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Warum kaufst du die Play Station ... ...nicht morgen? Buy nothing. Eine Generation propagiert die Konsumverweigerung als Lifestyle – manchmal. Der 8. Dezember, Maria Empfängnis. Einer der, wie es so schön heißt, höchsten katholischen Feiertage. Gleichzeitig seit Jahren Großkampftag der Old-School-KonsumverweigererInnen aus der Gewerkschaft – Stichwort Ladenschluss. Der 8. Dezember ist nämlich ein Feiertag, der mitten in der punsch- und kaufberauschten Vorweihnachtszeit nichts verloren hat. Der Handel jedenfalls behauptet seit Jahrzehnten, dieser Tag würde seine Existenz gefährden. Als Mitte der 80er-Jahre die Stimmung noch richtig aufgeheizt war, überlegten Mitglieder der Sektion Handel in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) schon mal, vor dem Generali Center in Wien Streikposten aufzustellen. Stattdessen veranstalteten sie dann Alternativ-Events mit Keksen und Glühwein, um die Leute von den Einkaufsstraßen fernzuhalten. Seit 1995 jedoch "dürfen" die Beschäftigten im Handel auch am 8. Dezember arbeiten. Und das "dürfen" sie bis 18 Uhr auch an jenen Samstagen, die jährlich offiziell als "Vorweihnachtssamstage" definiert werden. Damals hat eine parlamentarische Mehrheit aus ÖVP, FPÖ und Liberalen eine Änderung des Arbeitsruhegesetzes beschlossen, und die GPA konnte gerade noch einen entsprechenden Kollektivvertrag durchsetzen. 68% der Beschäftigten im Handel sind Frauen. Frauen stellen dabei über 90% der Teilzeitbeschäftigten und fast 100% der geringfügig Beschäftigten. Je geringer Absicherung und Einkommen, desto stärker sind Menschen auf den Erhalt ihres Arbeitsplatzes angewiesen. Was werden sie also machen, wenn sie gefragt werden, ob sie am 8. Dezember arbeiten "wollen"? Ganz abgesehen davon, dass – wie InsiderInnen berichten – auf die FilialleiterInnen größter Druck ausgeübt wird. Diese haben schlicht Vorgaben, wieviel Profit gemacht werden muss, sie müssen die Beschäftigten also auch dazu bringen, "freiwillig" zu arbeiten. Eine Verkäuferin aus dem Wiener Haas-Haus erklärt gegenüber MALMOE jedenfalls, dem freiwilligen Arbeiten am Einkaufssamstag sei nicht auszukommen. Verdächtig ruhig Heuer ist von den üblichen 8.-Dezember-Unruhen nichts zu bemerken. Die UnternehmerInnen haben unterdessen nämlich ein neues Feld der Auseinandersetzung eröffnet: den Sonntag im Allgemeinen. Es hätten alle Angst vor einem Wirtschaftsabschwung, tönt zum Beispiel Veit Schalle, Generalbevollmächtigter des größten heimischen Lebensmittelhandelskonzerns BML (Billa, Merkur, Mondo, Emma, Bipa), deshalb gehörten die Geschäfte aufgesperrt. Er will Montag bis Samstag Öffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr. Und schielt schon auf den Sonntag, an dem angeblich halb Österreich ins grenznahe Sopron fährt, um die heimische Wirtschaft zu schädigen. Dass wohl kein Mensch sich ins Auto setzt und an der Grenze Schlange steht, um sich Klopapier, Milch und meinetwegen Schnaps zu besorgen, spielt bei solchen Argumenten keine Rolle. Schließlich ist Sopron in Wirklichkeit interessant, weil sich billige Großeinkäufe noch mit Friseur-, Fußpflege- und eventuell sogar Zahnarztbesuchen kombinieren lassen. Schalle, dessen BML im Vorjahr einen Umsatz von 5.512 Millionen Schilling gemacht hat, stellt nun sogar eine Volksbefragung über die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten in Aussicht. Zwar ist er (noch) nicht schwarzblauer Wirtschaftsminister (als Infrastukturminister ist der FPÖler schon mal angedacht worden), aber eine