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Profit und Verantwortung Was steckt hinter „Corporate Social Responsibility“? Ein Roundtable-Gespräch Mit „Corporate Social Responsibility“, kurz CSR, ist in den letzten Jahren ein Ansatz aufgekommen, der Unternehmen zu sozial verantwortlichem Handeln veranlassen will, und beansprucht, die gesellschaftliche Kritik an Unternehmen mit dem Profitstreben zu versöhnen. Ob das ausreichend ist und ob dieser Anspruch in der Realität auch eingelöst wird, darüber gibt es seit Jahren eine heftige Debatte zwischen VertreterInnen von Wirtschaft, Gewerkschaften und NGOs, sowie CSR-Beratungsunternehmen. Was ist der Stand der Debatte? Es diskutieren: Christian Felber (CF), Attac-Gründungsmitglied, Freier Publizist und Buchautor Peter Köppl (PK), Geschäftsführer der Consultingfirma Kovar & Köppl und Buchautor zum Thema Lobbying und CSR Barbara Liegl (BL), Vorstandsmitglied des Netzwerks Soziale Verantwortung (NeSoVe), das Unternehmen aus Sicht von anderen betroffenen gesellschaftlichen Gruppen beobachtet Roman Mesicek (RM) Geschäftsführer von respACT Austria – Verein zur Förderung gesellschaftlicher Verantwortung von und in Unternehmen Wie kann man CSR definieren, welche Tätigkeitsbereiche umfasst es, wer ist betroffen? RM: Wir halten uns an die EU-Definition, die besagt, dass CSR als ein Managementkonzept auf freiwilliger Basis Unternehmen dabei unterstützt, soziale und ökologische Belange in ihre Geschäftstätigkeit zum Nutzen der Gesellschaft zu integrieren. CSR ist damit ein Instrument für Unternehmen, das eigene Engagement sowohl für soziale als auch für ökologische Herausforderungen aufzuzeigen und überprüfbar zu machen, wodurch sich schließlich ein Vertrauensgewinn ergibt. Vergangene Ereignisse haben den Unternehmern gezeigt, dass verantwortliches Handeln für ihren wirtschaftlichen Erfolg unabdingbar ist, und damit bereits zahlreiche zu mehr Einsatz getrieben. Peter Köppl, was heißt CSR in der Praxis, was passiert genau, wenn ein Unternehmen einen CSR-Berater engagiert? PK: Die eine Antwort, die auf alle Fälle passt, gibt es nicht. Der zentrale Aspekt ist, sich anzuschauen, welche Verantwortungsbereiche hat das Unternehmen. Eine Großbäckerei in Tulln hat andere Verantwortungsbereiche als ein Multi aus der Pharmabranche. Die Kritik, die sich an der Verantwortung der beiden Beispielunternehmen richtet, kommt im einen Fall wohl von regionalen Gruppierungen, im anderen Fall von international agierenden KritikerInnen und Medien. Die Ausgangssituation ist die Einhaltung der bestehenden Gesetze - für viele Unternehmen ist es mal interessant, zu sehen, wie sieht es eigentlich aus mit dem Behinderteneinstellungsgesetz, dem Lehrlingsausbildungsgesetz u.ä., und geht dann in ökologische und gesellschaftliche Verantwortung hinein, und versucht eine aus der Logik des Unternehmens herauswachsende Strategie für ein verantwortungsbewusstes Agieren zu entwickeln. Klingt kompliziert, in Wahrheit ist es die kaufmännische Sorgfaltspflicht. Der Berater hilft den Fahrplan zu erstellen, ihn umzusetzen, und mit den relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen diese Kooperation und Verantwortungsübernahme zu kommunizieren und idealerweise auch gemeinsam umzusetzen. CSR klingt eigentlich wunderbar. Ist das nicht etwas, was wir alle wollen? BL: Wollen tun wir es schon alle, das Problem betrifft die Umsetzung: Das eine ist die Einhaltung von gesetzlichen Mindestnormen. Das andere ist, darüber hinaus zu gehen - das sollte CSR bedeuten, wird aber von vielen