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  Motive in MALMOE

Ein redaktionsinternes Gespräch zur Reflexion des eigenen Arbeitens aus Anlass der 40. Ausgabe von MALMOE.

Eine: Wir halten bei der 40. Ausgabe von MALMOE. Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Warum machen wir MALMOE, was ist der Sinn? Was motiviert uns da Arbeit hineinzustecken?

Einer: Ich kann mittlerweile auf eine fast 20jährige Aktivistenlaufbahn zurückblicken, wo ich immer mittels Texte schreiben aktiv war. Vom Punkfanzine über die Studierenden-Zeitung bis zu MALMOE war für mich immer das Schreiben zentral. Mittlerweile hat sich an meiner Lebenssituation einiges geändert. Ich habe das politisch organisiert sein hinter mir gelassen, kann mir aber nicht vorstellen, politisch nicht aktiv zu sein. Das läuft für mich über das Zeitungmachen. Der Ort dafür ist für mich MALMOE, weil hier viele ähnlich Denkende zusammensitzen, die auch keine Lust mehr haben, sich bestimmte nutzlose politische Grabenkämpfe und Diskussionen zu liefern, auf Basis eines bestimmten Grundkonsenses darüber, was man will und was nicht.

Ein anderer: Schreiben ist für mich persönlich eine neue Ausdrucksform des politischen Engagements. Bisher habe ich mich von Gruppen eher ferngehalten, ich war nur in einer in Hamburg, wo es gut lief. Ich bin relativ neu in Wien, da war MALMOE auch ein Einstieg in die linke Szene. Das ist für mich eine neue Erfahrung. Gut finde ich, wie der Gruppenprozess läuft ohne allzu viel Gruppendruck, wo man sich auch mal eine Zeitlang ausklinken kann, und gleichzeitig es ein professionelles verbindendes Moment gibt. Ich schätze an MALMOE, dass es ein breites Spektrum an linken Positionen, gleichzeitig mit klaren Grenzen aufweist.

Noch einer: Was mir daran gefallen hat, war auch die breite Palette an unterschiedlichen Zugängen. Ich kam dazu, als ich die inhaltlichen Grabenkämpfe in diversen Politgruppen satt hatte. Dogmatismus hat mich schon immer abgeschreckt. Zu Beginn habe ich auch extrem viel gelernt, und nicht zuletzt die beteiligten Leute schätzen gelernt. Das motiviert mich mehr als das Schreiben, weil ich das nicht so gern tue. Manches, was wir machen, könnte politisch offensiver sein, das würde mich noch mehr motivieren...

Ein anderer: Was meinst Du?

Noch einer: Mir geht es um Aktivierung eines linken Diskurses. Dazu kommt, dass ich fürchte, dass derzeit nur ein Teil unserer Auflage gelesen wird. Da wäre noch einiges mehr rauszuholen.

Kollektiv arbeiten

Eine andere: Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leute MALMOE kennen und lesen. Zu erzählen, dass man da mitmacht, stattet einen mit gewissen Credits aus, muss ich feststellen. Das Produkt MALMOE als Zeitung fungiert als Plattform für die Bündelung linker Positionen, aber die Basis ist der redaktionelle Arbeitsprozess, und das Teilen von Wissen, Diskutieren etc. Da beginnt es für mich Spaß zu machen. Die Zeitung ist ein Abbild davon. MALMOE ist ein Raum neben anderen, wo meine politischen Interessen Platz finden.

Wieder einer: Bei mir steht der Spaß am Zeitungmachen im Vordergrund. Das Erscheinen und die Notwendigkeit, Content zu liefern bieten einen Anlass, sich mit Dingen zu beschäftigen und Fragen nachzugehen. Eine besondere Qualität bei MALMOE ist das kollektive Arbeiten, wo Dinge gemeinsam erarbeitet werden, da herrscht weniger kompetitives Einzelkämpfertum als im kommerziellen Journalismus. Als Form politischer Aktivität ist das Schreiben attraktiv, weil es unabhängig ist von Bewegungskonjunkturen, es ist kontinuierlich möglich und sinnvoll.