Volksbefragung könnte er auch in Eigenregie machen: jeder Kreditkarten-Einkauf beim Billa eine Ja-Stimme. "Ach, der Veit Schalle, was weiß der schon", stöhnt Erich Reichelt von der Sektion Handel in der GPA, "der fährt ja nicht nach Sopron, der steht meistens am Golfplatz." Außerdem sei Sopron schließlich keine Einbahnstraße, sondern Teil einer Grenzregion. Wirklich heiß wird Reichelt aber, wenn er auf des Argument angesprochen wird, die TouristInnen würden am Sonntag gerne viel konsumieren und könnten es nicht. "Da regt sich zum Beispiel der Wirt vom Weißen Rössl auf, dabei gibt es für Tourismusgebiete sowieso Sonderregelungen. Und im Städtetourismus läuft es ohnehin anders. Die TouristInnen kaufen sich beim Billa ein Wurstsemmerl und eine Cola und setzen sich zum Essen bei der Pestsäule nieder. Die essen ja keine Salzburger Nockerln um 197 Schilling." Aber wie war das früher, als der 8. Dezember noch heiß umstritten war? Da gäbe es viele Geschichten zu erzählen, meint Reichelt. Etwa die, als 1984 in Salzburg ein Geschäft einfach aufgesperrt hat und vom Verfassungsgerichtshof dann gerade einmal gerügt wurde. Oder die vom alten Hartlauer ("Ihr Franz Josef Hartlauer"), der 1994 seine Filiale in Linz aufsperrte und behauptete, die 30 Leute, die da arbeiteten, seien alles seine "Verwandten". Auch er wurde dafür nie bestraft. "Der hat den Rechtsstaat einfach nicht ernst genommen", meint Reichelt und hört sich schon leicht resigniert an. Bleiben noch die Weihnachts-, Advents- oder Christkindlmärkte, denen scheinbar überhaupt keine Schranken auferlegt sind. Sie fallen auch nicht unter das Öffnungszeitengesetz, erklärt Reichelt, sondern unter die Marktordnung, die Ländersache ist. Und natürlich gebe es Mindeststandards. Es müsse für eine Heizung im Stand gesorgt sein, es muss Pausen geben, es müssen sanitäre Anlagen bereit stehen. (Siehe dazu auch "Angst vor der Fritteuse" auf Seite 6.) Solange die UnternehmerInnen selbst am Stand stehen, gehe das ja niemanden etwas an, aber wenn sie Leute dafür anstellen, wäre es Sache des Arbeitsinspektorats, die Bedingungen zu prüfen. Tut es aber nicht, meint Reichelt. Das will MALMOE natürlich genau wissen und ruft beim Zentralarbeitsinspektorat an. Wir erwischen gleich die Chefin, eine leutselige Frau, die auf die allgemeine Frage gar nicht erst eingeht, sondern wissen will, wo das Problem liegt. Also erzählen wir von einer Freundin, die demnächst in Schönbrunn an einem Stand Kunsthandwerk verkaufen wird, zehn Stunden am Tag, nach einer kurzen Einschulung durch die Besitzerin völlig allein gelassen, ohne vorgesehene Pausen, und die noch keine Ahnung hat, was sie tun soll, wenn sie aufs Klo muss. Na ja, normalerweise helfen sich die Standler da gegenseitig und passen auf, wenn eine mal weg muss. Ansonsten muss gewährleistet sein, dass es in der Nähe die Möglichkeit gibt, unentgeltlich ein Klo benützen zu können. Soweit die Chefin der ArbeitsinspekteurInnen. Aber wenn es dort in Schönbrunn tatsächlich so zugehe, schicke sie sofort einen Inspektor los. Alles Klassenkampf Die GPA, erzählt Erich Reichelt, hat mittlerweile ein Bündnis mit der katholischen Kirche geschlossen und eine Plattform für den arbeitsfreien Sonntag gegründet. "Aber andererseits", und Reichelts Stimme beginnt wieder gefährlich zu zittern, "sind es gerade die frommen Kirchgänger Bartenstein und Co., die für die Sonntagsarbeit sind." Also alles nur reines Wirtschaftsdenken? Ein genauerer Blick auf die Argumente der ApologetInnen der grenzenlosen Ladenöffnung verweist auf das Gegenteil: