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Eine Basis für weitere Kämpfe Ein Interview mit „Freiraum“-AktivistInnen aus Innsbruck Am 11. und 12. April 2008 fanden in rund 40, vornehmlich europäischen Städten die „dezentralen Aktionstage für Besetzung und autonome Räume“ statt, mit denen auf die Repression gegenüber bestehenden Strukturen aufmerksam gemacht und die Kämpfe um deren Verteidigung und Ausbau befördert werden sollten. Auch in Österreich gab es an den beiden Tagen mehrere Demos – sowie (temporäre) Besetzungen von vier Häusern und einem Wagenplatz in Graz, Innsbruck, Linz und Wien. Ein E-Mail-Interview zu den Hintergründen und Perspektiven der Aktionen in Innsbruck. Was sind die zentralen Problem- und Konfliktfelder in Innsbruck, in die ihr mit euren Aktionen interveniert habt? Zentrale Themen unserer Aktionen waren sicherlich die Rückeroberung öffentlicher Räume, wobei für viele der AktivistInnen insbesondere das Recht auf Nutzung der Grünflächen im Englischen Garten eine zentrale Rolle spielte, sowie das weitgehende Fehlen autonomer politischer und kultureller Räume in Innsbruck. Darüber hinaus jedoch auch die generelle Vertreibungspolitik, welche die Stadt insbesondere gegen Randgruppen betreibt, was sich in den so genannten „Schutzzonen“ rund um den Rapoldipark zeigt, wie auch in der ständig zunehmenden Überwachung und Repression im öffentlichen Raum, bspw. dem Landhausplatz, dem Bahnhof sowie der Theresienstraße. Leider gibt es in der Bevölkerung viel Rückhalt für diese Politik, da die Leute nicht verstehen, dass diese derselben – in Innsbruck vor allem touristisch geprägten – kommerziellen Verwertungslogik entspringt, wie die Entfernung von Sitzmöglichkeiten und die prinzipiell ungastliche Umgestaltung öffentlicher Räume zu Betonwüsten. Die Menschen sollen lieber von einem Geschäft ins andere hetzen, als sich abseits von konsumpflichtigen Cafes zu treffen und auszutauschen. Gibt bzw. gab es im Zusammenhang mit der Frage autonomer Räume in eurer Stadt Kämpfe, an die angeknüpft werden sollte und wie steht es um die österreichische und internationale Vernetzung? Ja, selbst hier in diesem Bergkaff gab es immer wieder solche Kämpfe, die meisten liegen jedoch schon lange zurück. Der Bekannteste davon war wohl der um das Haven-Areal, welches mehrere Jahre besetzt war. Weniger lang zurückliegende Kämpfe waren die Besetzung der Minattihalle, welche der Entstehung der PMK vorausging – was ein schöner Erfolg war –, sowie die über ein Jahr andauernde Besetzung der Villa Kuntabunt. Mit den Aktionstagen wollten wir auch zeigen, dass es noch immer ein Bedürfnis nach kulturell und politisch autonomen Räumen in dieser Stadt gibt. Österreichweit gibt es eine eher lose Vernetzung autonomer Gruppen auf Ebene der Infoläden, was auch eine gewisse Koordination der Aktionstage ermöglichte. International ist die Vernetzung recht spärlich und be- schränkte sich im Rahmen der Aktionstage auf die Ankündigung unserer Aktivitäten auf der Homepage des Kollektivs, welches die Aktionstage ausgerufen hat. Welche konkreten Aktionen haben stattgefunden, wie war‘s und welche Perspektiven ergeben sich daraus? Im Vorfeld wurde bereits an zwei Wochenenden zur temporären Besetzung des Englischen Gartens aufgerufen. Am ersten Wochenende kamen bis zu 100 Menschen, welche die verbotenen Grünflächen für sich zurückeroberten und zum Liegen, Jonglieren, Sonnen, Spielen etc. nutzten, darunter auch viele PassantInnen, welche die unverhoffte Gelegenheit ergriffen. Am eigentlichen Aktions-Wochenende gab es eine sehr laute und bunte Demo mit ca. 200- 300 TeilnehmerInnen, in deren Anschluss die Talstation der alten Hungerburgbahn besetzt wurde. Auch hier waren zeitweise um die 100 Personen im Gebäude, wobei in wechselnder Besetzung sicher an die 200 das Haus besuchten, sich dort austauschten und feierten, bevor um ca. 2:30 Uhr recht spontan beschlossen wurde, das Haus geschlossen wieder zu verlassen. Eine Reflexion über die Aktionen wird erst in den nächsten Tagen stattfinden, weshalb wir uns über die Perspektiven hier erst mal ausschweigen wollen. Im Gegensatz zum internationalen Aufruftext verzichtet ihr in euren Aufrufen auf den Begriff „Freiraum“. War das eine bewusste Entscheidung und falls ja, was ist eures Erachtens daran problematisch? Ja. Einerseits haben wir in unseren Texten den Begriff Freiraum bewusst vermieden, da uns in unseren Diskussionen klar wurde, dass es keinen absoluten Freiraum – im Sinn einer Abkoppelung von den gesellschaftlichen Zwängen und Verhältnissen – geben kann, und diese Abkoppelung auch nicht wünschenswert wäre, weil dies zu einem reinen Nischendasein führen und uns ja auch von den Kämpfen um eine Veränderung dieser Verhältnisse isolieren würde. Andererseits nennt sich unsere Gruppe „Freiraum“, wohl einfach deshalb, weil die Namensgebung vor diesen Diskussionen erfolgte und weil wir uns gar nicht lange mit Namensgebungen auseinandersetzen wollten. Um diesem Paradox nachträglich theoretische Legitimität zu verleihen, könnte mensch vielleicht sagen, dass der Begriff Freiraum ja auch einfach als Ausweitung des eigenen Handlungsspielraums verstanden werden könnte, als Basis, die eineN zwar nicht frei macht von den herrschenden Zuständen, die aber als Experimentierfeld und Grundlage für weitere Kämpfe dienen kann. online seit 04.06.2008 11:42:47 (Printausgabe 41) autorIn und feedback : widersprechen Links zum Artikel:
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