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TransPersonen am österreichischen Arbeitsmarkt Ein Forderungskatalog Weltweit kämpfen immer mehr Organisationen und Einzelpersonen auf unterschiedlichsten Ebenen für die Rechte von TransPersonen. Wichtige Bereiche sind freie Wahl des geschlechtlichen Ausdrucks ohne Bedrohung des Lebens, adäquate medizinische Versorgung, Gleichstellung am Arbeitsplatz u.v.m. Auch in Österreich gibt es einige TransSelbstorganisationen, die noch immer den Großteil der gesellschaftspolitischen Arbeit übernehmen, und langsam werden auch bei LGBT-Abteilungen politischer Parteien, in der Privatwirtschaft wie auch im öffentlichen Bereich transspezifische Belange mitgedacht. Um sinnvoll gegen Diskriminierungen angehen zu können, sind kurzfristige Strategien, die im Hier und Jetzt wirken, genauso wichtig wie mittel- und längerfristige Maßnahmen, die die Situation von TransPersonen nachhaltig verbessern. Dafür sind politische Entscheidungsträger_innen, Ämter und staatliche Einrichtungen genauso gefordert wie Medien, NGOs im Antidiskriminierungs- und Menschenrechtsbereich und Einzelpersonen. Die Studie „TransPersonen am österreichischen Arbeitsmarkt“ bestätigt, was Selbstorganisationen von TransPersonen und Einrichtungen für TransPersonen bereits jahrelang predigen: es besteht noch ein großer Handlungsbedarf, bis TransPersonen in all ihrer Vielfalt ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind. Denn „the acknowledgment and acceptance of gender diversity is an integral part of a modern European society“ (TGEU Berlin 2008). TransPersonen fordern Anerkennung und Akzeptanz: auf dem Arbeitsmarkt genauso wie in den Medien, in der Medizin genauso wie im alltäglichen Leben. Die Lebensrealitäten von TransPersonen können nur langfristig nachhaltig geändert werden, indem ein Gesellschaftswertesystem hinterfragt wird, das auf zwei Geschlechtern Frau/Mann aufbaut. Es gibt unzählige Forderungen für die Verbesserung der Situation von TransPersonen in Österreich, die sich auch im Rahmen der Studie einmal mehr aufgedrängt haben. Hier sollen einige skizziert werden. * Die Zweigeschlechterordnung muss hinterfragt und kritisiert werden. Diese beim ersten Europäischen Transgender Council inWien mit großer Mehrheit aufgestellte Forderung kann als eine der zentralsten Forderungen von TransPersonen und -Organisationen überhaupt gesehen werden. Es kann nicht sein, dass es nur die zwei Geschlechter Mann und Frau geben darf, dass ein Mensch ein Leben lang nur eines der beiden Geschlechter leben darf, dass Sexualität nur zwischen Mann und Frau zum Zwecke der Fortpflanzung passieren darf etc. Diese Ordnung entspricht nicht der Realität, auch wenn sie durch Gesetze, Normen und alltäglichen Umgang miteinander geregelt und aufrechterhalten wird. Medien und ihre Akteur_innen sind dazu aufgerufen, die rigide Zweigeschlechterordnung aktiv zu hinterfragen und über TransPersonen als gleichberechtigte Akteur_innen der Gesellschaft in einer sensiblen und respektvollen Weise aufzuklären. Gleichzeitig müssen Medien für mehr TransPersonen geöffnet werden, damit diese selbstbestimmt als Akteur_innen auftreten können und somit sichtbar aus dem (oft diskriminierten) Randbereich der Gesellschaft heraustreten. * Keine Diskrepanz zwischen gewähltem Geschlecht und Dokumenten TransPersonen erleben noch immer Diskriminierungen am Arbeitsmarkt, u.a. weil in den Dokumenten der Geschlechtseintrag vermerkt ist. Dieser sagt nichts aus über die real gelebte Identität bzw. Lebensweise Einzelner, sondern spiegelt gesellschaftlich genormte Geschlechterbilder. TransX fordert schon seit Jahren das Streichen des Geschlechtseintrags aus den Ausweispapieren: „Der Staat soll uns ungeachtet unserer Herkunft, Religion und unseres Geschlechts behandeln. Geschlechtsdeklarationen und Geschlechtsdiskriminierungen in amtlichen Ausweispapieren sind zu streichen“ (TransX-Forderungspaket 2001). Es kann nicht angehen, dass TransPersonen strukturell diskriminiert werden, weil der Geschlechtseintrag in den Dokumenten nicht mit den von den TransPersonen selbstbestimmten Lebensentwürfen übereinstimmen. * Kündigungsschutz für TransPersonen Wie die Studie zeigt, kommt es bei 15% der Befragten zu einer Kündigung aufgrund ihres TransSeins, 29% wechseln ihre Arbeitsstelle kurz vor oder nach Outing und/oder geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Andere warten auf einen Vorgesetztenwechsel bzw. ihre Pensionszeit, bevor sie ihr gewähltes Geschlecht (voll) leben. Um diese Missstände auszugleichen, ist ein gesetzlich verankerter Kündigungsschutz für TransPersonen ab ihrem Outing notwendig. Parallel zum Kündigungsschutz sowie anderen rechtlichen Verbesserungen braucht es intensive Antidiskriminierungs-, Aufklärung und Sensibilisierung zu Transphobie und TransPersonen als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft. * Das Gleichbehandlungsgesetz muss für alle TransPersonen gelten, nicht nur rund um die Geschlechtsangleichung Gespräche mit TransX, dem Klagsverband, der Gleichbehandlungsanwaltschaft