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Wer ist schuld an der Krise? Milton Friedman, John Maynard Keynes, Rosa Luxemburg und Karl Marx im Streitgespräch über die wahren Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise Der Mainstream der zeitgenössischen Wirtschaftswissenschaft hat sich in der Krise ordentlich blamiert. Der Expertenstreit in den Kommentarspalten, wer schuld an der Krise ist, scheint uns deshalb wenig glaubwürdig. Wer soll uns dann aber die Krise erklären? MALMOE ist es gelungen, die Geister schulenbildender Ahnherren und –frauen der politischen Ökonomie zu beschwören und in einer Gesprächsrunde zu versammeln, um quasi aus erster Hand über die Ursachen der Krise zu diskutieren. MALMOE: Herr Keynes, seit einem halben Jahr scheint sich alle Welt zu Ihnen zu bekennen. Überrascht sie das? Keynes: Nun, ich war nicht der erste und bin nicht der letzte, der darauf hingewiesen hat, dass Finanzmärkte inhärent krisenanfällig sind. Vor jeder Krise steht ein Boom, und in diesem Boom gibt es eine scheinbar unausrottbare Tendenz zur Schönfärberei bei den Beteiligten, zum Überoptimismus. Da werden waghalsige Geschäfte eingegangen, da werden windige Finanzkonstruktionen aufgetürmt, da werden Krisensignale vernachlässigt. Alles erscheint den Beteiligten in einem gleissenden Licht. Und der Optimismus der einen bestätigt die anderen in ihrer eigenen Zuversicht. Denn auf Finanzmärkten werden die Preise von den Erwartungen der Marktteilnehmer getrieben, und alle, die sich an einen Trend ranhängen, können davon profitieren, solange der Trend anhält. Also gibt es Anreize, Warnsignale zu missachten und stattdessen die anderen nachzuahmen, solange sie erfolgreich sind. Irgendwann – niemand weiss, wann genau - kippt die Stimmung. Sei es, dass ein großer Fonds aussteigt, oder irgendeine eindrucksvolle schlechte Nachricht sich ausbreitet, oder der Boom schon so lange anhält, dass langsam Zweifel in die Aufrechterhaltbarkeit des Booms um sich greifen. Dann kann die Stimmung am Markt urplötzlich von Hoch- in Tiefstimmung kippen, und alle wollen nur noch verkaufen. So war das auch mit dem Immobilienboom der letzten Jahre in Ländern wie USA, Großbritannien, Irland, Spanien und anderen. Der ist mit Schulden finanziert worden, die immer weitere Preissteigerungen der Immobilien zur Voraussetzung gehabt hätten, um finanzierbar zu bleiben. Doch irgendwann war es aus. MALMOE: Sie meinen also, die Krise ist eine Art unvermeidliches Ergebnis der Natur von Finanzmärkten? Keynes: Nicht unvermeidlich! Es ist eine Frage der Regulierung, die hier entscheidend ist. Warum haben wir in den ersten Jahrzehnten nach 1945 kaum Finanzkrisen gehabt? Weil die Politik aus der großen Depression der Zwischenkriegszeit, die auf den Börsenkrach von 1929 gefolgt ist, gelernt hat, und in der Nachkriegszeit eine strenge Regulierung des Finanzsektors vorgenommen hat – nicht zuletzt auf meinen Ratschlag hin. Das hat Krisen verhindert! Und warum haben wir in den letzten 20 Jahren (mit Ausnahme des mehrjährigen Booms vor der jetzigen gigantischen Krise) praktisch jedes zweite Jahr eine Finanzkrise irgendwo auf der Welt? Weil die Lektion der 30er Jahre in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten ist, und man deshalb seit den 80er Jahren immer mehr dereguliert. Die Folge ist, dass Finanzmärkte zu viel Freiheit haben und ihre krisenhafte Natur ungebremst zum Tragen kommt – mit all den Erschütterungen für die wirtschaftliche Stabilität. MALMOE: Können Sie dieser Diagnose etwas abgewinnen, Herr Friedman? Friedman: Ich schätze die intellektuellen Leistungen des Herrn Kollegen, er hat mich zu vielen meiner besten Überlegungen provoziert, aber