Unternehmen, die sich mit CSR beschäftigen, nicht so gesehen. Es gibt auch Firmen, die sich nicht mal an die Mindestnormen halten. CSR muss auch wirklich die Kernkompetenzen eines Unternehmens erfassen. D.h wir wehren uns dagegen, dass Sponsoringprojekte für NGOs und anderes unter dem Label „CSR“ verkauft werden. Um CSR im Unternehmen umzusetzen, muss sich im Unternehmen selbst etwas ändern. Das ganze muss Eingang in die Unternehmenskultur finden. Ein weiterer Punkt, der von Firmen oft nicht so gelebt wird, wie wir es gerne hätten, ist, dass nicht immer alle betroffenen Stakeholder eingebunden werden. Die wichtigsten Stakeholder sind die MitarbeiterInnen, des weiteren externe Grupppen und Communities, sowie Zulieferer- und Abnehmerfirmen. Ein Anliegen von uns ist es auch, nicht nur Unternehmen anzuschauen, die sagen, sie machen CSR, sondern es gibt viele Unternehmen, die gar nichts sagen und sehr viel machen, sowie eine große Gruppe, die weder etwas sagen noch etwas tun. Auch bei diesen sollte man nachfragen. Zuletzt ist noch Transparenz wichtig - viele sagen, sie machen CSR, es wird aber nicht transparent gemacht, wie das funktioniert, noch was die Ergebnisse sind. Da gibt es Hochglanzbroschüren, aber man weiß nicht, was dahinter steckt. Warum erlebt CSR in letzter Zeit einen solchen Aufschwung? CF: Soziale Verantwortung sollte etwas ganz Selbstverständliches sein, und alle sollten sich daran ausrichten, dass es ein gelingendes Miteinander gibt. Alles andere führt zu nicht gelingenden Sozialbeziehungen. Das dumme ist: im Kapitalismus ist das Gemeinwohl nicht das Ziel. Im Kapitalismus ist das Ziel des Wirtschaftens die Kapitalvermehrung, daraus resultieren zahlreiche Konflikte, Umweltschäden, Lohndumping, Betrug etc. Die Grundethik steht dem Gemeinwohl entgegen. Darum ist es ein Widerspruch, den Kapitalismus zu entfesseln, und dann seine Akteure an die soziale Verantwortung zu erinnern. Und dieses System hat in den 90ern nach Mauerfall und Globalisierung wieder ein Stück zu sich gefunden, wir haben uns in Richtung Neoliberalismus, einer reineren Form des Kapitalismus bewegt, und deshalb passieren wieder mehr Kollateralschäden in allen gesellschaftlichen Bereichen. Deshalb wird der Ruf der Weltöffentlichkeit lauter, dass sich die Wirtschaftsakteure gemeinwohlorientierter verhalten sollen. Die Vorschläge nach verbindlichen Spielregeln aus Bewegungen und Vereinten Nationen werden aber vom Tisch gewischt, dafür kommt aus den Unternehmensvertretungen selbst ein Gegenvorschlag - nämlich soziale Unternehmensverantwortung in einer ganz bestimmten Definition: Dass das rein freiwillig sein soll. Und da fragen wir, warum sollen ausgerechnet die Spielregeln für die größten und mächtigsten Akteure der Gesellschaft auf Freiwilligkeit beruhen, und für alle weniger mächtigen Gesellschaftsmitglieder ist alles verbindlich, von Respektierung der Straßenverkehrsordnung bis Respekt vor Privateigentum? Wie sieht es aus mit der Verbindlichkeit von CSR-Normen? RM: Wie gesagt basiert CSR auf Freiwilligkeit. Das ist auch wichtig, denn Freiwilligkeit schafft Freiraum, in welchem Unternehmen kreativ sein können. Unternehmen engagieren sich, weil es ihnen selbst etwas bringt, nicht weil sie einem weiteren Gesetz folgen, das sie einhalten müssen. Dennoch, vor allem die großen multinationalen Konzerne setzen sich stark für ein globales Regelwerk im Bereich CSR auf Basis der Internationalen Standardisierungsorganisation ein. Sie erwarten sich daraus eine Art Checkliste, die es gilt abzuarbeiten. Wir glauben, dass das kontraproduktiv