alles nur reine Ideologie. Die Leute werden nämlich nicht mehr einkaufen, nur weil sie es länger oder dauernd tun können, dazu bräuchten sie ja auch mehr Geld. Es wäre noch zu untersuchen, ob die Sparquote seit der Liberalisierung der Öffnungszeiten gesunken ist und es wie in den USA zu einer höheren Verschuldung der Privathaushalte kommt, was aber gerade dort nichts mit dem Ladenschluss zu tun hat; den gab es dort nämlich schon vorher nicht. Auf der anderen Seite bedeuten längere Öffnungszeiten für die Unternehmen selbst höhere Kosten: mehr Löhne, Stromkosten, höhere Abnutzung, längerer Gebäudeschutz usw. Der Profit kann also gar nicht so hoch ausfallen. Also alles reiner Klassenkampf. Und Zurichtung, denn wer zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen kann, kann auch zu jeder Tages- und Nachtzeit arbeiten. Es gibt eine Studie aus dem Jahr 1998, die belegt, dass 93% der KundInnen im Rahmen der bestehenden Öffnungszeiten problemlos ihre Einkäufe erledigen könnten. Die flankierenden Begründungen wie: "Man muss sich bei den Ladenöffnungszeiten nach den Kundenbedürfnissen richten" (Veit Schalle) entlarven sich damit selbst als Propagandamaßnahmen, die KonsumentInnen als bewusstlose Subjekte außerhalb des Arbeitsmarktes imaginieren. Auf der dunklen Seite des Kaufrauschs Während aber für Schalle und Co. diese – indifferenten – 93% der KonsumentInnen immerhin noch Anlass zur Hoffnung bieten, sie im Zuge eines orwellschen Manövers dazu zu bewegen, den großen Kauf-Bruder doch noch zu lieben, droht plötzlich von unerwarteter Seite neues Unheil. "Buy nothing" und "consumers with attitude" sind die trotzigen Slogans einer Aktion, die am "traditionsreichen" 8. Dezember mitten im Weihnachtsgeschäft auf einer der meistfrequentierten Wiener Einkaufsstraßen starten soll. InitiatorInnen der Aktion auf der Mariahilferstraße sind keine verhärmten Alt-Müsliesser oder erzürnten GewerkschafterInnen, sondern die Leute von "Volkstanz.net", einem Netzwerk, das sich ansonsten durchaus style- und trendbewusst in der Wiener Clubszene umtut. "Ich würde einen Großteil unserer AktivistInnen als kompetent in Stil- und modischen Fragen einschätzen. Das heißt aber nicht, dass uns das zu dumpfen Shopaholics macht, die ihr politisches Bewusstsein am Boutiquen-Eingang abgeben", erläutert Tanya Bednar die Motivation der Volkstanz-Aktivitäten im Advent. Ab dem 8. Dezember soll deshalb das Publikum der Mariahilferstraße mit Musik, Basteltischen, Flugblättern und dergleichen old-fashioned Hilfsmitteln mehr auf die "dunkle Seite" des traditionellen Kaufrauschs aufmerksam gemacht werden. Vorbild für diese Aktion ist der globale "Buy Nothing Day" (BND), an dem Tausende AktivistInnen der globalisierungskritischen Bewegung am 23. November KonsumentInnen in aller Welt über die Bedingungen, unter denen unsere geliebten Markenprodukte hergestellt werden, aufzuklären versuchten. Einen Tag lang das Konsumgetriebe stören, indem man sich verweigert und nichts bzw. so wenig wie irgend möglich konsumiert und am besten auch noch andere zu ähnlichem Tun anstiftet – das ist die Idee hinter dem BND. Dass es dabei zwar durchaus ernsthaft und mit Sendungsbewusstsein zur Sache geht, andererseits "die Sache" aber nicht verbissen und unbedingt sofort und überall ausgekämpft wird, verwirrt wiederum die allermeisten "traditionslinken" KommentatorInnen: "Auf meinem Weg sah ich in einem Second-Hand-Shop die Play Station 2 um nur 30,000 Yen (38,000 Yen ist der reguläre Preis). Mmmm ... die Play Station 2, dachte ich, und der innere