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  Partizipation und Herrschaft



Obrigkeitsstaatliches Anordnen ist out, Steuerung über „Partizipation“ und „Community“ ist in. Doch wer ist drinnen, wer ist draußen bei der Community? Wer bestimmt die Themen und Rahmenbedingungen fürs Mitmachen? Und wie groß ist der Gestaltungsspielraum wirklich?

Die Stadt Wien liefert in jüngster Zeit reichlich Anschauungsmaterial für diese Fragen. Das Wiener Community TV Okto wurde gegen den Widerstand zentraler ProponentInnen aus der Basis mit sehr wenig Unabhängigkeit gegenüber der Stadtverwaltung ausgestattet. Seit einigen Monaten sind dort Communities on air zu sehen, die die Multi-Kulti Vielfalt Wiens zeigen, und oft erstaunlich gelungene Programme machen. Aber Kritik sucht man dort vergeblich. Ein Beispiel: Bei der letzten Tagung der Wiener Integrationskonferenz war die zuständige Integrationsstadträtin Sonja Wehsely nur kurz anwesend – und zwar für die Dauer ihres eigenen Referats. Dieses Referat füllte dann beinahe die komplette Zeit der Berichterstattung über die Tagung auf Okto. Bei der Tagung selbst ging es übrigens für außen stehende BeobachterInnen äußerst zahm her: Von radikalen Forderungen der anwesenden VertreterInnen von migrantischen Vereine keine Spur, es dominierte die leicht devote Bittstellerhaltung gegenüber den Stadtverantwortlichen. Die Einbindung der „Community“-RepräsentantInnen in das Parlaments-Substitut für MigrantInnen und die Übertragung von Aufgaben hat scheinbar deutlich disziplinierende Wirkungen.

Richtig zu Hochform läuft die Community-Instrumentalisierungsstrategie der Stadtregierung in letzter Zeit im Bereich des Kultursektors auf: Die seit wenigen Jahren bestehenden Creative Industries-Förderungen werden regelmäßig mittels „Open Space“ Konferenzen vorbereitet, auf der die jeweilige Community zur Bereitstellung von Informationen aufgefordert wird, wie sich Verwertung im jeweiligen Bereich optimal organisieren ließe, und sich gleich in die ökonomische Denkweise und Präsentationstechnik einüben kann.

Am weitesten geht dies bislang im Feld der Netzkultur: Hier experimentiert die Stadt Wien im Rahmen eines neuen Fördermodells mit der unmittelbaren Einbeziehung von Community-Selbstorganisation in Verwaltungsaufgaben.


Texte im MALMOE-Schwerpunkt in Heft 32:

Sesam öffne dich! Das neue Zauberwort heißt Partizipation, von Birge Krondorfer

Die Diskussion zu Partizipation in Lateinamerika von Günther Hopfgartner

Die Community im Container. Netzkultur-Förderreform in Wien, von Hopfgartner/Pilsl/Weber/Wieselberg


online seit 23.05.2006 13:41:06 (Printausgabe 32)
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