ist. Große Unternehmen wird eine solche Norm durch Mindesterfüllungsauflagen nur streifen. Wir müssen hier aber an die Kleinen denken, die diese Anforderungen nicht mehr erfüllen können. CF: Sie fordern Kreativitätsspielraum, aber auf der anderen Seite haben dieselben multinationalen Konzerne globale Rechte durchgesetzt, die nicht auf freiwilliger Basis beruhen: Freihandelsverträge, globale Gerichte zur Durchsetzung von Investitionsschutz etc. Es gibt unverbindliche UNO-Kataloge für Umwelt, Arbeitsrechte und Menschenrechtsstandards, soziale Standards, Steuern, und Korruptionsbekämpfung. Und ich frage mich: Was liegt näher, als wenn Wirtschaftsverbände dieses Anliegen unterstützen? Weil dann gibt es weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen, und es sind nicht diejenigen die Dummen, die vorausgehen und einen Wettbewerbsnachteil erleiden. Aber die Wirtschaft hat das ganz klar abgelehnt. Und wir erleben ja auch, dass sie nicht nur die Regeln ablehnt, sondern massiv auf Deregulierung drückt. In Österreich lanciert die WKÖ auf der einen Seite diese CSR-Initiative, auf der anderen Seite setzt sie sich für weniger Steuern, Abbau sozialer Leistungen, für länger arbeiten, für Flexibilisierung der Arbeitsmärkte ein. Das ist ein entlarvendes Doppelspiel. Mit CSR soll das Image aufpoliert werden, während man im Hintergrund genau das Gegenteil betreibt, nämlich weniger Verantwortung der Konzerne, höhere Gewinne, weniger Arbeitsplätze, weniger Steuerleistung etc. BL: Es gibt einen großen Katalog bestehender internationaler Standards, und es wäre ein wichtiger Schritt, die mal in Erinnerung zu rufen, weil nicht mal die eingehalten werden. Der Freiwilligkeitsaspekt hat unterschiedliche Dimensionen. Einerseits gibt es diese CSR-Bewegung, und die ist vielleicht nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin ein wichtiger Ansatz, um Bewusstsein in Unternehmen für soziale Verantwortung zu schaffen, und ich glaube schon, dass es bestimmte Standards braucht, um CSR umzusetzen, die zwar nicht unbedingt sofort Gesetzesstatus haben müssen, aber dass es bei Unternehmen, die CSR machen, nicht in Beliebigkeit ausarten soll. Wie steht es um den Vorwurf des Etikettenschwindels, und welche Anreize gibt es, CSR substanziell zu machen, wenn die Sache freiwillig ist? RM: Ich sehe persönlich sehr wohl auch Probleme der unternehmensgetriebenen Globalisierung. Bei meinen ca. 80 Unternehmen im CSR-Verband sehe ich aber in CSR viel mehr eine Chance. Firmen, die früher nur auf Gewinn geschaut haben, realisieren, dass sie auch auf die Gesellschaft zu achten haben. Auf dieser Mikroebene bietet CSR ein Konzept, das mittelfristig durchaus freiwillige Selbstverpflichtung fordert. Wenn behauptet wird, dass etwas gemacht wird, dies aber nicht überprüft wird, führt sich das Konzept letztlich ad absurdum. PK: CSR ist keine Ersatzreligion, wir leben nun mal in einer kapitalistischen Welt. Holen wir CSR auf die Mikroebene zurück, als Teil eines Erkenntnisprozesses. Manche Firmen werden es vielleicht nie kapieren, aber tun wir doch nicht so, als wäre die Wirtschaft a priori schlecht. CF: Wenn wir auf der Mikroebene begonnen hätten mit CSR, dann hätte ich überhaupt nichts dagegen. Wenn Unternehmen draufkommen, dass das ein System ist, das immer unguter wird, und Finanzinvestoren 20% Rendite verlangen, obwohl die Wirtschaft nur 2% wächst, und deshalb vor der eigenen Haustür anfangen, wenn sie schon das Gesamtsystem nicht beeinflussen können, dann find ich das eine gute Initiative. CSR kommt aber eben nicht von den