Eine: MALMOE ist für mich ein Patchwork diverser Diskurse aus verschiedensten anderen Zusammenhängen. MALMOE hat für mich zu wenig eigene Position. Die Redaktion funktioniert zu wenig als Austausch, sondern mehr als Update, deshalb verliere ich tendenziell die Motivation. Das ist mir oft zu belanglos. Alle stecken in anderen Jobs und Tätigkeiten, und MALMOE ist eher ein Hobby nebenbei, aber das wirkliche Dahinter-Sein sehe ich nicht. Es ist kaum linksradikal, sondern eher akademisch, kaum handlungs- und aktionsorientiert, alles löst sich in Bildung und Service auf. Bewirkt das was wir machen eigentlich irgendetwas?

Einer: Ich sehe den Widerspruch zwischen linksradikal und akademisch nicht. Das Angenehme finde ich bei uns genau, sich nicht auf eine kollektive Linie einigen zu müssen. Ich stoße mit meinen Texten oft an die Grenze des kollektiv Vertretbaren, aber es findet Platz. Das empfinde ich aber nicht als beliebig. Ein Ex-Kollege hat mal gesagt, jede Zeitung braucht eine/n SchreiberIn, der die LeserInnen frontal angreift, und das bin bei MALMOE vermutlich ich.

Wieder einer: Mit der Ungewissheit, was ihr eigenes Schreiben eigentlich bewirkt, müssen alle Medien leben. Selbst die, die Millionen in Marktforschung und Impact-Analyse reinstecken können stehen vor dem Problem, dass das letztlich nicht messbar ist. Insofern kann man nur mit Überzeugung sein Ding so gut wie möglich machen, für Verbreitung sorgen und das Beste hoffen, sich jedenfalls nicht allzu viele Sorgen über mögliche Sinnlosigkeit des eigenen Tuns machen.

Bobo-Zeitung?

Eine: Ich habe die Kritik gehört, wir seien eine Zeitung für „bourgeoise Bohemiens“ („Bobos“), die sich bloß am Kulturbereich und seinen Events abarbeitet.

Wieder einer: Dass bei uns die Kulturlastigkeit manchmal überhand nimmt, kann schon sein. Aber ich weiß nicht, was mit der Kritik „Bobo-Zeitung“ genau gemeint ist. Bewusst machen wir eine Zeitung für Leute in ähnlichen Milieus wie wir. Alles andere wäre anmaßend, Paternalismus-gefährdet und würde uns ressourcen- und kompetenzmäßig überfordern. MALMOE ist auch explizit gegründet worden, um der Aufladung des subkulturellen Milieus mit Jungunternehmer-Werten, wie das im Zuge der New Economy Hypes passiert ist, etwas entgegenzusetzen. Das ist in etwa das Milieu, das ein paar Jahre später unter „Bobo“ verhandelt wurde. Das ist also kein Zufall oder Irrtum. Wenn mit der Zuschreibung „Bobo-Zeitung“ allerdings gemeint ist, wir würden diesem Milieu affirmativ hinterherschreiben, dann ist das ein Blödsinn. Im Gegenteil haben wir es immer als unsere Aufgabe gesehen, seine Eckpfeiler zu kritisieren. Das ist uns auch immer wieder gut gelungen, man denke etwa an die kritischen Stories über FM4, das Museumsquartier, Drogen und Falter, Netzkultur, Fair Trade etc. Das hat immer wieder ganz schön Wirbel ausgelöst, und manche Leute waren da wirklich schwer verstört.

Eine: Ich habe das Gefühl, unsere Netzwerke nach außen sind verflacht, und somit die Diskussionen auch. Immer weniger Leute kommen zu den Redaktionstreffen.

Noch einer: Ich denke, dass das eine Fehleinschätzung ist. Es gab von Anfang an ein Auf und Ab bei den Redaktionstreffen. Und dass eine Redaktion, die bei unbezahlter Arbeit wöchentliche Sitzungen abhält, nicht immer vollzählig ist, ist wirklich kein Wunder. Neue Leute suchen wir auch schon immer. Offen sein und attraktiv ist aber nicht leicht, wenn das Team schon so eingespielt ist und nach außen Anspruch signalisiert wird.

Einer: Gemessen an der Lebensdauer von anderen Initiativen ist MALMOE eigentlich erstaunlich langlebig und wandlungsfähig.