ich kann mich ihnen leider überhaupt nicht anschließen. Nach jeder Krise hetzt die Öffentlichkeit gerne gegen die Spekulanten, das scheint ein tief verwurzelter Instinkt zu sein. Doch nicht sie haben die Krise verursacht – es ist die Politik, die schuld an dem Schlamassel hat! Denn woher bekam denn die ganze Blase, die Herr Keynes soeben so schön beschrieben hat, ihren Treibstoff? Durch die lockere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank! Die Zentralbank hat die Geldmenge unverantwortlich aufgebläht, Geld war einfach zu billig und im Überfluss vorhanden. Kein Wunder, dass daraus eine Kreditschwemme resultiert hat. Der Versuch der Notenbank, die Wirtschaftskonjunktur zu lenken, ist schief gegangen. Ich sage immer: Die beste Geldpolitik ist eine, die sich an klare Regeln hält, die sie auch veröffentlicht. Wenn der Kurs der Notenbank klar ist, können sich die Märkte daran orientieren, und ihre Dispositionen berechenbar treffen. Dann wird es auch zu keinen Krisen kommen. Keynes: Alle Schuld auf die Notenbank zu schieben, ist doch nichts als ein hilfloser Versuch, Ihren scheinbar unerschütterlichen Glauben an die Unfehlbarkeit von Märkten auch im Angesicht seines offensichtlichen Scheiterns an der Realität aufrechtzuerhalten. Doch wenn Märkte tatsächlich so unfehlbar wären, wie Sie sagen – wie kann es dann sein, dass sich die Finanzmärkte von der Zinspolitik der Notenbanken in die Irre führen lassen, und nur wegen eines kurzfristig niedrigen Zinsniveaus absolut irrwitzige Kreditkonstruktionen aufbauen und windige Geschäfte eingehen, die ihnen selber auf den Kopf fallen? Hat etwa die Notenbank die Banken dazu gezwungen? Natürlich nicht! Und außerdem: Auch in Staaten mit höherem Zinsniveau als in den USA ist es zu einer Blase gekommen, z.B. in Großbritannien. Ganz abgesehen davon, dass das niedrige Zinsniveau in den USA mindestens ebenso von den gigantischen Kapitalzuflüssen aus Ostasien verursacht war wie von den Leitzinsen der Notenbank. Marx: Also bevor sich die zwei Freunde von Markt und Staat hier weiter in die Haare kriegen, möchte ich doch für einen etwas fundamentaleren Blick auf die Sache plädieren. Es ist nicht die Frage, ob der Staat oder der Markt der wahre Schuldige an der Krise ist – das sind doch nur fetischisierende Kategorien. Wir leben bekanntlich in einem System, das Kapitalismus heißt, und da sind Staat und Markt keine gegensätzlichen Akteure, sondern beide sind Institutionen, die unterschiedliche Funktionen für die gesamtwirtschaftliche Kapitalakkumulation ausüben. Der Staat ist kein Gegenpol zum Markt, sondern fungiert als ideeller Gesamtkapitalist, der das Funktionieren der Konkurrenz der Einzelkapitale zu sichern hat. Er muss auch für die Sicherung des Systems sorgen, wenn es in die Krise gerät. Und in die Krise gerät das System nicht, weil irgendwer zu gierig war oder einen Fehler begangen hat, sondern weil das System von Natur aus permanent auf eine Krise zusteuert. Keynes: Aber das sage ich ja – der Staat muss gegensteuern, um die instabilen Märkte zu bändigen! Luxemburg: Für Sie ist der Staat das gute Gegengewicht zum instabilen Markt, eine Art wohlwollender Diktator im Dienste des Volkes. Aber was ist denn in den letzten Jahren passiert? Der Staat hat nicht das Kapital gezähmt, sondern gefördert: Er hat alles getan, um neue Akkumulationsfelder für das Kapital zu schaffen. Darauf ist der Kapitalismus angewiesen: Auf die permanente Erschließung von bislang unerschlossenen Feldern für das Profite-machen. Und das läuft nicht so nett, dass das Kapital einfach verlockende neue Angebote macht, die die KonsumentInnen dann annehmen. Sondern das läuft vielfach über brutale Enteignung. Kollege