kleinen Unternehmen, sondern ist eine Initiative globaler Wirtschaftsverbände, in Österreich von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer, die gleichzeitig auf Deregulierung drängen, und solange steht der Vorwurf eines Ablenkungsmanövers und einer Verschleierungstaktik im Raum. Wenn es eine umgekehrte Parallelstrategie war, wenn es heißt, wir fangen im Kleinen an, und parallel setzen wir uns für die Anhebung der verbindlichen Standards für Unternehmen auf globaler Ebene ein - das wäre etwas anderes. RM: Wenn es ein Ablenkungsmanöver war, dann ist es der Wirtschaftskammer Österreich und der Industriellenvereinigung reichlich schlecht gelungen. Immerhin lesen Sie in der Zeitung über deren wirtschaftspolitische Forderungen und nicht über CSR. Also wen lenkt das ab? Wir versuchen mit dem Thema die Unternehmen zu sensibilisieren und zu einer gewissen Qualität von CSR zu bewegen. Es gelingt allerdings mehr schlecht als recht zugleich auch die Öffentlichkeit zu erreichen. Die Debatte mit den Unternehmen, auf der einen Seite Entlassungen vorzunehmen und auf der anderen Seite schöne Nachhaltigkeitsberichte zu produzieren, ist intensiv. Aber wir müssen realistisch sein. Wenn es einem Unternehmen schlecht geht und es keine Gewinne mehr erzielt, dann wird das Soziale und Ökologische in den Hintergrund gestellt. CF: Dann wünsch ich mir von den sozial gesinnten Unternehmen an erster Stelle, dass sie für die Beendigung des Standortwettbewerbs eintreten. Weil wenn wir versuchen würden, nur in Österreich tolle Standards durchzusetzen, dann wandern die Unternehmen ab – sie nutzen den Standortwettbewerb. Aber dieser Standortwettbewerb und der Weltmarkt sind keine Naturgesetze, sondern sowohl die EU-Integration als auch die Globalisierung sind politische Regulierungen. Und die Voraussetzung für den Wettbewerb sind gesetzliche Regulierungen, die die transnationalen Konzerne durchgesetzt haben. Und da find ich es paradox, wenn die Firmen die Globalisierung auf Basis verbindlicher Regeln durchsetzt, aber jetzt hier irgendwer von Freiwilligkeit fantasiert. Ich sehe verschiedene Ebenen von sozialer Verantwortung, nach der Gliederung des Sozialwissenschafters Peter Ulrich: Erste Ebene: Welches Produkt bringe ich auf den Markt? Ist es ein ethisches Produkt, richtet es womöglich Schäden an, von Zucker über Drogen bis Waffen. Zweite Ebene: Wie gehe ich mit allen Stakeholdern um - Beschäftigte, Zulieferbetriebe, KonsumentInnen, AnrainerInnen. Dritte Ebene: Damit ich als sozial verantwortliches Unternehmen gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen gerate, muss ich mich auch für die Verbindlichkeit meiner Normen einsetzen. Der Mangel ist, wenn man auf Ebene 2 verharrt und Ebene 3 vollkommen ausblendet. Weil öfter auftaucht, CSR sei ein Teil der Geschäftsstrategie: CSR verbessert den Gewinn - dann ist es aber keine ethische Strategie. Wenn es um soziale Verantwortung eines Unternehmens geht, muss eigentlich der Gewinn wurscht sein. Aber in der CSR Literatur wird es primär als ein gewinnerhöhendes Management-Tool transportiert, und das ist ein unethischer Zugang. PK: Wenn die Unternehmen sagen, "Vergesst die Gewinne", dann bin ich mir nicht sicher, wie nachhaltig das im Kapitalismus ist. Wie ist das Meinungsbild in der Wirtschaft zum Spannungsverhältnis zwischen Freiwilligkeit und Verbindlichkeit von Sozialstandards? RM: Da der Spannungsbogen real ist, schlägt es sich durchaus nieder. Das Interessante dabei ist, dass es bei dieser Regulierung auch viele Negativbeispiele - z.B. betreffend