menueleiste1
home archiv suche messageboard abo hier gibts malmoe feedback alltag verdienen regieren widersprechen funktionieren tanzen erlebnispark
  Die Antithese zum „Kampf der Kulturen“

Der Kulturverein Kanafani stellt sein Konzept und sein Medienprojekt vor.

Der Kulturverein Kanafani ist ein offenes Projekt. Es gibt keine Mitgliedschaft im traditionellen Sinn. Jede und jeder kann an Projekten des Vereins teilnehmen und sich einbringen. Das soll Flexibilität und Kreativität fördern. Mit der Zeit hat sich aber ein Kern von über einem Dutzend ständiger AktivistInnen gebildet. Dazu kommen sehr viele Leute, die sich mit dem Verein identifizieren und bei einzelnen Aktionen oder Projekten temporär mitarbeiten.

Der Kulturverein ist keine Organisation, sondern eine Plattform, eine Basisinitiative. Wir haben keine politische Linie, die für alle verbindlich ist. Entscheidungen werden konsensual getroffen. Schaffen wir es nicht, einen Konsens herzustellen, dann sparen wir das betreffende Thema aus. Das Ergebnis dieser „Anti-Organisationsform“ ist nicht Beliebigkeit. sondern ein lebendiger Wandel und Austausch untereinander.

Der Kulturverein Kanafani war so nicht geplant, sondern entstand aus einem Freundeskreis heraus und ist mittlerweile vier Jahre alt. Wir veranstalten Filmvorführungen, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Feste, Diskussionen etc.

Unser oberstes Ziel ist es, eine Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen aufzubauen. Wir wollen antirassistische Kulturarbeit fördern und Vorurteile aufklären, Leute zusammenführen, die ansonsten eher weniger Kontakt haben. Wir wollen neue antirassistische Konzepte entwickeln und treten ein für einen kämpferischen Antirassismus. Wir wollen, dass die Objekte des Rassismus zu ihren eigenen Subjekten werden. Dass sie zu einem stärkeren Selbstbewusstsein finden und sich selbst einbringen können. Wir lehnen Bevormundung ab. Uns sind daher migrantische Selbstorganisierungen ein besonderes Anliegen.

Kanafanis kommen vorwiegend aus Österreich und der Türkei. Im Umfeld sind auch arabische Leute sporadisch aktiv. Wir sind vorwiegend StudentInnen und veranstalten daher auch recht viel an der Uni. Alle Arbeiten sind bis dato ehrenamtlich.

Außergewöhnlich am Kulturverein Kanafani ist, dass wir eine der wenigen, wenn nicht die einzige Initiative im deutschsprachigen Raum sind, in dem Muslime und Nicht-Muslime zusammenarbeiten. Dass der Kampf gegen Islamfeindlichkeit einer unserer Schwerpunkte ist, ist daher nur logisch.

Der.Wisch – Zeitschrift für Viel-Seitige

Kanafani gibt die Zeitschrift der.wisch heraus. Auch der der.wisch ist ein offenes Projekt, es soll als Forum fungieren und ist work in progress. Es gibt eine redaktionelle Instanz, aber prinzipiell sind alle Beiträge willkommen. Der der. wisch hat keine abgegrenzte Blattlinie und verfolgt auch keine ideologischen Ziele. Kontroversielle Artikel sind nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Eine lebendige demokratische Diskussion hat noch nie geschadet. Für die Zeitschrift gilt das, was für den Gesamtverein gilt: Antirassismus ist der gemeinsame Nenner. Erstmals vorgestellt haben wir den der.wisch im Jahr 2003 mit einem Fest im Literaturhaus. Der.wisch tritt an gegen den allseits proklamierten „Kampf der Kulturen“ und will die Antithese dazu propagieren. Der.wisch repräsentiert niemanden und kennt keine klar definierte Zielgruppe. Wir wollen stattdessen neue Impulse in die Diskussion einbringen und hoffen insbesondere auch so genannte „opinion leader“ zu erreichen.

Der.wisch ist sicher ein Novum unter den Alternativmedien. Einflüsse von innermuslimischen Medien, dem akademischen Diskurs und der linken freien Medienszene finden sich im der.wisch wieder. Auch das ist nicht am Reißbrett geplant worden, sondern ist aus dem Projekt „Kulturverein Kanafani“ heraus entstanden. Der.wisch ist im Grunde genommen kein migrantisches Medium, sondern ein um MigrantInnen bemühtes Medium. Das heißt, es wird viel Zeit darin investiert, Sprachbarrieren aufzuheben und „migrantische“ Themen jenseits des Mainstreams zu Wort kommen zu lassen.

Bisher sind vier Ausgaben erschienen, die letzten zwei Ausgaben waren Schwerpunktnummern zum Thema Rassismus (in memoriam Cheibane) und Grenzgänger (insbesondere zur Person Muhammad Asad). Der.wisch hat immer 108 Seiten und wird über den Buchhandel verkauft. Der.wisch heißt im Untertitel „zeitschrift für viel.seitige“. Das ist eine Anspielung auf die Hybridität des Projektes. Der.wisch ist weder Zeitschrift noch Buch, weder islamisch noch nicht-islamisch, weder Literatur und Kunst noch Politik – sondern von allem ein wenig. Der.wisch richtet sich an ein deutschsprachiges Publikum, an die muslimischen Communities und weit darüber hinaus. Unsere LeserInnen sind unserer Erfahrung nach gebildet und gehören oft der zweiten bzw. dritten Generation an oder sind österreichische und deutsche Interessierte. Er soll Platz bieten für ausführlichere Texte und Innovationen. Im Kulturverein Kanafani engagieren sich leider keine JournalistInnen und auch keine GrafikerInnen. Für einen Teil unserer Mitglieder ist Deutsch sowieso eine Fremdsprache, aber das hält uns nicht vom Schreiben ab, denn wenn es auf Deutsch nicht gelingt, wird in den eigenen Muttersprachen geschrieben und dann ins Deutsche übersetzt. So sammeln wir auch Texte von AutorInnen aus verschiedenen Ländern, die dann auch meistens übersetzt werden müssen.

