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Bank hält Hof

Ist eine Uni-Vorlesung gekauft?

Das Vorlesungsverzeichnis der Universität Wien ließ im Sommersemester aufhorchen: Die Studienprogrammleitung Philosophie hält eine Ringvorlesung zum Thema „Corporate Social Responsibility“ (CSR) ab. Hauptthema der Vorlesung ist das diesbezügliche Wirken eines einzigen Unternehmens – der Erste Bank. Die Bank stellt auch etwa die Hälfte der Vortragenden.
Der Protest von Studierenden ließ nicht lange auf sich warten. Schienen doch hier die bösesten Satiren über die Folgen der Vermarktlichung der Universitäten wahr zu werden: Ein Unternehmen kauft sich eine Lehrveranstaltung und bestimmt die Inhalte, so der sich aufdrängende Verdacht. Protest-Flugblätter und kritische Wortmeldungen seitens des studentischen Publikums begrüßten die Podiumsgäste der Auftaktveranstaltung. Dass diese mit dem Rektor der Universität Winckler, dem Erste Bank-Generaldirektor Treichl und dem Philosophie-Dekan Kampits prominentest besetzt war, unterstreicht die Bedeutung dieses Events als Wendepunkt auch in der Wahrnehmung der Veranstaltenden.
Claudia Saller, Geschäftsführerin des von NGOs und Gewerkschaften getragenen Netzwerks Soziale Verantwortung, hat in einem offenen Brief an den Dekan Kritik an der Veranstaltung geübt.

VerfechterInnen einer von Wirtschaftsinteressen unabhängigen universitären Lehre kritisieren die Vorlesung der Erste Bank, weil sie darin ein Einfallstor für Einflussnahme auf Inhalte über Geld sehen. Doch auch aus der CSR-Community kommt Kritik. Was stört sie an der Sache?

CS: Konkret stören mich 3 Dinge: Erstens, hier passiert genau das, was beim Thema CSR immer passiert: Unternehmen erhalten bzw. schaffen sich eine Plattform, um sich (meist im strahlenden Glanz) darzustellen, also eine Werbe-Plattform. Zivilgesellschaftliche Anspruchsgrupen (neudeutsch: Stakeholder) werden alibihalber ein bisschen eingebunden. Dass die Uni Wien darauf hereinfällt und das Konzept so mitmacht, finde ich beschämend. Nur zwei VertreterInnen von Non Profit Organisationen haben hier Gelegenheit zu sprechen - beschränkt auf Projekte, die sie in Kooperation mit der Erste Bank durchführen.

Zweitens, der völlig intransparente Fluss der „Drittmittel“. Man erhält keinerlei Auskunft darüber, wieviel Geld wofür verwendet wurde. Drittens, die fehlende wissenschaftliche Aufarbeitung der konkret präsentierten Inhalte der Erste Bank. Die CSR Implementierung eines Unternehmens wissenschaftlich zu analysieren, wäre ja prinzipiell gut und richtig, aber genau das findet hier nicht statt.

Die Erste Bank ist bemüht, sich als soziale Bank darzustellen: In Osteuropa sponsort ihre Stiftung Kunst und Kultur, im Inland betreibt sie mit der „Zweiten Sparkasse“ ein Sozialservice für Überschuldete. Auf der anderen Seite expandiert sie in ihrem Kerngeschäft kräftig und fährt einen Effizienzkurs, der ihr Riesengewinne beschert. Ist diese Doppelstrategie nicht ein typisches Beispiel für das, was „Corporate Social Responsibility“-KritikerInnen immer behaupten: Dass CSR nichts anderes ist als eine PR-Maßnahme, mit der Akzeptanz für ganz normales profitorientiertes Wirtschaften herzustellen versucht wird?

CS: CSR bleibt so lange eine PR- bzw. Marketingmaßnahme, solange sie keinerlei Verbindlichkeiten unterliegt sondern dem Belieben einzelner ManagerInnen überlassen bleibt. Sponsoring ist nicht per se Wahrnehmung sozialer Verantwortung, vor allem, wenn es nichts mit dem Kerngeschäft eines Unternehmens zu tun hat, wie etwa Kultursponsoring durch eine Bank. Treichl – bemüht, den Eindruck einer Werbeveranstaltung zu zerstreuen - hat in der ersten Vorlesung auch explizit gesagt, dass die „Zweite Sparkasse“ für ihn nichts anderes als ein Geschäftsmodell ist. Nachdem die MitarbeiterInnen der „Zweiten“ alle ehrenamtlich dort arbeiten, rechnet sich dieses Modell sicher auch.

Das heißt nicht, dass soziale Verantwortung sich nicht rechnen darf oder kann. Wichtig ist, CSR als ganzheitliches Konzept zu verstehen.

Wie war die Reaktion auf Euren offenen Brief an Kampits?

CS: Dekan Kampits und Rektor Wickler (der zufälligerweise im Aufsichtsrat der Erste Bank sitzt und ebenfalls von uns angeschrieben wurde) haben unseren Brief an Uniport weitergeleitet, eine GmbH, die 75 % im Besitz der Uni Wien ist und der „Impulsgeber“ für diese Lehrveranstaltung war. Uniport hat sich sehr interessiert gezeigt, bei künftigen derartigen Vorhaben schon im Vorfeld verstärkt mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zu kooperieren. Das ist zwar positiv, trotzdem bleibt der Eindruck, dass die eigentlichen Entscheidungsträger ihre Verantwortung ausgelagert und abgegeben haben.





online seit 24.04.2008 13:27:52 (Printausgabe 41)
autorIn und feedback : verdienen


Links zum Artikel:
www.sozialeverantwortung.at/



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