Konflikt ging los. Ich muss sie kaufen! – Keine Chance. Heute ist der ,Buy Nothing Day’ und du kannst dein Versprechen nicht brechen. (...) und schließlich hatte ich eine Idee. Warum kaufst du die Play Station 2 nicht morgen?", schildert etwa eine BND-Aktivistin aus Tokyo ihre Erlebnisse. "Dass sich die Kampagnen (gegen Arbeitsbedingungen in manchen Produktionsstätten, Anm.) vor allem gegen solche Unternehmen richten, die Lifestyle produzieren, zeigt, dass in den reichen Ländern des Westens zwar einerseits Lifestyle und Individualität sehr wichtig sind, dies andererseits aber auch mit einem notorisch schlechten Gewissen einhergeht – einem schlechten Gewissen, muss man ergänzen, bei einer kleinen, aber umso einflussreicheren Gruppe gebildeter und wohlhabender Konsumenten, die Ethik zum Hauptelement ihres Lifestyles gemacht haben", werden entsprechend konsumkritische Aktivitäten in der linken Presse abgefertigt (Jungle World 32/2001). Wer näht meine Nikes? Und doch, trotz aller berechtigten Einwände waren es in den letzten Jahren vor allem jene Leute, die es einerseits offenbar konsumtechnisch schon "mal gut sein lassen" mit den politisch korrekten Vorsätzen, die dann andererseits in den westlichen Metropolen mit erstaunlicher Konsequenz – obwohl mit zunehmender Repression konfrontiert (remember Prag, Göteborg, Genua) – den Konflikt wieder auf die politische und soziale Agenda gesetzt haben. Anders als ihre VorgängerInnen in Sachen Konsumverweigerung predigt die New School der AktivistInnen gegen den Konsumterror aber weder eine asketische "Zurück-zur-Natur"-Ideologie – wie etwa die mittlerweile zu konsumfreudigen Citoyens gewendeten Grünalternativen in ihren wilden Jahren –, noch geben sie sich reformistisch staatsfixiert – wie etwa die Gewerkschaften. Vielmehr durchstreifen sie kreativ antikapitalistisch, in einer schrägen Mischung aus Affirmation, Widerstand und Subversion, die unendlichen Weiten der Warenwelt. Und es ist ihnen durchaus bewusst, dass ihre Aktivitäten diese Warenwelt nicht aus den Angeln heben, geht es dabei doch vielmehr um Mobilisierung und Selbstaufklärung, nicht zuletzt anhand symbolischer Politiken. Wesentliche theoretische Inputs für derartige Strategien kamen von den TheoretikerInnen der Cultural Studies und der Poplinken der 90er, die Konsum mehr oder weniger pointiert auch als Strategie der Selbstermächtigung analysierten. "Am Anfang stand die Auffassung, dass die akademische Linke einschließlich der Feministinnen sich allzu oft veranlasst fühlte, ihre eigene Beteiligung an manchen Vergnügungen der Konsumkultur zu leugnen, da diese als Faustpfand des Kapitalismus und einer der Hebel zur Unterdrückung von Frauen galten. Daraus sei eine puritanistische Kultur entstanden, in der Genuss immer an Schuld gekoppelt war. Das Studium von Populärkultur im weitesten Sinne versetzte Feministinnen in die Lage, eine solch traditionelle Haltung zu revidieren. Die Tatsache, dass auch ,einfache’ Frauen viele Konsumformen genossen, erlaubte es uns, diesen Bereich nicht einfach nur als Schauplatz eines falschen Bewusstseins abzutun, sondern zumindest noch einmal zu hinterfragen. Hinzu kam, dass sich im Laufe der 80er Jahre eine neue linke und feministische kulturpolitische Strategie herausbildete, mit der man nach Wegen suchte, Allianzen auf einer breiteren und populäreren Basis zu schmieden. Dadurch wurde es möglich, den Spaß anzuerkennen, den die Leute beim Konsum empfanden." (Angela McRobbie, in: Jan Engelmann [Hg.]: Die kleinen Unterschiede, Campus 1999). Eine Analyse – und