Unser größtes Problem waren und sind die Finanzen. Da es uns immer wieder am nötigen Geld fehlte und der. wisch sich bis dato nicht durch Inserate und Verkauf erhalten konnte, konnten wir nicht regelmäßig erscheinen. Daraus ergibt sich wiederum das Problem, dass der.wisch keine nennenswerte Zahl von AbonnentInnen hat. Es fehlte uns bisher auch immer das Geld, Textbeiträge zu bezahlen oder eine Vertriebsstruktur aufzubauen. Das soll sich jetzt in Kürze ändern, da wir eine Subvention der Stadt Wien bekommen sollen. Der.wisch erlebt einen Relaunch im Juni dieses Jahres mit einer Nummer zum Thema „Feindbild Islam“ und soll dann, so wie auch ursprünglich geplant, alle drei Monate neu erscheinen. Geplant sind auch Sondernummern des der.wisch in türkischer Sprache. Das soll unsere Defizite hinsichtlich der türkischen Communities ein wenig wettmachen. Und weil wir meinen, dass es sehr wenige türkischsprachige Publikationen mit Niveau in Österreich gibt.

Migrantische Gegenöffentlichkeiten

Mit spezifischen Veranstaltungen versuchten und versuchen wir immer auch MigrantInnen zu erreichen. Das ist wegen unserer studentischen Herkunft auch für uns nicht immer leicht. Obwohl wir auf der Uni die ersten (!) türkischsprachigen Diskussionsrunden und Vorträge veranstaltet haben, haben wir damit nur Studierende aus der Türkei erreichen können (Engin Noyan 2004 und Nuray mert und Akif Emre 2005). Gut geklappt hat es teilweise bei unseren Kinoabenden im Vereinslokal „die sense“ oder auf der Uni. Das funktioniert auch sehr gut bei unseren Frauentanzfesten und ähnlichen niederschwelligen Angeboten. Mit Radio Kanafani hoffen wir auch in dieser Hinsicht Terrain zu gewinnen. Auch unsere Kooperationen mit migrantischen Vereinen gehen in diese Richtung. Als zum Teil migrantische Studierende verfolgen wir natürlich auch die migrantischen Medien in Österreich. Wir wollen Kooperationen mit einigen der Medien eingehen und uns so auch Zugang zur migrantischen Öffentlichkeit verschaffen. Da wir großteils türkischsprachig sind, sind natürlich für den Anfang vor allem die türkischsprachigen Medien für uns interessant. Bisher klappen Kooperationen vor allem mit der muslimischen „Yeni Hareket“ und der linken „Öneri“. So planen wir mit diesen Zeitungen in Kürze eine antirassistische Veranstaltung in türkischer Sprache zu organisieren, die das Problem- und Selbstbewusstsein stärken soll. amit wollen wir auch und vor allem die so genannten klassischen „GastarbeiterInnen“ erreichen. Eine weitere Hoffnung setzen wir darin, dass die migrantische Gegenöffentlichkeit mit ihren durchaus einflussreichen Massenblättern in Sachen Fremdenrecht u.ä. eine gemeinsame Stimme entwickelt, jenseits aller ethnischen, politischen oder religiösen Barrieren. Denn wenn der Begriff „MigrantIn“ überhaupt Sinn macht, dann nur unter dem Gesichtspunkt des Umgangs der Gesellschaft und der Politik mit den als „MigrantInnen“ klassifizierten Menschen. Und da sind die Probleme immer dieselben, die alle MigrantInnen betreffen.





online seit 11.07.2006 10:49:57 (Printausgabe 32)
autorIn und feedback : Asuman Mert und Tuba Danis


Links zum Artikel:
www.kanafani.at
www.malmoe.org/artikel/widersprechen/1211Produktionsbedingungen für MigrantInnen in der Freien Medienarbeit
www.malmoe.org/artikel/widersprechen/1199Die Wiener Zeitung Öneri im Gespräch
www.malmoe.org/artikel/widersprechen/1225World Media Insights (wmi) und die Philosophie dahinter



Kollektiv Kindergartenaufstand ...

... ist mehr als Arbeitskampf: Auf dem Weg zum Recht auf Bildung
[04.01.2012,Kollektiv Kindergartenaufstand]


„Mic Check“ auf der Liberty Plaza

Occupy Wall Street ist trotz Räumung noch lange nicht vorbei
[02.01.2012,Paula Pfoser]


„Arabischer Frühling“ in Israel?

Ein Interview zur Geschichte und zu den Perspektiven der israelischen Protestbewegung
[01.01.2012,Interview: MG]


die nächsten 3 Einträge ...
 
menueleiste2
impressum kontakt about malmoe newsletter links mediadaten