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Wiener Wohnen

: und die Wende der Not

Die autonome Frauenbewegung brachte auf den Punkt, was auch die revolutionärsten Revolutionäre nicht so gerne revolutioniert sehen wollten: „Das Private ist politisch!“ war eine zentrale Parole und weit mehr als das. Ein für alle Male sollte klargestellt werden, dass die Umwälzung unterdrückerischer Verhältnisse nicht etwas vom „Privaten“ abgetrenntes „Öffentliches“ sei. Liebes-, Zusammenlebens- und somit auch Wohnfragen rückten mit der Bewegung von 1968 ins Zentrum der sozialen Auseinandersetzung. Die Kommunebewegung war der Ausgangspunkt sowohl alternativer Wohnformen als auch der feministischen Kritik: Die Mischung aus Marxismus, Psychoanalyse und Konsumkritik bedeutete zwar eine radikale Abwendung von vielen vorherrschenden Lebensformen, frei von autoritären/patriarchalen Strukturen waren aber auch sie bei weitem nicht: „Wer zweimal mit DER selben pennt …“

Heute sind sich selbst als „Kommune“ bezeichnende Formen des Zusammenlebens rar geworden, auch politische Debatten über das Zusammenleben in Wohngemeinschaften sind seltsamer Weise kaum an der Tagesordnung, obwohl vermutlich viele linke WGs nicht – oder zumindest nicht primär – „Zweckwohngemeinschaften“ aus ökonomischen Gründen sind. Auch an länegerfristige Hausbesetzungen ist im Moment eher nicht zu denken, zu radikal läuft dies dem neoliberalen Privatisierungswahn entgegen – sollte mensch meinen; aber es geht auch anders:

In Wien gibt es seit längerer Zeit lediglich ein auch zu Wohnzwecken besetztes Haus, das EKH. Seit rund einem Jahr aber macht in dieser Hinsicht auch die Initiative „Pankahyttn“ regelmäßig auf sich aufmerksam. Die rund 50 Punks versuchen durch vorher angekündigte, gewaltfreie Hausbesetzungen, die eher symbolischen Charakter haben, die Gemeinde Wien zur Überlassung einer selbstverwalteten Pankahyttn zu bewegen. Erst im März wurde eine Diskussionsveranstaltung der IG Kultur zur Thematik „Freiräume“ in ein kurzerhand besetztes Haus am kreativ-industriellen Spittelberg verlegt. Nicht zuletzt dank der klugen Medien- und Verhandlungspolitik ist dies mittlerweile der Realisierung einige Schritte näher gekommen. Die praktische Kritik der oben erwähnten autoritären/patriarchalen Strukturen wird aber wohl auch im Falle einer existierenden Pankahyttn notwendig bleiben, denn auch diese Geschischte ist – leider – nicht zu Ende.

Eine Alternative zum zunehmend unmöglich werdenden Hausbesetzen wurde kürzlich von revolté (Werbung!) in der „neuen I:DA“ in der Zwölfergasse in Wien 15 (Werbung!) vorgestellt: Eine Aktivistin stellte Geschichte und Konzept des in Deutschland seit rund 15 Jahren aktiven Mietshäuser-Syndikats vor. Das Syndikat ist ein aktuell rasch wachsender Verband von selbstorganisierten Hausprojekten. Die Struktur des MHS trägt einerseits der zunehmenden Schwierigkeit, Häuser zu besetzen Rechnung und versucht andererseits sowohl billigen und guten Wohnraum zur Verfügung zu stellen und diesen gleichzeitig dem „freien“ Markt zu entziehen.

Findet sich ein Kollektiv und dieses ein Haus, so wird einerseits versucht Direktkredite zum Kauf aufzustellen, andererseits erlaubt eine zweigliedrige Organisationsstruktur eine demokratische und solidarische Verwaltungsform des Hauses. Die Häuser werden von den MieterInnen selbst verwaltet, nach dem kleiner werden der Zinslast wird überschüssiges Geld in den Solidarfonds des übergeordneten Mietshäusersyndikats eingespeist – um andere Projekte zu initiieren bzw. bestehende zu unterstützen. Aktuell sind rund 30 Hausprojekte Teil des MHS, der aktuelle Zulauf ist enorm, ein erstes Projekt in Paris ist ebenfalls in der Planungsphase. Und auch in Wien gibt es zahlreiche InteressentInnen. So wird derzeit eine alpenländische Infotour des Syndikats für kommenden Herbst geplant …

´Nicht so rosig läuft´s übrigens derzeit für einige selbstverwaltete Kulturräume in Wien. Das Alternativkulturzentrum Moviemento im 11. Wiener Gemeindebezirk wurde nach nur einem Jahr seines Bestehens geräumt, das „Einbaumöbel“ in den Gürtelbögen und das legendäre „Tüwi“ sehen einer ungewissen Zukunft ins Auge, erst vor wenigen Tagen wurde das „Marea Alta“ in der Gumpendorfer Straße behördlich geschlossen. Zum Glück weiß das rote Wien ja ganz genau, wie viel Luft wir zum Atmen brauchen.

Apropos Rot: Im Chat des Standard im Jänner antwortete Sozialminister Buchinger auf die Frage, ob für ihn ein Grundrecht auf Wohnen, wie dies – nach massiven Protesten – kürzlich in Frankreich beschlossen wurde, auch hierzulande vorstellbar wäre: „Ja, ich meine es wäre auch NOTwendig“. Derweilen allerdings kämpft der von der Boulevardzeitung „Augustin“ initiierte F13 weiterhin um die Sichtbarmachung von gesellschaftlicher Marginalisierung und vor allem Obdachlosigkeit. Tja, liebe SPÖ, im Moment reicht´s nicht einmal für gratis Straßenbahnfahren ...







online seit 21.05.2007 14:31:46
autorIn und feedback : Martin Birkner


Links zum Artikel:
www.revolte.at.ttrevolté
www.syndikat.orgMietshäusersyndikat
www.ifthekidsareunited.at/Movimento/Moviemento
www.f13.atF13
derstandard.at/?url=/?id=2732238Quelle Buchinger-Chat, Jänner 2007
www.malmoe.org/artikel/top/1400MALMOE-Schwerpunkt "Gewohnte Politik"



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