Marx hat ja einmal gesagt, am Beginn des Kapitalismus steht die „primitive Akkumulation“, also dass mit Waffengewalt die Landbevölkerung aus ihrer Selbstversorgerwirtschaft herausgerissen, von ihrem Land enteignet und zu freien LohnarbeiterInnen gemacht wird. Ein freier Arbeitsmarkt und die Notwendigkeit, für Lohn zu arbeiten, sind also per Gesetz geschaffen worden. Aber es ist ein Missverständnis, zu glauben, das sei ein einmaliger Vorgang am Anfang des Kapitalismus. Es passiert permanent! Die Privatisierung der Gesundheitsvorsorge, die Privatisierung der Pensionsvorsorge, die Verwandlung des Rechts auf Wohnung in das „Recht“ auf einen Hypothekarkredit zur Anschaffung eines Hauses auf einem Markt, wo Häuser vom Wohnraum zum Anlageobjekt werden – all das sind politische Maßnahmen zur Marktschaffung. Und diese Erweiterung von Akkumulationsfeldern für das Finanzkapital hat zu dessen enormer Ausweitung beigetragen. Man könnte das „Akkumulation durch Enteignung“ nennen. Und die Widersprüche in diesem System haben es in die Krise getrieben. Friedman: Auf Märkten werden Widersprüche durch den Preismechanismus und den Untergang von nicht wettbewerbsfähigen Unternehmern gelöst. Dass irgendwelche Widersprüche das Marktsystem in die Krise treiben, ist Ihr Wunschdenken, aber hat nichts mit der realen Funktionsweise des Kapitalismus zu tun, wenn wir schon bei dem Wort bleiben wollen. Wenn es so etwas wie einen Widerspruch gegeben hat in den letzten Jahren, dann höchstens zwischen dem Einkommen der amerikanischen Haushalte und ihrem Konsumniveau. Die Menschen haben einfach über ihre Verhältnisse gelebt! Und die Notenbank hat das ermöglicht, in dem sie Kredite zu billig gemacht hat. Luxemburg: Wenn sie die systematische Verelendung der amerikanischen Arbeiter- und Mittelklasse als „über die Verhältnisse leben“ bezeichnen wollen, bitte. Die Lohndrückerei des Kapitals hat in der Tat zu einer Stagnation der Massenkaufkraft geführt. Und den Wohlfahrtsstaat hat man auch zurückgefahren. Um die Leute trotzdem zum Konsumieren zu kriegen hat man sie in die Verschuldung getrieben. Dass diese Konstellation langfristig nicht aufrechterhaltbar ist bzw. war, ist jahrelang ignoriert worden. Jetzt kommt die Rechnung: Der Kapitalismus muss den Grundwiderspruch, einerseits so geringe Löhne wie möglich zahlen zu wollen, um möglichst hohen Profit machen zu können, aber andererseits kaufkräftige AbnehmerInnen für seine Produkte zu brauchen, irgendwie lösen. Mit der Expansion des Kredits der letzten Jahre hat er die Lösung dieses Widerspruchs nur temporär aufgeschoben. Marx: Schüler von mir haben gezeigt, wie das in unterschiedlichen Perioden unterschiedlich gelöst wird: Im Fordismus Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Unternehmen eingesehen, dass sie den Lohnabhängigen ordentlich was zahlen müssen, damit die dann ihre Produkte kaufen. In den Siebzigern des 20. Jahrhunderts haben die Unternehmen aber Angst gekriegt, dass wohlhabende Arbeiter und Arbeiterinnen in einem Umfeld mit ausgedünnter Reservearmee – also ohne den Druck hoher Arbeitslosigkeit – steigende Macht im Betrieb kriegen, höhere Forderungen stellen und sich nicht mehr alles sagen lassen. Das hat zunehmend auf die Profite gedrückt. In den kapitalistischen Kernländern ist man deshalb zum Gegenangriff übergegangen, und hat systematisch versucht, die Arbeitermacht zu brechen, mit Hilfe betrieblicher Flexibilisierungsstrategien und mit Hilfe des Staates, damit der Wohlfahrtsstaat der arbeitenden Bevölkerung kein sicheres Hinterland bietet. Die Finanzialisierung der Ökonomie, also die Steuerung der Unternehmen über finanzielle Ziele und Eigentumstitel, die jederzeit verkauft werden