egal sein, ob es in der Metallindustrie ein Prozent mehr Lohn gibt oder vier, ich spule halt mein Programm ab. Aber je wichtiger ich die vier Prozent persönlich finde, umso professioneller kann ich das dann ja verkaufen.

Steckst du Enttäuschungen bzw. notwendige Kompromisse leichter weg, weil du ja dafür bezahlt wirst, oder macht die "existenzielle Abhängigkeit" es schwieriger mit Enttäuschungen umzugehen?

Wie gesagt, ich finde meine Arbeit – bzw. wofür ÖGB und Gewerkschaften stehen, wichtig. Deshalb sind mir auch Rückschläge nicht egal, nur weil ich eh bezahlt werde. Bestes Beispiel dafür ist das wirklich schreckliche Jahr 2006: Ab Ende März kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen, der Präsident tritt zurück, dauernd tauchen neue Stiftungen auf, der ÖGB hat einen Prozess in den USA am Hals... Natürlich haben wir unseren Gehalt weiter bezahlt bekommen, aber das waren Enttäuschungen und persönliche emotionale Belastungen, die ich, und viele andere auch, nicht so einfach weggesteckt habe. Oder bei politischen Themen, auch wenn ich weiß, man geht mit Maximalforderungen in Verhandlungen und geht nie mit 100 Prozent davon raus. Pragmatisch gesehen weiß man, dass das so ist, aber lieber wären uns natürlich die 100 Prozent. Ich glaube, auf Dauer kann man nicht in politischen Organisationen arbeiten und das nur als „Job“ sehen, für den man bezahlt wird. Bei aller Professionalisierung würde irgendwann doch die Qualität leiden.


online seit 18.06.2008 11:06:43
autorIn und feedback : widersprechen


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/regieren/1626Felix Ehrnhöfer über Arbeit im Parlament



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