Praxis –, die sich freilich allzu schnell in einer Affirmation der schönen neuen multikulturellen Warenwelt auflöste. Etwa in der Theorie der amerikanischen Cultural-Studies-Lesart eines John Fiske, der schließlich vom Quizsendungskonsum bis zum Shoppingmall-Besuch alles unter den Begriff Widerstand fasste. Es war schließlich die so genannte "Antiglobalisierungsbewegung", die in den Metropolen die kreative Dynamik diverser Jugendkulturen der vergangenen Jahrzehnte aufnahm und wieder politisch anreicherte. Nicht zuletzt unter dem Einfluss der Thesen einer Naomi Klein ("No Logo") und der Theorien Toni Negris ("Empire") politisierte sich das Bewusstsein großer Teile einer neuen Metropolen-Generation, für die sich über die Auseinandersetzung mit Lifestyle und Konsumgewohnheiten globale Zusammenhänge erschlossen. "Wer näht meine Nikes und unter welchen Bedingungen", war plötzlich eine relevante Fragestellung in zahlreichen Internetforen und diversen Medien. Unter dem Eindruck einer globalen Politisierung in Bewegung (von Seattle nach Genua) verschaffte diese Fragestellung schließlich Einblick in die Strukturen des globalen ökonomischen Systems. Der ganze Konsum-Scheiss Mehr oder weniger lautstarke Echos derartiger "Konsum-Politiken" finden sich in Jugend- und Protestkulturen allerorten. Etwa auch auf der bereits erwähnten Mariahilferstraße, wo die Volkstanz-AktivistInnen mit ihren "buy nothing"-Aktionen auf der "Vorarbeit" einer Gruppe von Punks aufbauen können, deren "Kulturkampf" mit den örtlichen Kleingewerbetreibenden mittlerweile sogar Bezirksrat und Boulevardpresse beschäftigt. Dabei wollten die späteren "Konsumverweigerungs-AktivistInnen" zunächst einfach nur "herumhängen und in Ruhe gelassen werden", wie sie bei einem Lokalaugenschein gegenüber MALMOE beteuern. Einigen Geschäftsleuten geriet diese Freizeitbeschäftigung allerdings derart zum Ärgernis, dass sie Polizei und Bezirksrat aufforderten einzuschreiten. Von wegen "Recht auf Faulheit", nicht vor der Ladentür bzw. den KundInnen. Als sich die Behörden außer Stande sahen einzuschreiten – "außer im Falle aggressiven Bettelns" –, verfielen die Geschäftsleute der Einkaufsmeile auf eine besonders listige Idee: Die Parkbänke, auf welchen die Punks herumzulungern pflegten, sollten einfach entfernt werden. Aber auch dieses Ansinnen fand im zuständigen Bezirksrat kein Gehör. Als sich dann allerdings des nächtens Parkbänke selbstständig machten und einfach verschwanden, organisierten sich die jungen Punks zum Gegenschlag. Ein Flugblatt wurde verfasst, das den "ganzen Konsumscheiß" auf Wiens traditionsreicher Einkaufsstraße anprangerte und auf der Straße, aber teilweise auch an LadenbesitzerInnen verteilt wurde. "Unglaublich", findet einer der angesprochenen Gewerbetreibenden noch Wochen nach der Aktion kaum Worte. "Dafür arbeite ich nicht von früh bis spät." Genau das wollen auch die jungen Punk-AktivistInnen vermeiden. Sie fordern in ihrem Flugblatt stattdessen eine vernünftige Arbeitslosenunterstützung, um künftig in Ruhe mit Hunden, FreundInnen und Bekannten ihren Lieblingsbeschäftigungen, "zu denen weder Shopping noch arbeiten gehören", nachzugehen. Eine Provokation ganz im Sinne der Volkstanz-Aktivistin Dane Mayer: "Man macht sich vielleicht nicht allzu viele Freunde mit Aktionen gegen den ganzen Konsum- und Produktionswahnsinn, aber was sein muss, muss sein." online seit 15.01.2002 00:00:00 (Printausgabe 2/2001) autorIn und feedback : Günther Hopfgartner und Sylvia Köchl |
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