Wieder einer: In einer Zeit, wo der Lohnarbeitsdruck immer mehr steigt, und alle gesellschaftlichen Nischen, die er noch nicht erreicht hat, ausgekehrt werden, ist es wenig erstaunlich, dass es für die Leute tendenziell schwieriger wird, solche Aktivitäten wie unbezahlt Zeitung machen aufrechtzuerhalten. Wenn es so wäre, dass außerhalb von MALMOE lauter tolle neue Initiativen und Gruppen erblühen würden, die an uns vorbeilaufen, würde ich mir Sorgen machen, dass mit uns etwas nicht stimmt. Das seh ich aber überhaupt nicht.

Noch jemand: MALMOE ist ein relativ selbstloses Medium. Niemand profiliert sich kurzfristig darüber, um dann abzuspringen und Karriere zu machen, sondern fast alle die dabei sind, sind hier langfristig tätig. Wir verhandeln keine Themen, die in den nächsten Ausgaben keine Relevanz mehr haben, sondern sind beharrlich, das gefällt mir. Von außen hat auf mich die Zeitung so hermetisch gewirkt, ich hab mich gefragt, wie die Leute auf diese Themen kommen.

Elitär?

Eine andere: Die Kritik, dass wir elitär sind, gibt es natürlich, und das ist selbstverständlich eine Einstiegshürde. Immer wieder wird vergessen, dass Diskutieren und Schreiben ein Mitwachsen mit Themen und der Zeitung erfordert. Das wird oft auf der Suche nach neuen Leuten vergessen. Die Bereitschaft zur Selbstkritik ist bei uns jedenfalls da, und das ist jedenfalls eine Stärke. Wenn man sich die Rahmenbedingungen anschaut, unter denen wir arbeiten – Treffen im Kaffeehaus, Schreiben zu Hause, kein Geld – ist unsere Persistenz eigentlich erstaunlich.

Eine: MALMOE ist das einzige seiner Art, und das ist auch ein Auftrag. Insofern habe ich auch hohe Erwartungen an das Projekt. MALMOE könnte mehr sein. Mehr gemeinsam schreiben schärft vielleicht die Positionen.

Noch jemand: Ich habe das Gefühl, dass es besser und genauer sein könnte, und das ist auch ein Antrieb, weiterzumachen. Wenn MALMOE ein Büro hätte, wäre das vielleicht ein Auslöser für Verbesserungen.

Eine: Feedback von außen einzuholen ist wichtig, die externe Blattkritik brauchen wir häufiger. MALMOE ist zu abgekapselt und sollte sich mehr mit anderen Gruppen in Verbindung setzen.

Noch jemand: Ich war anfangs überrascht über die Autonomie, die mir beim Layout zugestanden wurde, das macht es aber auch interessanter, wenn Inseln sich aneinander fügen, als wenn alles stark kollektiv gefiltert ist.

Pluralismus?

Noch einer: In MALMOE ist es schon zu einer Vereinheitlichung insofern gekommen, als Vereinheitlichung abgelehnt wurde. Es gab zu Anfang eine ökonomische Grundsatzentscheidung zugunsten einer unkommerziellen Variante, die ein paar Leute vom Gründungsteam nicht mittragen wollten. Und dann später im Zuge der inhaltlichen Positionierungsdebatte Wünsche nach stärkerer Bewegungs-Orientierung, worauf sich auch angesichts der Rahmenbedingungen still ein Konsens zu einem laissez faire Zugang durchgesetzt hat. Vielfalt ist auf alle Fälle gut, aber das ist dann vielleicht nicht so angriffig und kantig. Wir können am Profil arbeiten, aber auf gewisse Diskussionen haben viele einfach keine Lust mehr.

Noch eine: Für mich ist eher die Frage, warum macht man so eine Zeitung mit einem pluralistischen Anspruch, woher kommt dieses Konzept, mit diesem Selbstverständnis.

Ich sehe es nicht so als wären manche Diskussionen einfach überflüssig. Für mich ist Zeitung machen schon eine Form der Meinungsbildung und Auseinandersetzung um Hegemonie. Klar macht das auch alles Spaß, sich mit etwas zu beschäftigen, Entwicklungen zu beobachten. MALMOE vertraut aber zu wenig auf seine LeserInnenschaft. Es gibt sicher für MALMOE einen Bedarf, aber ich glaube wir bedienen mittlerweile ein ziemlich kleines Publikum, haben so manche verloren.

