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Die staatlichen Prekarisierer

AMS Projekte prekär

Mitte des Jahres war noch immer ungeklärt, ob das Berufsorientierungs-Projekt, in dem wir seit 2004 beschäftigt waren, auch im August noch existieren wird. Das sind die Zeithorizonte, die Ausschreibungspolitik im Allgemeinen und das AMS als Auftraggeber in unserem Fall vorgeben. Das ist die Planungssicherheit, die meine Kolleginnen und ich lebten: „Es wäre schon ganz angenehm, wenn wir im Juni schon wüssten, ob wir am 31.07. unsere Arbeitsplätze räumen müssen.“ Wir wussten sehr genau, dass wir nicht wissen, ob wir in diesem Herbst kontinuierlich weiter / unter geänderten Bedingungen / oder überhaupt nicht mehr arbeiten. Zutreffendes angekreuzt haben aber nicht in erster Linie wir selbst. Diese Entscheidung treffen andere.

Diese Unsicherheit muss gut organisiert werden – Wir sind auf alle Fälle vorbereitet, wir haben unsere Arbeit gut zu leisten, unsere Aufträge zu erfüllen, wir haben auch unsere eigene Liquidierung, wenn nötig, gut abzuschließen. Diese Unsicherheit muss gut organisiert werden – im Großen wie im Kleinen. Urlaube sollen abgebaut werden, die Urlaubsplanung soll ebenfalls allen oben genannten Eventualitäten angepasst werden. Die Mütter unter uns stehen vor den Sommerferien und Schließzeiten der Betreuungseinrichtungen, unsere PartnerInnen wollen Reisen planen, FreundInnen warten auf eine Zusage eventueller Ferienbesuche,…. „Ich weiß leider noch gar nichts“, antworte ich.

Anfang August war ich arbeitslos. Wir haben entschieden, bei „all dem“ nicht mehr mitzumachen. Ich habe Anspruch auf Ersatzleistung. Denn wir waren Relikte aus grauer Vorzeit (wie gesagt, 2004), wir konnten mit und in Anstellungsverhältnissen arbeiten. Dieser Luxus(!) allerdings ist vorbei, wurde signalisiert. Zusammengefasst, nun kümmert sich um mich das AMS, denn mein Arbeitsplatz, finanziert durch das AMS, wurde eingespart vom AMS.

Freilich, TrainerInnen, BeraterInnen, SozialarbeiterInnen,... sind gefragt. Die vieldiskutierten (Zwangs-)Maßnahmen des AMS stehen ja auf zwei Beinen, den zu Verwahrenden und den VerwahrerInnen. Und der Markt boomt. Aber was für einer! Das Arbeitsamt als Arbeitsplatzvermittler wird oft kritisiert, das Arbeitsamt als Umschulungs- und Weiterbildungsagent oft diskutiert und skandalisiert. Zeit, auch mal das Arbeitsamt als Auftraggeber und Arbeitsplatzschaffer in diesen Kanon mit aufzunehmen! Aufträge, die das AMS an Bildungsträger vergibt, lassen Anstellungen so gut wie nicht mehr zu, Prekarität wird erzwungen. Arbeitsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung(!) - Luxus. Planungssicherheit für das nächste Jahr, das nächste Monat, die nächste Woche (und das für Verwahrte und VerwahrerInnen) - sekundär. Es scheint, Innovationsfreudigkeit und Hirnschmalz werden weniger in die Agenden Arbeitsmarktpolitik, Ausbildung oder gar Förderpolitik investiert, sondern wahre Innovationsfreudigkeit und Kompetenzen verbergen sich hier – beim Kürzen, Sparen, Filetieren. Dass hierbei wenig und immer weniger Qualität in den Maßnahmen und Zwangsmaßnahmen übrig bleibt, ist eine Folge. Dass vorwiegend Bildungsträger übrigbleiben, die wenig und weniger Qualität bereit sind mitzutragen, wird wahrscheinlich eine Folge sein.

Im Oktober werde ich am AMS ausrichten, die vom AMS geschaffenen unversicherten Arbeitsplätze werde ich in Zukunft meiden! Denn sonst hätte ich ja nach meinem nächsten Job nicht mal mehr das Recht oder die Möglichkeit, Arbeitslosengeld zu beziehen.




online seit 18.12.2007 15:07:18 (Printausgabe 39)
autorIn und feedback : dita.


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/verdienen/1523ALVG-Novelle: Daumenschrauben für Arbeitslose



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