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Widerstand ohne Anfang und Ende Heide Hammers "Revolutionierung des Alltags" „Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand“ dieser kurze Satz von Michel Foucault umreißt in aller Kürze ein Hauptanliegen des Buchs von Heide Hammer und prangt somit nicht von ungefähr auf der Rückseite der vorliegenden Publikation „Revolutionierung des Alltags“. Es geht, bezogen auf das obige Zitat, im Buch um zwei Perspektiven, um die Analyse von modernen Machtregimen und die gleichzeitige Beschreibung kollektiver Widerstandsformen. Die Autorin begibt sich im zweiten Teil des Buches auf eine Suche nach „Spielformen des ständigen Anlaufs auf ein neueres (wilderes) Leben“ und – soviel sei der zukünftigen eifrigen LeserIn bereits hier verraten – sie findet allerhand Verschüttetes und Bekanntes und stellt dies darüber hinaus sehr kurzweilig dar. „Selten so gelacht“ mag etwas überzeichnen, und dennoch: die Darstellung des Gerichtsprozesses gegen AkteurInnen der Kommune 1, wo der Richter einen Angeklagten auffordert, doch bitte aufzustehen angesichts des Gerichts und die Antwort desselben „Na ja , wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient“ – witzig und auch Jahre danach noch immer lesenswert. Und dies ist nur ein Beispiel von Vielen. Die poetische Skizze (so die Autorin) kollektiver Widerstandserfahrungen und die Beschreibung ihrer konstitutiven Elemente will der Motivation zu politischem handeln nachspüren – von politischem Handeln abseits einer Partei und gewohnten Begriffen und Formen politischen Handelns. Und um hier eine kurze Leseanleitung einzuflechten, die auch den Aufbau dieser kleinen Buchbeschreibung erklärt: Es gibt Bücher, die haben nicht im eigentlichen Sinn Anfang und Ende, vielleicht deswegen, weil sie Teil einer Dynamik sind und nicht autoritäre Niederschrift erkannter Wahrheiten. „Revolutionierung des Alltags“ ist ein Buch ohne Anfang und Ende, insoferne ist es auch möglich die Lektüre mittendrin zu beginnen oder ganz am Ende – so wie diese Rezension. Der erste Teil der Publikation arbeitet theoretisch dicht verwoben an Machtanalysen und bezieht dabei nicht nur poststrukturalistische Ansätze – wie die Michel Foucaults, Judith Butlers, Donna Haraways oder Gilles Deleuzes – ein, es finden sich auch Querbezüge (auch Queerbezüge wäre zutreffend) zur Kritischen Theorie und anderen Konzepten. Besonders betont wird von Heide Hammer die Kollektivität des Prozesses des Schreibens – einfacher formuliert, sie dekonstruiert die Vorstellung der einsamen AutorIn, die weltabgewandt Text produziert und ersinnt. Die Vorstellung des autonomen Subjekts, das nicht zugleich auch „mehrere war“ ist eine idealistische Vorstellung und führt zu dichotomen Beschränkungen. In der Gesamtschau ein materialistisches, lustvolles und zumindest im ersten Teil komplexes Buch – der zweite Teil liest sich lockerer, aber um nichts weniger ergiebig. Heide Hammer, Revolutionierung des Alltags. Auf der Spur kollektiver Widerstandspraktiken, Milena Verlag online seit 15.04.2008 14:12:16 (Printausgabe 40) autorIn und feedback : Stefan Vater |
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