können, die Globalisierung der Produktionsketten und der Abbau von erkämpften Rechten für Lohnabhängige haben den Flexibilitätsspielraum des Kapitals erhöht. Auch den Spielraum, Verwertungsproblemen in der Produktion - ich nenne das Überakkumulation - durch Aufbau von fiktivem Kapital über Finanzgeschäfte temporär zu entgehen. Doch letztlich kann Mehrwert nur durch die Ausbeutung lebendiger Arbeit geschaffen werden, deshalb platzen solche Blasen fiktiven Kapitals früher oder später, und das Kapital ist wieder auf die immergleiche Frage zurückgeworfen: Wie kann ich neue Akkumulationsfelder erschließen, wie die Ausbeutung in bestehenden Feldern erhöhen? Keynes: Ich denke, dass dem Staat eine viel positivere Rolle zukommen könnte, als nur Handlanger des Kapitals zu sein, wie Sie das sehr einseitig skizzieren. Da ist zum einen die Möglichkeit, umverteilend zu wirken: Über entsprechende Besteuerung wäre dafür zu sorgen, dass Kaufkraft an die unteren Einkommensschichten zugeleitet wird. Das hilft der Gesamtwirtschaft: Arme Menschen geben einen höheren Anteil ihres Einkommens für Konsum aus als reichere – jede Umverteilung nach unten stärkt also die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, die in der Krise so eingebrochen ist. Die zweite Aufgabe des Staates besteht in der stärkeren Regulierung der Finanzmärkte, die einfach zu viel Spielraum eingeräumt bekamen, was eine Entkoppelung von der Realwirtschaft ermöglicht hat, die uns jetzt auf den Kopf gefallen ist. Und die dritte Aufgabe besteht in einer internationalen Koordinierung. Denn eine wesentliche Krisenursache, die von meinen KollegInnen in diesem Gespräch völlig vernachlässigt wird, sind die internationalen Ungleichgewichte. Es gibt Länder mit gigantischen Leistungsbilanzdefiziten wie USA oder auch manche Länder Osteuropas, die quasi als HauptkonsumentInnen der Weltwirtschaft fungieren. Auf der anderen Seite gibt es Länder mit gigantischen Leistungsbilanzüberschüssen, wie China oder Deutschland, die gern an andere verkaufen, aber selbst nicht kaufen wollen. Die Krise besteht darin, dass die USA den Spielraum zur kreditfinanzierten Nachfrage erschöpft hat, und deshalb die Exportländer Absatzschwierigkeiten bekommen; Deutschland ist deshalb von der Krise schwer betroffen. Da muss es irgendeinen Mechanismus geben, um diese Ungleichgewichte auszugleichen. Ich stelle mir zum Beispiel vor, dass die Länder mit Überschüssen einen Teil der Einnahmen in einen Fonds einzahlen könnten, aus dem Kaufkraft in die Defizitländer geleitet wird. Dazu braucht es ein Übereinkommen über einen verbindlichen Ausgleichsmechanismus. Marx: Ich will Ihren Optimismus und Ihre Bewerbung als Samariter des Kapitalismus nicht trüben, aber das kommt mir doch reichlich naiv vor. Sie bauen auf die Einsicht der handelnden Personen in eine planetare Rationalität. Doch diese Personen, so vernünftig und einsichtsvoll sie auch sein mögen, tragen im Kapitalismus Charaktermasken, die ihnen ein bestimmtes Verhalten aufzwingen. Der Leitimperativ lautet Konkurrenz, und dagegen kommt kein Weltrettungsplan, der auf weise Weltlenker vertraut, an. Nur die Lohnabhängigen als Kollektiv können sich darüber entheben – aber nur, indem sie das ganze Haus übernehmen und umbauen, und nicht durch bloßes Verschieben der Inneneinrichtung. MALMOE: Zum Abschluss bitten wir noch um kurze Stellungnahmen zu ein paar Zuschriften von LeserInnen, die uns erreicht haben. Hier die erste Frage: Ein Herr Silvio Gesell schreibt uns, schuld an der Krise sei das Geldsystem. Durch den Zinseszinsmechanismus sei eine Schuldenpyramide aufgebaut worden, die notwendig zusammenbrechen musste. Nur Schwundgeld und ein zinslose Gesellschaft