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Ethisches Investment: das Versprechen von Rendite ohne Reue

„Sie interessieren sich nicht nur für eine gute Rendite? Sie wollen auch sicher gehen, dass Ihr Geld Gutes tut und fördert?“ Mit diesen und ähnlichen Werbesprüchen werden von Finanzinstituten KundInnen geworben, die mit einer Finanzanlage nicht nur ihre persönlichen Einkommensziele verwirklichen wollen, sondern darüber hinaus auch ihren ethischen, moralischen und politischen Ansprüchen gerecht werden wollen. Eine positive, bejahende, konstruktive Grundhaltung ist dieser AnlegerInnengruppe gemein und sie grenzen sich damit von den „nihilistischen“ FinanzmarktkritikerInnen ab. Individuelle Ethik gegen den angeblichen Politdestruktivismus „gewaltbereiter Globalisierungsgegner“.

Wer heute sein Geld „ethisch“ anlegen will, dem/der steht mittlerweile eine unübersichtliche Angebotspalette gegenüber, die dazu führt, dass die individuellen AnlegerInnen zumeist überfordert sind und sich daher eine alternative Vermögensberatungsbranche inklusive eigens spezialisierter Ratingagenturen etablieren konnte, die von diesen Informationsdefiziten profitiert. In der Regel wird nämlich die Auswahl der Anlageprodukte an diese Intermediäre delegiert. Damit verlässt sich – entgegen der Behauptung aktiver Mitgestaltung am Wirtschaftsleben, mit der für ethisches Investment geworben wird – der/die Anlegerin auf das Urteil von Dritten. Dies macht bis zu einem gewissen Grad Sinn, da die Überprüfung des Zutreffens ethischer Kriterien auf Anlageprodukte bei diesen BeraterInnen gebündelt und regelmäßig vorgenommen wird, während der/die einzelne AnlegerIn nicht in der Lage ist, etliche in einem Fonds befindliche Firmen oder Länder (Staatsanleihen) daraufhin zu kontrollieren, ob sie wenig Schadstoffe emittieren, ihren MitarbeiterInnen einen anständigen Lohn zahlen, ausreichend Frauen unter den Führungskräften beschäftigen und wenn möglich nicht in einem Nebenzweig im Pornogeschäft tätig sind.

Da die VermögensberaterInnen und Ratingagenturen ihre Kriterien ethischen Investments aus Effizienzgründen jedoch standardisiert haben, heißt das aber auch, dass sich in der „Szene“ mittlerweile ein recht einheitlicher Wertekanon zu ethischen Anlagekriterien etabliert hat. Zwar können die einzelnen AnlegerInnen mal ein bisschen für mehr Öko- und weniger Sozialkriterien votieren, für ausgefallene Wünsche wie „bitte nicht homophob“ oder „bitte nicht antisemitisch“ finden sich aber keine entsprechenden Prüfaspekte. Auf dem deutschsprachigen Markt besonders etabliert hat sich in den letzten Jahren der sog. Frankfurter Hohenheimer Leitfaden, der seit 1997 existiert und der über 1000 Unternehmen bewertet. Seine auf K.O.- und O.K.-Kriterien fußenden Prüfaspekte umfassen die Sozial-, Natur- und jüngst auch die Kulturverträglichkeit. Der Leitfaden wird maßgeblich von kirchlichen (christlichen) Institutionen gestaltet. Da diese entsprechend hohe Summen für die Pensionsvorsorge ihrer MitarbeiterInnen anlegen müssen, gelten sie am Markt für ethisches Investment auch als die bedeutendsten Nachfragerinnen. Der Leitfaden enthält in der Form von zehn Geboten wirtschaftsethische Normen, die auch die Grundlage ethischen Investments bilden. Die meisten der Unterpunkte dieser Gebote, die recht nichtssagend lauten, wie etwa „Du sollst niemandem Schmerzen verursachen!“ oder „Du sollst niemanden über das Können hinaus sittlich beanspruchen!“, können gestandene Linke auf der Stelle unterschreiben. Es finden sich aber auch, und dies trifft auch auf zahlreiche der spezialisierten Finanzinstitute in Österreich zu, „ethische“ Kriterien, die zumindest zu problematisieren, wenn nicht abzulehnen sind. Besonders häufig stellt etwa Abtreibung (Abtreibungsprodukte, -kliniken, etc.) ein Ausschlusskriterium dar. Ebenso finden sich Alkohol- und Tabakproduzenten sowie Glücksspielanbieter oftmals auf der Pfui-Liste. Auch die Länderratings verursachen schalen Beigeschmack, gerade wenn etwa im Umkreis der katholischen Kirche von Investitionen in islamische Länder abgeraten wird. Oder wenn wie in den USA Kirchenverbände zur „shareholder action against Israel“ aufrufen, wonach AktionärInnen ihre Investitionen aus Israel abziehen sollen.

Analog zur „Ja natürlich“-Etikette des ethischen Konsums zeigt sich auch beim ethischen Investieren, dass nicht immer drin ist, was drauf steht. Viele der problematischen Aspekte des ethischen Konsums (siehe MALMOE 35) wie das Freikaufen von schlechtem Gewissen, Imageauffettung für Unternehmen, naiver Glaube an „etwas verändern/bewirken können“, etc. treffen ebenso auf ethisches Investment zu. Hinzu kommt aber auch, dass in Zeiten, in denen die öffentliche Hand Finanzmärkte bereits massiv und fragwürdig fördert (siehe Pensionsvorsorge), durchwegs gutmeindende AlternativanlegerInnen noch zusätzlich für das Aktienengagement mobilisieren. Diese Mobilisierung findet jedoch eher in den Köpfen als auf den Märkten statt. Denn noch stärker als beim ethischen Konsum fehlt es dem ethischen Investment allein schon aufgrund der Einkommensverteilung in Österreich an einer kritischen Masse. Schätzungen zufolge werden lediglich 1-2% aller in Österreich getätigten Finanzinvestitionen nach ethischen Kriterien angelegt. Auch wenn in absoluten Zahlen die Tendenz steigend ist, wird hier einmal mehr die periodisch alle paar Jahrzehnte auftauchende Vorstellung von der Aktionärsdemokratie, in der Individuen über Aktienbesitz Anteil und Verantwortung an der Wirtschaft haben, ein Traum bleiben. Ein Traum, der sich allerdings verwirklicht, sind nette Nischen- und Zugewinne für Finanzinstitutionen.


online seit 26.03.2007 14:19:26 (Printausgabe 36)
autorIn und feedback : Maria Kader


Links zum Artikel:
www.malmoe.org/artikel/top/1359Malmoe-Schwerpunkt Wirtschaftsethik



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