und TransPersonen in der Diskussionsrunde haben einmal mehr gezeigt, dass das übliche Verständnis von Geschlecht als Mann/Frau, das sich auch in Gesetzen niederschlägt, nicht ausreicht für TransPersonen. Das Gleichbehandlungsgesetz muss auf die Bedürfnisse und die Problemlagen von TransPersonen in einer rigide gehandhabten Zweigeschlechterordnung angepasst und entsprechend erweitert werden. Damit auch TransPersonen am Arbeitsmarkt wie auch beim Zugang zu und der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen ihre Rechte voll einklagen können, braucht es eine klare und explizite Stellungnahme von staatlicher Seite. Es ist für TransPersonen unabdingbar, dass sie ihre Rechte auch wirklich einfordern können. Ohne staatliche Unterstützung bleibt es ein Kampf Einzelner für ein Anliegen, das alle in der Gesellschaft angeht: Antidiskriminierung und Gleichbehandlung, Anerkennung und Akzeptanz. * TransSein als wichtiger Bestandteil in der Bildungsarbeit TransSein und TransPersonen kommen bis dato im Bildungsbereich – wenn überhaupt – in keinster Weise positiv vor. Es kann nicht sein, dass TransPersonen exotisiert und sexualisiert dargestellt werden. Um eine positive, selbstbestimmte Darstellung von TransPersonen als gleichberechtigen Teil einer Gesellschaft zu zeigen, braucht es Antidiskriminierungsarbeit, Aufklärung und Sensibilisierung auf allen Ebenen, auch im Bereich Bildung. Diese Schulungen sollen v.a. von TransPersonen konzipiert und durchgeführt werden. Besonders Kinder und Jugendliche brauchen positive Beispiele in Lehrunterlagen und Literatur, Filmen, Computerspielen etc. Für nachhaltige Veränderungen „in den Köpfen der Menschen“ ist Bildungsarbeit im Kinder- und Jugendbereich zentral. * Sensibilisierung in Betrieben -- Anerkennung von TransSein als wichtige Ressource in einer diversen und offenen Gesellschaft Ein Outing am Arbeitsmarkt betrifft nicht nur die einzelnen TransPersonen, sondern auch ihr Umfeld: AMS-Mitarbeiter_innen, Arbeitskolleg_innen, Untergebene, Arbeitgebende etc. Da TransSein noch immer – auch von medizinischer Seite – als Krankheit definiert wird, TransPersonen in den Medien meist fremdbestimmt exotisiert und sexualisiert werden und transunterstützendes Engagement von einzelnen Personen abhängt, haben die meisten Personen ein bei weitem unzureichendes Wissen über das TransSein. Bei vielen größeren und v.a. international tätigen großen Betrieben ist ein Diversity-Ansatz incl. Treffen und Schulungen der Belegschaft Teil der Firmenpolitik, bei kleinen Betrieben fehlen dafür oft die notwendigen Ressourcen. Externe Ressourcen wie etwa Beratungsstellen sind deswegen ein wichtiger Beitrag für eine Gesellschaft mit gleichberechtigten Teilhaber_innen. Diese Ressourcen müssen staatlich zur Verfügung gestellt werden. Externe Stellen können TransPersonen und ihr betriebliches Umfeld in ihrem Outing begleiten. Solche Services müssen konstenlos zur Verfügung stehen. Einige Stellen gibt es in Österreich bereits, v.a. in Wien (etwa die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen). Diese sollen einerseits bekannter gemacht werden und andererseits sollen die Begriffe „Trans“ oder „Transgender“ explizit in der Bezeichnung bzw. im Namen dieser Stellen erscheinen. Viele Diversity-Ansätze sind oberflächlich und die Betriebe/NGOs bemühen sich nicht um deren Umsetzung. Dafür braucht es politisierte Diversity-Ansätze. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Situation von TransPersonen am Arbeitsmarkt verbessert werden muss. Hier sollen einige mögliche Strategien aufgezählt werden: * Selbstbestimmte Interessensvertretung wie etwa Gewerkschaft von TransPersonen, die die Belange von TransPersonen vertritt. * Positive Diskriminierung für TransPersonen am Arbeitsmarkt * Praxisleitfäden für TransPersonen in Unternehmen und auf Arbeitssuche mit ihren Rechten und Möglichkeiten und realen positiven Beispielen * Antidiskriminierungs-, Aufklärungs- und Sensibilisierungsschulungen in allen gesellschaftspolitischen Bereichen (Medien, Bildung, Medizin, Arbeitsmarkt u.a.). Diese Schulungen sollen v.a. von TransPersonen konzipiert und durchgeführt werden. * Selbstbestimmte Schulungen für TransPersonen über ihre Rechte in allen gesellschaftspolitischen Bereichen * Aufzeigen bereits existierender positiver Beispiele in Unternehmen * Selbstbestimmte Antidiskriminierungs-, Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen zum Thema Transphobie * Mehr Ressourcen für Selbstorganisationen von TransPersonen * Praxisleitfäden in Unternehmen für TransPersonen, Arbeitgebende und Mitarbeiter_innen, etwa in Anlehnung an solche für Wiedereinsteiger_innen * Inklusion von TransBelangen in allgemeine Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitiken Dieser Text entstand im Rahmen des Projekts „Collective Start“, gefördert vom BMWA und koordiniert vom Verein maiz. Verein diskursiv: Persson Baumgartinger, Vlatka Frketić online seit 16.09.2008 10:49:02 autorIn und feedback : diskursiv |
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