könnten das in Zukunft vermeiden. Keynes: In den 30er Jahren hatte ich gewisse Sympathien für manche Aspekte dieses Ansatzes. Aber ich ziehe eine andere Schlussfolgerung. Ich denke zwar, dass Zinsen reguliert werden sollten, aber ich denke nicht, dass man sie abschaffen kann, wenn man an einer marktwirtschaftlichen Ordnung interessiert ist. Wir leben nicht in einer mittelalterlichen Selbstversorgerwirtschaft, sondern in einer Geldwirtschaft, und da ist Kredit von immenser Bedeutung, und der Zins ist der Preis des Kredits, für den Liquiditätsverzicht des Gläubigers. So wie alle anderen Güter auch ihren Preis haben. Geld permanent zu entwerten führt nur zu einem Ausweichen auf andere Güter, die dann als Ersatzgeld fungieren. Marx: Die Schuldenpyramide entsteht nicht aus einem zu hohen Zins, sondern aus dem Versuch, Erträge aus zukünftiger Ausbeutung nach heute vorzuziehen. Erst das Scheitern bzw. das unzureichende Eintreten dieser erwarteten erfolgreichen Ausbeutung, Kapitalverwertung, führt zum Zusammenbruch der Schuldenpyramide, nicht irgendein ominöser Zinseszinseffekt. MALMOE: Ein Herr Friedrich August Hayek sieht das Hauptproblem im staatlichen Sicherheitsnetz für Banken und dem staatlichen Währungsmonopol. Wenn Banken dem freien Wettbewerb ausgesetzt seien und ihre eigene Währung anbieten könnten, würden sie viel vorsichtiger agieren und im Wettbewerb würde sich der beste durchsetzen. Friedmann: Wettbewerb ist gut, aber er hat einen Ordnungsrahmen zur Voraussetzung, der vom Wettbewerb ausgenommen sein muss. Dazu gehört das Währungsmonopol – das setzt einen gesicherten Rahmen für das wirtschaftliche Handeln, an dem sich alle orientieren können. Dass große Banken im Krisenfall mit staatlicher Hilfe rechnen können, ist aber in der Tat ein Problem. Keynes: Ein Sicherheitsnetz ist notwendig, weil das Geldsystem basiert auf Vertrauen. Wettbewerb um Währungen und staatliche Hilfeverweigerung bei Bankenkrisen würde das Geldsystem noch panikanfälliger machen. Das würde in normalen Zeiten zu übermäßig restriktivem Verhalten der Banken führen, also zu Krediteinschränkung für alle außer für die allersichersten Schuldner. Und in Krisenzeiten würde es zu einer Verstärkung der Panik führen. Die staatliche Hilfe für Banken ist ein Dilemma, aber es geht nicht ohne. MALMOE: Antonio Negri kritisiert, dass die Dimension des Klassenkampfs in der Diskussion zu kurz gekommen sei. Die Krise sei Ausdruck des Klassenkampfs: Die Lohnabhängigen in den USA hätten durch ihre überbordende Privatverschuldung eine Weigerung zum Ausdruck gebracht, sich der monetären Disziplinierung zu unterwerfen, eine Weigerung, ihre Ausgaben an ihr bescheidenes Lohnniveau anzupassen. Diese aktive Rolle müsse betont und als Ausdruck von Antagonismus interpretiert werden, statt die PrivatschuldnerInnen nur als passive Opfer zu zeichnen. Marx: (schmunzelt väterlich, und schweigt) Luxemburg: Mit solchen spontaneistischen Elementen müssen wir uns in der Bewegung immer wieder herumschlagen. Ich halte diese Interpretation für eine voluntaristische Abweichung, über die wir intern noch zu diskutieren haben werden! online seit 06.06.2009 20:37:41 (Printausgabe 46) autorIn und feedback : Beat Weber |
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Was wurde eigentlich aus...? Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 15: Hardt/Negri [24.08.2010,BW] Was wurde eigentlich aus...? Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 13: Grundeinkommen [11.06.2010,Marion Stoeger] Die Kinder vom AMS Ein Bericht zum Arbeitsmarktservice Jugendliche in Wien [31.05.2010,Philip Taucher] die nächsten 3 Einträge ... |
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