Durch den ökonomischen Druck auf Einzelne sind manche Leute, die für die Politisierung und den Pluralismus in der MALMOE-Redaktion wichtig waren, verloren gegangen. Das Profil der Zeitung hat sich folglich verändert, weg von einem politisierten zu einem normalisierten „Let’s talk politics and culture“ Feld, und geht in der allgemeinen Post-2000er Lethargie auf. Unsere Haltung, die Zeitung zu machen, empfinde ich als relativ defensiv.

Eine andere: Wenn das stimmen sollte, ist es fraglich, ob das ein MALMOE-spezifisches Phänomen ist, oder für das gesamte Feld zutrifft. Was du benennst, ist vielleicht auch das Ergebnis eines gewissen Eingespieltseins nach Jahren der gemeinsamen Arbeit, und das ist durchaus auch ein Vorteil. Ob MALMOE früher pluralistischer war, bin ich mir nicht sicher.

Noch eine: Mit Pluralismus meine ich auch die Zusammensetzung der Redaktion, und das Ringen um Positionen. Man müsste sich überlegen, wie man ein politisches Profil wiedergewinnt, auch aus der Eingespieltheit heraus. Und es ist nicht nur eingespielt, sondern vielmehr prekär.

Eine andere: Eingespielt sind wir aber auch im Sinne von nicht mehr so überraschend.

Noch eine: Man bildet eher ab, als selber aktiv zu intervenieren. Wir müssten uns wieder in Richtung Projekt mit Anspruch ausbilden, da müsste man sich vielleicht manchmal auf andere Formate einlassen und Schranken gegenüber Außen abbauen (was nämlich die Schattenseite von Eingespielt-Sein ist). Unser aktuelles Profil ist nicht bewusst erarbeitet, sondern stellt sich eher durch Sachzwänge ein. Es dominiert ein Journalismusbegriff, der eher auf abbilden aus ist. Man setzt keine Themen, sondern nimmt jene auf, die sich aufdrängen. Man bedient ein Publikum, dessen man sich schon sicher ist.

Wieder eine: Ich glaube MALMOE ist im Gegenteil zu wenig eingespielt, ich verstehe darunter aber etwas anderes. Ich verfolge nicht so sehr ein Pluralismus-Konzept, und kann der Profilgewinnung viel abgewinnen. MALMOE wirkt nach außen hermetisch, und das suggeriert eine Linie, verdeckt aber in Wahrheit sehr unterschiedliche Zugänge, die in der Redaktion bestehen. Den ab und an mal geäußerten Ruf nach mehr Radikalität halte ich für wichtig, er muss aber dahingehend überprüft werden, welche politische Bedeutung er für uns produziert und wie wir ihn einsetzen wollen, welche Versprechungen er impliziert. Dem Wunsch innovative Themen zu finden, kann ich weniger abgewinnen, als dem Aufgreifen von bereits diskutierten Themen, und zu versuchen, darauf einen anderen Blick zu werfen und zu besetzen. Kritikangebote zu machen ist vielleicht am ehesten das, was MALMOE momentan leisten kann, bzw. zu untersuchen, was linke/linksradikale Kritik heute überhaupt sein kann. Die Sehnsucht der Verbindung zur Praxis, also politischen Praxis im Sinne von den „draußen real stattfindenden Kämpfen“, impliziert zum einen eine romantische Vorstellung von linkem Kampf, zum anderen wird ein Unterschied etabliert, den ich so nicht sehe. Schreiben ist in dem Sinne die politische Praxis von MALMOE. Ich finde es wichtiger, nicht breiter und offener zu werden, im Sinne des Rufs nach mehr Mitgliedern und unterschiedlichen Positionen, sondern immer genauer zu werden, meinetwegen auch enger. Es geht ja v.a. darum, Kritik, in der Gesellschaft zu placieren. Ich will nicht den Gestus erfüllen, Bewegungen anstoßen zu wollen. Überhaupt die Möglichkeit von Kritik aufzumachen, ist derzeit schon viel. Pluralismus in dem Sinne zu zeigen, dass es auch andere Positionen gibt.

