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Zwischen Ermächtigung und Othering Frauen* in der Lehrausbildung Weibliche Lehrlinge in Handwerk und Technik sind in ihrem Arbeitskontext noch immer eine Besonderheit. Die bestehende Arbeitsmarktsegregation manifestiert sich auch in einer beharrlich geschlechtstypischen Lehrberufswahl von Frauen und Männern. Doch wie erleben weibliche Auszubildende in diesen Branchen ihre Situation und was bewegt sie? Der Begriff der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation umschreibt das Faktum, dass eine Mehrheit von Frauen und Männern in unterschiedlichen Feldern, Berufen und Branchen (horizontale Segregation) sowie auf unterschiedlichen Hierarchieebenen (vertikale Segregation) beschäftigt ist. Mit dieser Teilung des Arbeitsmarktes sind in der Regel Arbeitsbedingungen verbunden, die durchaus hierarchisch aufgeladen sind und sich auf Einkommensmöglichkeiten und berufliche Perspektiven auswirken. Und das eher zum Vorteil von Männern. Unter den zehn bei Frauen beliebtesten Lehrberufen finden sich noch immer keine technischen Berufe. Ergreifen Frauen Lehrausbildungen in Domänen mit einem Männeranteil von über 60 %, dann ist die statistische Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Lehrlingseinkommen höher bemessen ist, als in den drei Berufen mit knapp 50 % aller in Lehrausbildung stehenden Frauen: der Friseur_in, der Einzelhandelskauffrau und der Bürokauffrau. Die Daten zur Berufswahl von jungen Frauen belegen einen hohen Grad an horizontaler Segregation der Berufsfelder anhand der Kategorie Geschlecht. Das heißt, dass sich Frauen nach wie vor sehr häufig für „Frauenberufe” und seltener für handwerklich-technische Berufe entscheiden, die traditionell als „Männerberufe” gelten. Unter dieser Voraussetzung ist die Berufswahl jener Frauen, die eine Lehrstelle in diesem Feld suchen, als nicht traditionell zu verstehen. Mit dem Eintritt in eine „Männerdomäne” initiieren diese Frauen spezifische Aushandlungsprozesse zur Bedeutung von Männlichkeit und Weiblichkeit im Arbeitskontext, denen mit Inklusion als auch mit Ausgrenzung begegnet wird. In der Fachliteratur sind die Ausgrenzungspraktiken gegenüber Frauen in Männerberufen ausführlicher beschrieben: Diese reichen von informeller Arbeitsteilung, Bildung geschlechtshomogener Allianzen, traditioneller Geschlechterideologie bei Personalverantwortlichen bis hin zu sexueller Belästigung. Doing Gender while Doing Work Die Lehrstelle in Handwerk und Technik als Ort, an dem Geschlecht als sozial wirksame Unterscheidung hervorgebracht und reproduziert wird, war der Gegenstand einer Studie des Vereins sprungbrett für Mädchen. Unser Fokus lag auf dem Facettenreichtum der Erfahrungsdimensionen von weiblichen Lehrlingen in handwerklich-technischer Ausbildung und ihren Wegen zur (Selbst-)Ermächtigung. Dazu wurden im Auftrag der AK Wien qualitative Interviews im Raum Wien geführt und ausgewertet. Die Analyse macht deutlich, dass sich die Erfahrungen der befragten Lehrlinge zwischen Veranderung (in Ahnlehnung an das postkoloniale Konzept des Otherings) und Selbstermächtigung aufspannen. Am Beispiel der Lehrstellensuche: eine nicht traditionelle Entscheidung getroffen zu haben wird in manchen Fällen erst mit der Lehrstellensuche und dem Berufseinstieg bewusst. Retrospektiv stehen dabei das eigene Interesse, Beziehungen oder biographische Bezüge zum Beruf/zum Betrieb im Vordergrund. Überraschte, irritierte oder ablehnende Reaktionen des Umfelds schärfen erst die Wahrnehmung, die Lehre als „Andere” aufzunehmen. Auf der anderen Seite des Spektrums betonen Auszubildende wiederum, wie sehr der gewählte Beruf eine Alternative zu geschlechtstypischen Erwartungen an sie war. Insgesamt lässt sich hervorheben, dass weibliche Lehrlinge ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und Bereitschaft zeigen, ihre Fähigkeiten wie Grenzen und damit ihre Position im Betrieb auszuhandeln. Die Wichtigkeit eines kollektiven Austausches dieser Erfahrungen zur Bewältigung der Herausforderungen des Arbeitsalltages kann gar nicht genug betont werden. Weitere Initiativen sind wünschenswert, die Frauen in Handwerk und Technik vernetzen. Augenmerk ist auch auf das betriebliche Umfeld und die sozialen Kompetenzen aller Mitarbeiter_innen zu legen. Eine klare Haltung von Betriebsseite, z. B. ein klares betriebliches Prozedere bei sexualisierten Übergriffen, ist der Inklusion von weiblichen Auszubildenden förderlich. Besonders gilt es, den Umgang mit Fähigkeiten, Stärken und Schwächen von Mitarbeiter_innen und Auszubildenden in einer Weise zu gestalten, die Geschlechterstereotypisierungen entgegen wirkt. Denn Frauen in handwerklich-technischer Lehre sind in Bewegung und es muss noch viel bewegt werden. Der Verein sprungbrett ist Träger einer Beratungsstelle für junge Frauen und befasst sich mit den Ausprägungen der Arbeitsmarktsegregation als einem Hindernis für die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Mehr zum Thema in: Arztmann Doris, Kahlhammer Elisa und Rabl Christine (2011): „Ich glaub, sie wissen halt, dass wir Mädchen sind.“ Eine Studie zu Erfahrungen von weiblichen Lehrlingen in Handwerk und Technik und zur Qualität ihrer Lehrausbildung. Das Paper gibt es demnächst als Download auf der AK-Seite, überdies werden die Ergebnisse im Frühsommer vorgestellt. online seit 19.06.2012 12:34:37 (Printausgabe 59) autorIn und feedback : Doris Arztmann Links zum Artikel:
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