Behinderteneinstellungsgesetz - in Österreich gibt. Unternehmen suchen sich ihren Ausweg durch die Hintertür, indem sie sagen, dass es nicht zu ihnen passt oder die Hilfe, die sie bräuchten, um es umzusetzen, nicht angeboten wird. Indem diese ihren Betrag zahlen, sind sie aus dem Schneider. Genau hier lauert aber die Gefahr, dass durch die Einführung der Verpflichtung Unternehmen an den Rand der Legalität gedrängt werden oder sich die, die es sich leisten können, frei kaufen – und das ist wirklich nicht das, was wir erreichen wollen. Derzeit gibt es rund 100 Unternehmen, die sich aktiv zu CSR bekennen. Wenn es uns gelingt, diese Gruppe zu vergrößern, wird dies mittelfristig zu einer Hebung der Standards führen. BL: Ich denke es gibt im Rechtsstaat eben gute und schlechte Gesetze. Das genannte Beispiel ist ein schlechtes Gesetz, weil wenn man sich von einer Verpflichtung freikaufen kann, bringt uns das in dem Bereich nicht weiter. Es wird zu selten der Schritt gegangen, Unternehmen zu positiven Maßnahmen zu verpflichten, z.B. in der Gleichstellungsgesetzgebung. Als Anreiz könnte man sich da etwa überlegen, als öffentliche Stelle in Ausschreibungen hineinzuschreiben, dass nur Unternehmen zum Zug kommen, die sich an dieses Gesetz halten - was ja auch nicht alle tun - und solche, die auch einen Maßnahmenplan vorweisen können, um Gleichbehandlung in ihrem Haus umzusetzen. Es gibt in Österreich bereits genug Gesetze, die man auch auf eine positivere Art und Weise umsetzen könnte, also zusätzliche Maßnahmen vorschreiben, damit die Unternehmen das dann auch tun. CF: Klar, wenn reguliert wird, gibt es immer misslingende Regulierungen. Ein gutes Beispiel für misslingende Regulierung ist die Welthandelsorganisation WTO. Die WTO ist eine Einrichtung mit 28 Teilabkommen und einer Bürokratie von 500 Beamten und sie ist zur Gänze verzichtbar. Ich bin gänzlich Ihrer Meinung, dass Regulierungen auch schief gehen können. Darum ist die entscheidende Frage: Wer macht die Regulierung, wer macht die Gesetze und in wessen Interesse? Und zur Frage des Standortwettbewerbs: Der führt ja nicht nur einfach dazu, dass europäische gut abgesicherte Arbeitsplätze nach China verlagert werden, sondern es werden europäische Arbeitsplätze durch miserable, menschenrechtsverletzende Arbeitsplätze in China ersetzt. CSR könnte auch bedeuten, dass man diese Investitionen nur dann zulässt, wenn sie dort mindestens so gute Arbeitsbedingungen und -plätze schaffen wie in Europa. Dann würde ein Teil nicht mehr hinwandern. Aber ein anderer Teil würde nach wie vor hinwandern - wenn es nur um Markterschließung geht, ist es ja kein Problem, wie hoch die Löhne und wie gut die Arbeitsbedingungen sind – die würden aber dann Entwicklung auslösen. Welche Zukunft sehen Sie zusammenfassend für CSR? PK: Ich gehe davon aus, dass sich der Hype der vergangenen Jahre, mit vielen Akteuren, Nutznießern und Kritikern, abschwächen wird. Es wird in vielen Unternehmensbereichen zu einer Integration des Managementverständnis von sozialer Verantwortung kommen, es wird bei einer nachfolgenden Generation von Managern zunehmend selbstverständlich werden. CF: Ich hege die Hoffnung, dass das strategische Element der CSR-Debatte entlarvt wird, dass aber der Geist der sozialen Verantwortung immer mehr Unternehmen erfasst, nicht nur kleine, ich bin selber selbständig. Und betone, das sozial verantwortlichste, was Unternehmen machen können, ist sich für verbindliche Regeln einzusetzen. Ich möchte auch alle Individuen daran erinnern, dass wir nicht nur KonsumentInnen sind, und