MALMOE sollte sich durchaus mehr trauen. Die „Linksradikalismus“-Begriffe in der Redaktion sind unterschiedlich, das müsste überprüft werden. Für manche scheint das Straßenkampf zu bedeuten, für andere heißt es etwas anderes, z.B. Reflexion. Diese Auseinandersetzung wäre schon interessant genug, da braucht man gar nicht breiter werden.

Ein anderer: „Linksradikalität“ wird schnell zur Geste, wenn sie keine gesellschaftliche Anbindung mehr hat. Jetzt sind wir im Gegensatz zur Gründungszeit der Zeitung um 2000 in einer Situation, wo eine solche Anbindung nicht mehr existiert. Da wird es dann auch problematisch, Zugänge für die Zeitung zu finden.

Wieder eine: Wir haben kaum mehr den klar umrissenen Kontext, woher kommen wir, wohin schreiben wir. Da weiß ich dann nicht, ob ich permanent daran denken will, für wen ich schreibe. Vielleicht ist es da wichtiger zu überlegen, was Kritik heute noch sein kann und was sie leisten kann.

Ein anderer: Kritische Positionen werden von der Gesellschaft auch gern als Innovationsimpuls aufgenommen. Linke poststrukturalistische Theorien antworten darauf, dass wir deshalb ständig was Neues ausdenken müssen. Das wäre halt die Frage.

Wieder eine: Sobald ich eine bestimmte LeserInnenschaft vor Augen habe, begebe ich mich auf das Glatteis eines Repräsentationsmodells, das natürlich auch die Gefahr des elitär-Seins mit sich bringt. Vielleicht geht es darum, das Vertrauen der LeserInnen öfter mal zu brechen, weil so ein Vertrauen in eine Berechenbarkeit einer Zeitung auch mit einer Abhängigkeit einhergeht, einer konsumistischen Haltung. Vielleicht wäre das zeitweilige Enttäuschen der LeserInnen ein vielversprechendes Ziel. Wobei natürlich die Gefahr besteht, dass der Bruch an sich vor den Inhalten steht. Die MALMOE-Ausgabe, wo die Bilder mehr oder weniger alle schwarz waren, gefiel mir in dieser Hinsicht sehr gut. Das lässt sich halt nicht verstetigen, weil das gezielte Produzieren von Enttäuschungen wieder eine konkrete Vorstellung über die Erwartung der Lesenden voraussetzen würde, die ich ja nicht habe.

Vielleicht geht es darum, sich selbst zu überraschen, die Pose der Radikalität zu überdenken. Viele haben das Bedürfnis, Inhalte zu bringen, die sonst in den Medien nicht so vorkommen. Wenn sich dabei gleichzeitig eine bestimmte Haltung durchzieht, kann das auch funktionieren. Es kommt weniger auf die Inhalte als den eigenen Umgang damit an. Allein über etwas Radikales zu schreiben reicht nicht aus, sondern auf das Wie kommt es an. Die Romantisierung von „radikal“ geführten Kämpfen ist häufig, aber problematisch. Auch journalistisch arbeiten ist ein Kampf.

Ich hätte nichts dagegen, auch immer wieder mal das Format der Zeitung zu überdenken – mal ein Plakat, mal ein Flugblatt machen….

Ein anderer: …wenn das Thema es anbietet.

Noch jemand: Das ist etwas worauf sich MALMOE ausruht, dass es eine Zeitung mit einem bestimmten Format ist. Angesichts der herrschenden Zeitnote in der Redaktion wäre permanenter Formatwechsel eine zusätzliche Belastung.

Wieder eine: Der Druck, in einer gewissen Regelmäßigkeit und Häufigkeit erscheinen zu müssen, ist ein Spezifikum dieser Form des politischen Arbeitens. Ich habe schon in Gruppen gearbeitet, wo man einmal in 10 Monaten eine Veranstaltung gemacht hat. Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, kleiner zu werden – entgegen dem oft geäußerten Bedürfnis nach mehr Leuten – das zwingt vielleicht, beim Schreiben auch genauer zu sein, konsequenter im Filtern von Inhalten.


online seit 10.04.2008 14:40:28 (Printausgabe 40)
autorIn und feedback : widersprechen




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