uns da sozial verantwortlich oder konsumkritisch verhalten können, sondern dass wir Mitglieder der Demokratie sind. Und die Demokratie ist nicht als Geschenk vom Himmel gefallen, sondern das haben wir uns blutig erstritten, und jedes Recht ist auch mit einer Pflicht verbunden. Wenn wir die Pflicht darauf begrenzen, alle 4 Jahre ein Kreuzerl zu machen, dann wird aus der Demokratie eine Plutokratie, oder eine Konzernherrschaft, oder eine Diktatur des Marktes oder eine Verschärfung des Kapitalismus. Das wäre der Ansatz der sozialen Bewegungen, dass wir die Pflicht haben, uns für die Regeln, die innerhalb einer Demokratie gelten, permanent einzusetzen. RM: Um die Freiwilligkeit wird auch in Zukunft kein Weg herumführen - allein um die Vielfalt der Aktivitäten der Unternehmen zu fördern. Ich habe das Gefühl, dass man noch viel mehr Projektinitiativen bei einzelnen Unternehmen sehen wird. Der Trend geht weg von der PR-Schiene hin zum Strategischen – das hoffe ich zumindest. Dabei ist ein Kernbereich die Stakeholderkommunikation. Die Kommunikation mit der Zivilgesellschaft, den MitarbeiterInnen, den KonsumentInnen und den NGOS erscheint mir, sich bei fast allen Unternehmen als einer der wichtigsten Punkte herauszukristallisieren. Ein weiterer wichtiger Kernbereich ist die globale Wertschöpfungskette, die, wenn Anforderungen an große Unternehmen häufiger werden, auch immer stärker die Klein- und Mittelbetriebe treffen wird. BL: Eine kurze Replik auf Demokratie und Teilhabe: Das Problem ist, dass auch in unserem Land etliche Personen nicht an der Demokratie teilhaben können, aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft, obwohl sie schon seit langer Zeit in diesem Land leben, und trotzdem nicht wählen können. Das ist auch ein Aspekt, für den wir uns einsetzen sollten. Was CSR betrifft, hätte ich die Hoffnung, dass dieses Konzept, das aus einer bestimmten Richtung kommt, von uns selber definiert werden kann und wir somit neue Aspekte in dieses Konzept hineinbringen können. Das ist auch ein Ziel von unserem Netzwerk Soziale Verantwortung, das auch deshalb diesen Titelzusatz "Corporate" nicht in seinem Namen drinnen hat, um eben einen anderen Zugang zu dieser Thematik zu schaffen. Ich glaube aber schon, dass man mit diesem Begriff CSR die Unternehmen dazu bewegen kann, sich darauf einzulassen, und was gerade in Österreich wichtig ist, Kleinunternehmen dafür zu gewinnen, um dieser globalen Ebene, von der dieses Konzept kommt, ein bisschen etwas entgegen zu setzten, und auf der kleinen Ebene zu verankern. Es ist wichtig, dass sich die Unternehmen auf einen Prozess einlassen - es ist kein Konzept, das von heute auf morgen umgesetzt werden kann, oder sich in der Gesellschaft allgemein etablieren kann, es müssen möglichst viele Stakeholder eingebunden werden, allen voran die MitarbeiterInnen, um auch diese Perspektive in die Prozesse hineinzubringen. Und über so einen Prozess kann sich das Konzept von sozialer Verantwortung von Unternehmen verankern. Und vielleicht können Unternehmen, die das umsetzen, auch als eine Art role model für andere Unternehmen fungieren, aber nicht auf einer Wettbewerbsebene sondern auf einer produktiveren, positiveren Ebene. Eine Aufzeichung der Diskussion ist am 17.2.um 20h auf dem Wiener Kabel-TV-Sender Okto zu sehen. Im Anschluss wird die Dokumentation "CSR Versprechen Verantwortung" von Emanuel Danesch gezeigt. online seit 02.02.2007 11:40:37 (Printausgabe 36) autorIn und feedback : verdienen Links zum Artikel:
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